Schauspiel

Premiere für die „große Breth“

Foto: WAZ FotoPool

Düsseldorf. Sie ist da. Andrea Breth, Regie-Meisterin deutschsprachigen Theaters, inszeniert erstmals in Düsseldorf. Die Frau, die seit 35 Jahren Klassiker behutsam deutet und Sprach- und Spiel-Kunst kultiviert, ohne Traditionalistin zu sein, arbeitet seit Wochen an Isaak Babels „Marija“.

Einem Drama, indem die gesellschaftlichen Umbrüche der Russischen Revolution um 1920 erschütternd beschrieben werden. Dass sie an den Rhein kam, ist Breths altem Theater-Freund Staffan Valdemar Holm zu verdanken. „Er lud mich immer wieder nach Stockholm in das Nationaltheater Dramaten ein.“ Doch sie wagte es nie. „Ich spreche kein Schwedisch“. Als Holm zum Düsseldorfer Intendanten gewählt wurde, funktionierte die Ausrede nicht mehr.

International gefeiert

Andrea Breth (59) strahlt Autorität aus. So wagte niemand im Schauspielhaus zu widersprechen, als sie an einem Freitagabend zum Gespräch einlud. Auch sagte niemand etwas, als sich die Breth auf der Probebühne über das Rauchverbot hinwegsetzte, eine Zigarette anzündete und loslegte. Die Hausregisseurin des Wiener Burgtheaters, international gefeiert, auch bei der Ruhrtriennale und den Salzburger Festspielen, gehört zu der Reihe von Ausnahme-Persönlichkeiten, die sich Privilegien nehmen. Irgendwie versteht jeder, dass man bei ihr beim Thema Rauchen eine Ausnahme macht.

22 Figuren treten auf

Sie thront, in lässigem Pullover und bequemer Hose, auf der Bühne, und wird eingerahmt von einer Mannschaft von Schauspielern (darunter auch Gäste der Wiener Burg), da in Babels Stück in acht Bildern 22 Figuren auftreten. Mit dabei auch Bühnenbildner Raimund Voigt und Kostümbildnerin Moidele Bickel, die für ihre Kostüme in dem Film „Das weiße Band“ den Bundesfilmpreis erhielt. Die große Breth wartet nicht lange auf Fragen, sondern stellt sie selber. Mit leicht genervtem Lächeln. „Warum ich das Stück jetzt inszeniere, das wollen Sie doch wissen, oder?“

Dann wird der Tonfall freundlicher, weicher. 30 Jahre lang sei sie fasziniert von dem hierzulande unbekannten Dramatiker Babel (1894 - 1941), der von stalinistischer Kulturpolitik geächtet und von der Geheimpolizei später ermordet wurde. In seinem 1935 entstandenen Stück beschreibt er die menschlichen Tragödien und Grausamkeiten während Veränderungen der bolschewistischen Revolution 1918. Wenn man diese Umbruchszeit auf unsere heutige Finanz- und Eurokrise übertrage, stelle man sich viele Fragen. „Da bekomme ich nackte Angst.“ Deshalb, sagt sie mit provozierendem Unterton, „passt das Stück gut in das satte Düsseldorf.“ Zumindest habe sie das bisher so erlebt.

Aktualisierungen auf der Bühne? Die lehnt sie aber strikt ab. „Das sind Eintagsfliegen.“ Auf der Bühne werde man das Russland der Revolution wiedererkennen. Historisch genau habe das Team gearbeitet. Dazu passt ihr Plädoyer „gegen das Regietheater und das Verhunzen von Klassikern.“ Auch dürfe man sich im öffentlich subventionierten Theater nicht zu Tode amüsieren. Theater ist für sie „ein Ort des Nachdenkens und der Andacht“.

Babels „Marija“ ist nicht lustig, meint die Breth. „Eher starker Tobak, in dem die Schicksale hautnah erzählt werden.“

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