Jobcenter

Linke übt Kritik an Jobcenter-Werbung

So sieht die Werbung auf den Monitoren aus.

So sieht die Werbung auf den Monitoren aus.

Foto: oh

Düsseldorf.   Jobcenter Düsseldorf wirbt dafür, Termine online zu machen. Damit machen sie gute Erfahrungen, so ein Sprecher.

Das Jobcenter Düsseldorf wirbt in der Eingangszone auf Monitoren massiv für seine Online-Termine. Die Werbebotschaften sollen über Titel wie „Selbst Mäuse machen ONLINE Termine!“ vermittelt werden. Dies kommt nicht bei allen gut an. Marcel Nowitzki, Mitglied im Sprecherrat der Landesarbeitsgemeinschaft „Weg mit Hartz IV NRW“ der Linken NRW, sieht hierin eine Herabwürdigung der Betroffenen die keinen Onlinetermine vereinbart haben. „Nicht alle Leistungsberechtigten haben Internet, ihnen wird meiner Auffassung nach das Gefühl vermittelt, Erwerbslose zweiter Klasse, oder/und dümmer als Tiere zu sein, da sie keine Onlinetermine vereinbart haben“, so Nowitzki.

Zudem sei das System nicht ganz ohne Tücken. Oft funktionieren die Scanner, die man zum „Einchecken“ benötigt, nicht richtig. Zu einem Termin kann erst zehn Minuten vorher „eingecheckt“ werden, erklärt der Linke. Wenn die Kundennummer beim „Check in“ nicht zur Hand sei, kann kein Termin vereinbart werden. Diese Kundennummer wird in den meisten Anschreiben des Jobcenters jedoch nicht verwendet, da hier zumeist nur die Nummer der Bedarfsgemeinschaft angegeben werde.

System müsse für alle nutzbar sein

Robert Schwedt, ebenfalls Mitglied in dem Rat, findet es zwar „durchaus positiv, dass man Termine auch online vereinbaren kann“, es müsse jedoch sichergestellt sein, dass das System über das man die Termine vereinbart, von allen nutzbar ist und einwandfrei funktioniert, damit es nicht zu Sanktionen durch Meldeversäumnisse kommt.

Das stimme so jedoch nicht ganz, so Jürgen Hennigfeld, Jobcenter-Sprecher. Wer selbst einen Termin mit dem Jobcenter macht und diesen nicht wahrnehmen kann, wird nicht mit Sanktionen belegt. Das geschehe nur bei Terminen, die das Jobcenter mit der jeweiligen Person mache.

Tiere auf dem Bildschirm – „lustiger Hingucker“

Die Kritik an den Infobildschirmen kann Hennigfeld ebenfalls nicht nachvollziehen. Die Idee mit dem Tier sei der Einfall eines Kollegen gewesen. „Es sollte ein netter und lustiger Hingucker sein, der die Aufmerksamkeit auf das Angebot lenkt“, so Hennigfeld. Bisher habe es auch viele positive Reaktionen gegeben.

Für das Jobcenter sei das Angebot, Online Termine machen zu können eine „gute Sache“, die „allen weiterhelfe“. So werden Ressourcen frei, die anderswo genutzt werden können.

Lehmhaus: „Werbung alles andere als diskriminierend“

Das findet auch Grünen-Sprecher Norbert Czerwinski gut. „Dadurch können Prozesse beschleunigt werden und Verwaltungsmitarbeiter können sich mit anderen Dingen befassen.“

Zudem können auch nach wie vor noch auf herkömmlichen Weg Termine gemacht werden. Dass sich aber die online vergebenen Termine großer Beliebtheit erfreuen zeigen die Zahlen. Von Januar 2017 bis April 2018 hätten 20.000 Menschen im Jobcenter Süd an der Reisholzer Werftstraße 42 die Möglichkeit genutzt. In allen anderen Jobcentern wurde diese Möglichkeit erst im Mai 2018 eingeführt – bis Oktober hätten es weitere 15.000 Bürger genutzt.

Für die FDP-Ratsfrau Monika Lehmhaus ist die Kritik ebenfalls nicht nachvollziehbar. „Irgendwer regt sich immer auf, aber man muss doch auch mal lachen dürfen.“ Sie findet die Werbung alles andere als diskriminierend und sieht darin eher eine Ermutigung, das Online-System auch mal auszuprobieren, da es „leicht“ ist.

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