Staatsschutz ermittelt

Mord in Düsseldorf: Rechtsextreme wettern gegen Flüchtlinge

Der Tatort an der Bachstraße im Düsseldorfer Stadtteil Friedrichstadt.

Der Tatort an der Bachstraße im Düsseldorfer Stadtteil Friedrichstadt.

Foto: Christophe Gateau/dpa

Düsseldorf.   Passant findet Flyer der Identitären Bewegung an Gedenkstätte für ermordete 36-Jährige. Der Staatsschutz ermittelt nun wegen Volksverhetzung.

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Nach dem Mord an einer 36-jährigen Düsseldorferin nutzen Rechtsextreme den Fall, um Stimmung gegen Flüchtlinge zu machen. Am Donnerstagabend gegen 22.20 Uhr hatte ein 30-Jähriger an der Gedenkstätte für die Getötete am Tatort an der Bachstraße mehrere Flyer und Kärtchen der Identitäten Bewegung entdeckt, die vom Verfassungsschutz beobachtet wird. Auf Fotos, die die „Bild-Zeitung“ veröffentlichte, ist darauf der Schriftzug „Deutschlands Zukunft?“ gedruckt. Zu sehen ist eine Frau mit Kopftuch. Die Flyer lagen auf dem Boden verstreut und waren an einem Zaun befestigt. Zahlreiche Kerzen erinnern an der Bachstraße an die 36-Jährige.

Nach Angaben einer Polizeisprecherin hatte der 30-Jährige gemeinsam mit anderen Passanten das Material eingesammelt und hinter einen Stromkasten gelegt. Am Freitag ließ sich nicht klären, ob die Polizei die Flyer sicher gestellt hat. Der in solchen Fällen zuständige Staatsschutz ist inzwischen eingeschaltet. Er ermittelt von Amts wegen wegen des Verdachts der Volksverhetzung. Bereits am Tag nach der Tat hatten unter anderem die Düsseldorfer Republikaner den Vorfall in eigener Sache genutzt. Den Mord in der Landeshauptstadt stellten sie in einer Mitteilung in eine Reihe mit anderen Gewalttaten, die ebenfalls von Flüchtlingen begangen worden sein sollen: „Gestern noch Offenburg, heute Düsseldorf und morgen folgt die nächste Stadt.“

Von dem Tatverdächtigen Ali S. (44), der 2001 nach Deutschland gekommen war und der seit 2010 einen anerkannten Flüchtlingsstatus hat, fehlt weiter jede Spur. Die Polizei kann nur rätseln, wo er sich derzeit aufhält. Im Besitz eines Autos war er nicht, außerdem dürfte er nur über begrenzte finanzielle Mittel verfügen. Derzeit liefen weitere polizeiliche Maßnahmen, sagte eine Sprecherin. Details nannte sie aus ermittlungstaktischen Gründen nicht. Die 13-köpfige Mordkommission beim Polizeipräsidium Düsseldorf arbeite auf Hochtouren.

Update 29.8.2018: Im Rahmen der Öffentlichkeitsfahndung hatte die Polizei auch den vollen Namen des Verdächtigen genannt und ein Foto von Ali S. veröffentlicht. Beides haben wir nach der Festnahme anderthalb Wochen nach der Tat aus den Berichten entfernt.

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