Nahverkehr

Rheinbahn-Prototyp bleibt in Duisburg in U-Bahnhof stecken

Ein Prototyp der neuen Rheinbahn-Züge vom Typ HF6 blieb jetzt in Duisburg an einer U-Bahnhaltestelle hängen.

Ein Prototyp der neuen Rheinbahn-Züge vom Typ HF6 blieb jetzt in Duisburg an einer U-Bahnhaltestelle hängen.

Foto: Rheinbahn

Düsseldorf/Duisburg.   Für 120 Millionen Euro schafft die Rheinbahn neue Bahnen an. Doch nun gibt's ein Debakel: Ein Prototyp blieb im U-Bahntunnel in Duisburg stecken.

"Auf Herz und Nieren" sollte der Prototyp der neuen Stadtbahnzüge der Rheinbahn in Düsseldorf in den kommenden Wochen getestet werden. Doch die erste Testfahrt einer Bahn vom Typ HF6 auf der Linie der U79 von Düsseldorf nach Duisburg ging der Rheinbahn jetzt mächtig an die Nieren: Der Zug blieb in einem unterirdischen Bahnhof in Duisburg stecken. Grund: Er ist zu breit für die dortigen Bahnsteige.

"Das ist ein Debakel", bestätigte ein Unternehmenssprecher am Montagmorgen den Vorfall, der sich bereits vergangene Woche in der Nacht von Dienstag auf Mittwoch ereignet hatte. 43 dieser neuen Züge des Herstellers Bombardier sollen ab 2019 in Düsseldorf zum Einsatz kommen und die bisherigen Bahnen vom Typ B80 Zug um Zug ersetzen. Das Auftragsvolumen liegt bei 120 Millionen Euro, zudem gibt es eine Option auf weitere 15 Züge zum Stückpreis von jeweils mehr als 2,8 Millionen Euro.

Der Schaden kann teuer werden

Bei der Rheinbahn ist man geschockt. Der materielle Schaden sei nicht sehr hoch, es gehe "um ein paar Zentimeter abgeplatzer Bahnsteigkante" am Duisburger U-Bahnhof Duissern. Und um zerkratzten Lack am U-Bahn-Prototyp. Doch der Schaden kann für die Rheinbahn teuer werden und belastet das Unternehmens-Image. Bei der Duisburger Verkehrgesellschaft DVG bestätigte ein Sprecher am Montag den Vorfall. Von einem Schaden am Bahnsteig könne indes nicht die Rede sein, sagte er: "Am Bahnsteig ist nichts groß kaputt".

Dennoch bewertet man den Vorfall bei der Rheinbahn als äußerst ernst: Vieles sieht danach aus, dass bei der Bestellung der Züge schlicht Duisburg vergessen wurde, hieß es am Montag im Unternehmen. Am Nachmittag nahm die Rheinbahn dann offiziell Stellung zu dem peinlichen Vorfall: "Die Ursache hierfür ist eine fehlende Berücksichtigung dieses Haltestellentyps im Lastenheft der Rheinbahn aus dem Jahr 2014. Auch gibt es für Haltestellen und Fahrzeuge hierzu keine einheitlichen Standards, die hätten helfen können, diesen Fehler zu vermeiden", begründete das Unternehmen.

Die neuen Züge sollen auch auf allen Linien eingesetzt werden, die Düsseldorf mit den Nachbarstädten Neuss, Krefeld und eben Duisburg verbindet. In Duisburg aber gibt es eine Besonderheit: Die Bahnsteige in den sechs unterirdischen Bahnhöfen der Linie U79 auf Duisburger Gebiet haben jeweils zwei Ebenen: Für die Fahrzeuge der Linie U79 gibt es Hochbahnsteige und für die übrigen Straßenbahnen des DVG-Netzes Bahnsteige mit niedrigem Einstieg - und die sind ein paar Zentimeter breiter und ragen in den Gleisbereich hinein.

Zug-Prototyp rammte einen Niederflur-Bahnsteig

Der HF6-Prototyp schrammte laut Rheinbahn im U-Bahnhof Duissern an der Kante des Niederflur-Bahnsteiges entlang. "Der Zug ist offenbar zu breit", sagte Rheinbahnsprecher Georg Schumacher auf Nachfrage. Es gehe dabei um "Anbauteile" eines Drehgestells, "und nicht etwa um die Drehgestelle selbst oder die Karosserie insgesamt", erklärte Schumacher auf Nachfrage.

Völlig unklar sei derzeit, ob und wie sich das Problem lösen lasse, hieß es bei der Rheinbahn. Eine der Fragen, die man sich stellte: Kann die DVG die Bahnsteigkanten abschleifen? Zu Letzterem hatte man bei der DVG am Montag bereits keine klare Einschätzung: Ein Sprecher nannte das Abschleifen "keine vorstellbare Option". Dann würde nämlich der Spalt zwischen Bahnsteig und Straßenbahntüren zu groß.

Die Testfahrt wurde auch von Mitarbeitern des Herstellers Bombardier begleitet. Eigentlich sollte es vor allem um die Fahreigenschaften, die Funktion der Bremsen und den allgemeinen Komfort in den Zügen gehen. Letztlich dienten solche Testfahrten aber insgesamt dazu, Fehler noch zu beheben, hieß es bei der Rheinbahn: "Um die Fahrzeuge langfristig auch auf der Linie U79 einsetzen zu können, wird die Rheinbahn gemeinsam mit dem Fahrzeughersteller Bombardier Möglichkeiten prüfen, ob Anbauteile neu platziert oder anders dimensioniert werden können."

Problem betrifft nur die Tunnel in Duisburg

Bei der Rheinbahn ist es keine Frage, dass man selbst verantwortlich ist für den Fehler. Der betreffe letztlich nur Fahrten auf der Linie U79, teilte die Rheinbahn mit: "Die Fahrzeuge sind auf den Strecken der Linien U74, U75, U77 und U78, auf denen der Einsatz zunächst geplant ist, in ihrer aktuellen Form problemlos einsetzbar".

Der Zuschlag für den Bau der neuen U- und Stadtbahnzüge an den Hersteller Bombardier sei im März 2015 gegeben worden, sagte Rheinbahn-Sprecher Schumacher. Das Kürzel HF6 steht für "Hochflurbahn Typ 6". Gebaut werden die Züge im Bombardier-Werk im sächsischen Bautzen. Wohl im Juni 2016 habe der Rheinbahn-Aufsichtsrat die Anschaffung wohl endgültig abgesegnet.

Die Anschaffung der Bahnen erfolgt zusammen mit den Kölner Verkehrsbetrieben (KVB), die 20 Züge erwerben. In Köln gebe es allerdings keine zweigeteilten U-Bahnhöfe. Die DVG sei in die Anschaffung der neuen Züge nicht involviert, bestätigte ein Unternehmenssprecher in Duisburg. Auch die DVG habe aber Pläne, die Fahrzeuge auf der Linie U79, die gemeinsam mit der Rheinbahn betrieben wird, zu erneuern. Das Projekt sei aber nicht noch nicht gestartet, sagte der DVG-Sprecher.

Sechs der neuen Bahnen sind bereits gebaut

So ärgerlich der Fehler ist, noch sind längst nicht alle der Züge zur Auslieferung bereit: "Sechs Fahrzeuge sind fertig gebaut, fünf weitere befinden sich in verschiedenen Bearbeitungsstufen in der Fertigung in Bautzen", teilte der Hersteller Bombardier am Montagabend auf Anfrage mit. "Die Zulassung des ersten Einzelfahrzeugs ist für das erste Quartal 2019 geplant. Das letzte Fahrzeug wird bis Oktober 2020 ausgeliefert". Ob es zu Verzögerungen kommt, teilte Bombardier nicht mit: "Wir kooperieren ganz eng mit unserem Kunden Rheinbahn und arbeiten gemeinsam intensiv an einer Lösung", versicherte das Unternehmen. Insgesamt hat die Rheinbahn 104 Züge vom Typ B80, die in den kommenden Jahren ausgetauscht werden müssen.

Auch ohne den Ärger mit dem neuen Rheinbahn-Prototyp ist die Luft im Unternehmen derzeit extrem dick: Rheinbahn-Vorstand Michael Clausecker, der seit Januar 2016 im Amt ist, ist unter Druck geraten. Er muss wohl auch um seinen Posten bangen. Ihm werden schlechte Unternehmenszahlen angelastet, Probleme mit dem Fuhrpark sowohl bei Bussen als auch bei Bahnen und ein schlechtes Betriebsklima. Der Betriebsratsvorsitzende Michael Pink beklagte im Sommer öffentlich, die Mitarbeiter hätten das Vertrauen in Clausecker verloren.

Es ist nicht das erste Mal, dass die Rheinbahn Probleme mit Straßenbahnen hat. Der Hersteller Siemens musste zuletzt vor gut zehn Jahren rund 50 der Silberpfeil genannten Niederflurstraßenbahnen mit Millionen-Aufwand sanieren, weil sich an den Karosserien Risse bildeten. Grund war eine falsche Lastenberechnung bei der Planung, hieß es damals. Verantwortlich dafür war der Hersteller.

Disclaimer 8.Oktober 2018: In einer früheren Version des Textes hieß es, der Vorfall hätte sich am U-Bahnhof Steinsche Gasse ereignet. Nach Angaben der Rheinbahn war es allerdings am Bahnhof Duissern. Wir haben diese Information inzwischen korrigert.