Umwelt

Müll im Rhein: Behörden fühlen sich nicht zuständig

Eine alte Flasche liegt vor einem Schiff am Rhein. Solcher und anderer Müll findet sich überall im und am Rhein.

Eine alte Flasche liegt vor einem Schiff am Rhein. Solcher und anderer Müll findet sich überall im und am Rhein.

Foto: Martin Gerten

Düsseldorf.   Durch das anhaltende Niedrigwasser offenbart der Rhein wie dreckig er noch heute ist. Denn Plastikmüll bleibt nun liegen – auch in Düsseldorf.

Wer momentan am Rhein in Düsseldorf spazieren geht, staunt nicht schlecht: So viel Flussbett war vorher kaum zu sehen. Der Fluss kann sich vom Niedrigstand nicht erholen. Gestern Mittag lag der Messstand bei 50 Zentimetern. Doch mit dem sinkenden Rheinpegel offenbaren sich noch ganz andere Dinge: die Verschmutzung. Allerhand Plastik, Flaschen oder Fahrräder findet man mitunter im nun freigelegten Flussbett. Eigentlich könnte man diese Situation ausnutzen und den Müll entfernen. Das Problem: Niemand fühlt sich zuständig.

Denn die Stadt verweist an das Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt (WSA) Köln. Die Rheinanliegerkommunen wie eben Düsseldorf entscheiden nach eigenem Ermessen über die Entfernung von Verunreinigungen entlang des Rheins in ihrem Zuständigkeitsgebiet, sofern sich diese „auf dem Trockenen“ befinden und von den Reinigungskräften erreicht werden können, so eine Sprecherin des Umweltamtes.

Bisher zehn Meldungen über Verunreinigungen

In 2018 gingen bisher zehn Meldungen über Verunreinigungen, welche bei Niedrigwasser zum Vorschein kamen, beim Umweltamt ein: Fünf Mal entlang des Linken Ufers (sowohl Metallschrott, Autoreifen als auch alte Metallfäßer), zwei Mal am Bremer Sandstrand (Metallschrott und Autoreifen) sowie einmal am Lohauser Deich (angeschwemmte Gefriertruhe).

Erst gestern erreichten das Umweltamt zwei Meldungen über einen Einkaufswagen und einen Motorroller in der Nähe des Fähranlegers Alt-Himmelgeist. Die Awista wurde mit der Entsorgung beauftragt. Zum Aufgabengebiet der Stadt gehören diese Aktionen eigentlich aber nicht, so ein Stadtsprecher.

Amt fühlt sich nicht zuständig

Doch auch das WSA Köln fühlt sich nicht zuständig. „Unsere Aufgabe ist es, die Sicherheit der Schifffahrt zu gewährleisten“, so Sprecher Christian Hellbach. Zumal es für Aufräumarbeiten „keine Gelder und kein Personal“ gebe. „Die sind an andere Sachen gebunden“, so Hellbach. Zwar sagt er auch, dass „wir als Bund Eigentümer der Bundeswasserstraßen“ sind, aber der Uferbereich allen zur Verfügung stehe. Da gelte das „allgemeine Betretungsrecht“. Somit sei aus Sicht des WSA die kommunale Ebene dafür zuständig, demnach der öffentliche Müllentsorger der Stadt Düsseldorf.

Der Rhein wird jedoch nicht vollends im Stich gelassen. Immer wieder sammeln private Initiativen den Müll auf, wie zuletzt die Umweltinitiative „Rhein Cleanup“. Mitte September sammelten 10.000 Menschen in 59 Städten und Kommunen europaweit Müll ein. In Düsseldorf allein unterstützen 1100 Bürger die Kampagne und sammelten fleißig mit. Für Koordinator Ingo Lentz ein toller Erfolg. Doch auch er kennt das Problem mit den Zuständigkeiten. „Es muss halt mal einer die Ärmel hochkrempeln und das machen“, so Lentz. Aktionen wie den „Rhine Clean Up“-Tag soll es wenn es nach ihm geht, in der Zukunft häufiger geben. Denn die Aktion habe gezeigt: „Es kommen viele zusammen, das schafft ein Bewusstsein und ist dann auch nachhaltiger.“

Bürger müssen sensibilisiert werden

Für Dirk Jansen, Geschäftsleiter beim Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND), ist es auch weiterhin wichtig, die Bürger zu sensibilisieren und weiterhin Öffentlichkeitskampagnen zu machen. Dort sieht er auch die Kommune „stark gefordert“, sagt aber auch, dass sich „die Stadt Düsseldorf redlich bemüht“.

Er selbst bemerkt aber auch, dass es immer noch zu viele Menschen gibt, die ihren Müll „einfach irgendwohin kippen“, nicht nur in den Rhein, auch in die Wälder. „Das ist frustrierend, dass es da so wenig Bewusstsein für die Umwelt gibt“, ärgert sich Jansen. Vielleicht müsse man verstärkt mit dem Ordnungs- und Servicedienst am Rheinufer kontrollieren, doch dafür gebe es kein Personal. Daher setzt er langfristig auf die Aufklärungseffekte. Jansen gesteht aber auch, dass sein „Vertrauen in die Lernfähigkeit der Gesellschaft gelitten“ hat.

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