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Rekord: 1264 Publikationen über Tillys Wagen erschienen

Wagenbauer Jacques Tilly und Hans-Jürgen Tüllmann, Geschäftsführer des Comitee Carneval Düsseldorf, mit einem Bild des Mottowagens zum Brexit. Der Wagen ging im wahrsten Sinne um die Welt.

Wagenbauer Jacques Tilly und Hans-Jürgen Tüllmann, Geschäftsführer des Comitee Carneval Düsseldorf, mit einem Bild des Mottowagens zum Brexit. Der Wagen ging im wahrsten Sinne um die Welt.

Foto: foto: Anne Grotjohann

Düsseldorf.  Die Mottowagen vom Düsseldorfer Wagenbauer Jacques Tilly zum Brexit und zu Greta Thunberg waren Spitzenreiter in der globalen Berichterstattung.

„Ihre Mottowagen sind einzigartig gelungen. Mögen sie um die Welt gehen!“ mailte ein begeisterter Zaungast des jüngsten Düsseldorfer Rosenmontagszugs an Wagenbauer Jacques Tilly. Und so geschah es: In Print- und Online-Medien von 95 Ländern, von Argentinien bis zu den Vereinigten Arabischen Emiraten, erschienen Fotos der insgesamt zwölf Pappmaché-Mobile.

Bekanntheitsgrad von Düsseldorf weltweit gesteigert

„Es war atemberaubend, was wir mit unseren Mottowagen losgetreten haben“, erzählt Tilly bei der Nachlese der Reaktionen auf die Wagen-Parade. „1264 Publikationen über unsere Wagen haben wir in der internationalen Presse gezählt, in Deutschland waren es 256.“ Ein Rekord: 2017 seien es mit 647 Veröffentlichungen gerade mal halb so viele gewesen. „Und unter jedem Foto steht ,Düsseldorfer Karneval‘“, betont Hans-Jürgen Tüllmann, Chef des Comitees Düsseldorfer Karneval (CC). „Das steigert den Bekanntheitsgrad unserer Stadt natürlich enorm und zieht weitere Besucher an.“

Spitzenreiter in der weltweiten Berichterstattung über Düsseldorfs Rosenmontagszug 2019: Der Brexit-Mottowagen, auf dem Ex-Premierministerin Theresa May mit ihrer langen Nase ein trauriges Männchen, Symbol für Britanniens Wirtschaft, durchspießt. Auf Platz zwei steht das Mobil mit einer Pappmaché-Büste der streng blickenden jungen Schwedin Greta Thunberg, die als Klima-Aktivistin seit Monaten für Schlagzeilen sorgt. Auf den hochgereckten Armen der Figur steht: „Tut endlich was gegen die Klimakatastrophe!“

Greta-Wagen wird oft verliehen

Der Greta-Wagen ist bis heute ständig auf Tour. „Zuletzt haben wir ihn für eine Demo nach Wuppertal verliehen“, so CC-Chef Tüllmann. „Am 12. Juli ist er zu den Schülerprotesten von ,Fridays for Future‘ wieder hier in Düsseldorf zu sehen.“

Was der Karneval als Wirtschaftsfaktor für die Landeshauptstadt bedeutet, beschreibt Frank Schrader, Geschäftsführer der Düsseldorf Tourismus GmbH: „Allein am letzten Rosenmontag kamen rund 600.000 Besucher zu uns in die Stadt.“ Jeder davon, so die Berechnungen seines Verbands, gäbe durchschnittlich 36 Euro aus. „Das bedeutet rund 22 Millionen Euro Umsatz, vor allem für Gastronomie und Einzelhandel.“ Für die gesamte Session beziffert Schrader die Einnahmen durch Tourismus auf mindestens 300 Millionen Euro.

Das großartige Echo der weltweiten Presse auf Düsseldorfs Rosenmontagszug zeige, so Jacques Tilly, dass Millionen, vielleicht Milliarden Menschen „unsere Bilder nicht nur gesehen, sondern auch verstanden haben.“ Beim Entwurf der Mottowagen habe der Fokus in diesem Jahr natürlich auf der dramatischen außenpolitischen Entwicklung gelegen. „Brexit, Trump, Populismus – bei diesen Themen können mein Team und ich gar nicht hart genug rangehen.“ Die Wagen seien immer ein Gemeinschaftsprojekt. „Und ich bin ein großer Anhänger der Streitkultur“, sagt der 55-Jährige.

Tilly baut seit 1984 Wagen für den Karneval

Seit 1984 entwirft und baut Tilly politisch-satirische Wagen für den Düsseldorfer Karneval. Seine scharfe, bissige Handschrift ist längst Kult – und bringt ihm per Mail und in den sozialen Medien reichlich Lob, auch zuhauf beleidigende Kommentare ein. „Ein Zeitgeist-Phänomen“, so Tilly, das er gelassen hinnehme. Ein Beispiel von vielen: Angesichts des Mottowagens, der den Thüringer AfD-Chef Björn Höcke als Baby von NS-Propagandaminister Joseph Goebbels darstellt, nannte eine Frau Jacques Tilly per Mail „ein dummes Arschloch“ und verurteilte die „primitive Hetze gegen Höcke“.

Einen Mottowagen zur Lokalpolitik gab‘s in diesem Jahr nicht. Im Vergleich zu den internationalen Ereignissen „war Düsseldorf langweilig“, sagt Hans-Jürgen Tüllmann. Jacques Tilly ergänzt: „Unser Oberbürgermeister hat diesmal keine Fehler gemacht.“

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