IHK-Umfrage

Sind Düsseldorfs Umweltspuren wirklich nur negativ?

Die Düsseldorfer Industrie- und Handelskammer hat eine Umfrage zu den Umweltspuren gestartet. Die sorgt für Diskussionen wegen der einseitigen Fragen.

Die Düsseldorfer Industrie- und Handelskammer hat eine Umfrage zu den Umweltspuren gestartet. Die sorgt für Diskussionen wegen der einseitigen Fragen.

Foto: David Young / dpa

Düsseldorf.  Eine einseitige Befragung der Industrie- und Handelskammer zu den Düsseldorfer Umweltspuren sorgt für Aufsehen. Der SPD-Chef ist sauer.

Die Düsseldorfer Industrie- und Handelskammer (IHK) sieht die Umweltspuren kritisch. Derzeit befragt sie ihre Mitgliedsunternehmen, wie sie mit dem Verkehrsversuch zurechtkommen und wie sie allgemein Düsseldorfs Versuche für eine Verkehrswende einschätzen. Eine der Fragen an die mehr als 3000 angesprochenen Unternehmen lautet: „Inwiefern ist Ihr Betrieb durch die Einrichtungen der Umweltspuren konkret betroffen?“

Sechs Antworten können angekreuzt werden

Die Urheber des Fragebogens erwarten offenbar keine Jubelschreie. Die Betriebe können sechs Antworten ankreuzen: „Mitarbeiter kommen häufig zu spät“, „Mitarbeiter sind unzufrieden“, „Kunden erreichen uns schlechter“, „Lieferungen kommen unpünktlich“, „Umsatzeinbußen“ sowie „Probleme bei der Produktion“. Eine positive Aussage fehlt – dabei werben die Befürworter der Umweltspur damit, dass Nutzer von Rädern, ÖPNV, E-Autos oder Fahrgemeinschaften nun schneller unterwegs seien. Ein Nutzer bei Twitter beklagt eine „übel tendenziöse“ Umfrage: „Dass ich dank Umweltspur mit dem Rad und meinem E-Auto viel besser in die Arbeit komme, ist gar nicht vorgesehen...“

IHK weist Vorwurf der Einseitigkeit zurück

IHK-Sprecherin Antje Mahn weist den Vorwurf der Einseitigkeit zurück. Die IHK wolle ein ehrliches Bild der Lage erfahren. Sie verweist darauf, dass die Betriebe noch eine weitere Auswahlmöglichkeit haben: den Punkt „Sonstiges“, bei dem sich eigene Antworten eintragen lassen. „Diese Möglichkeit wird genutzt, auch für positive Antworten“, sagt Mahn. Man nehme die Kritik aber ernst und überdenke den Titel dieses Eingabefelds bei künftigen Befragungen. Die Sprecherin verweist darauf, dass es zudem eine weitere Frage zu den Umweltspuren gibt: „Wie reagieren Sie konkret betrieblich?“ Dort lassen sich auch positive Folgen ankreuzen, etwa, dass Betriebe jetzt mehr Abstellplätze für Räder bieten.

Die IHK selbst ist kein Anhänger des Versuchs, vor allem die dritte Spur hatte die Kammer massiv kritisiert. IHK-Präsident Andreas Schmitz sprach von einem „instrumentell wie kommunikativ misslungenen Experiment“.

SPD-Chef Andreas Rimkus ärgert die einseitige Berfragung

Andreas Rimkus, Bundestagsabgeordneter und Düsseldorfer SPD-Chef, zeigte sein Unverständnis über die einseitige IHK-Befragung. Er könne das Gejammer über die Umweltspuren in Düsseldorf nicht mehr hören. Statt zu jammern sollte die IHK in die Zukunft blicken. Wie es die Stadt mit der Entscheidung für die Umweltspuren getan habe: „Denn damit verhindern wir ein Diesel-Fahrverbot für unsere Stadt“, so Rimkus. Dies komme vor allem auch den Mitgliedsfirmen der IHK zugute. Doch die IHK trete mit ihrer Kampagne gegen die Umweltspuren, übrigens ähnlich wie die Handwerkskammer Düsseldorf, „aktiv ein für die Nicht-Verhinderung eines Diesel-Fahrverbotes in Düsseldorf“. „Aber wir wollen mit den Umweltspuren und der Verhinderung eines Diesel-Fahrverbot bewirken, dass Industrie und Handel in unserer Stadt weiter fahren können.“ Dass dies klappt, zeigten die verbesserten Messwerte an der Corneliusstraße. Rimkus forderte von der IHK und ihren Unternehmen ein stärkeres Engagement in Sachen saubere Luft. Nur die wenigsten Unternehmen setzten auf elektrische Fahrzeuge, wie etwa die Bäckerei-Kette aus Hilden.

Leserkommentare (0) Kommentar schreiben