Gesundheit

Lärm stresst die Düsseldorfer

Flugzeuge sorgen für viel Lärm – gerade auch in Düsseldorf.

Flugzeuge sorgen für viel Lärm – gerade auch in Düsseldorf.

Foto: dpa Picture-Alliance / Horst Ossinger

Düsseldorf.   Häufige Auswirkungen sind Herz-Kreislauf-Beschwerden. Am 24. April ist „Tag gegen Lärm“. Stadt fördert Schallschutzfenster.

Lärm macht krank: Die Stadt Düsseldorf möchte am 24. April, dem „Internationalen Tag gegen Lärm“, erneut den Fokus auf die Ursachen von Lärm und seine Wirkungen lenken, mit dem Ziel, die Lebensqualität nachhaltig zu verbessern.

Seit 2004 hat Stadt ein Schallschutzfensterprogramm

Seit 2004 hat die Stadt wieder ein Schallschutzfensterprogramm für besonders lärmbelastete Straßenabschnitte. Mit eigenen Zuschüssen fördert sie den erstmaligen Einbau lärmdämmender Fenster und Balkontüren. Antragsberechtigte sind etwa Haus- und Wohnungseigentümer, bei denen der berechnete Außenlärmpegel tagsüber bei mindestens 70 Dezibel oder nachts bei 60 Dezibel liegt. Bisher konnte nur für verkehrslärmbelastete Häuser, die bis 1974 genehmigt wurden, eine Förderung gewährt werden. Diese Vorgabe ist auf den 21. Juni 1990 gelegt worden.

„Haus- und Wohnungseigentümer können mit dem Einbau von Schallschutzfenstern einen großen Beitrag zur Verbesserung der Wohnqualität erzielen. Bei der Finanzierung hilft das städtische Förderprogramm“, rät Umweltdezernentin Helga Stulgies. Die Förderung beträgt 225 Euro pro Quadratmeter Fensterfläche bemessen am Rahmenaußenmaß. Zusätzlich gibt es bis zu 225 Euro pro Schlafraum beim Einbau einer schallgedämmten Lüftung. Seit 2004 wurden mit dem Schallschutzfensterprogramm auf Antrag von Eigentümern 2800 Wohnungen gefördert.

Folgen von Lärm: Hörverlust, Depressionen

Denn welche Auswirkungen Lärm tatsächlich hat, wissen Ärzte und Therapeuten. „Es kommen täglich Menschen in die Praxis, die im Innenstadtbereich wohnen und sehr gestresst sind“, so Psychotherapeut René Marx. Die ausgeschütteten Stresshormone haben Auswirkungen auf Herz und Kreislauf. Die Ursache: Lärm. Denn der ist „einer der höchsten Risikofaktoren und sorgt für zu hohen Blutdruck. Jeder zweite, der zu mir kommt, leidet darunter.“ Marx plädiert daher dafür, dass Ärzte bei der Aufnahme eines Patienten danach fragen, wo dieser wohnt. „Dadurch erhält man schon mal einen Anhaltspunkt zur Ursache.“

Durch den durch Lärm ausgelösten Stress steigern sich zudem die Herz- und Atemfrequenz, so Dr. Sabine Zimmerling, Chefärztin für Psychosomatische Medizin an den Median Kliniken. Von der psychosomatischen Seite her sei jedoch auch wichtig, wer den Lärm macht. „Wenn ich dem ausgeliefert bin und das Gefühl habe, nichts daran ändern zu können, ist das besonders schlecht“, so Zimmerling. Der chronische Lärm kann dann zu Gefühlen der Hilflosigkeit, zu Wut und Ärger und letztlich sogar zu Depressionen führen. Menschen, die in Einflugsschneisen wohnen haben ein erhöhtes Herzinfarktrisiko, so Zimmerling weiter. Weitere direkte körperliche Auswirkungen: Hörverlust und Tinnitus.

Mindestens eine Stunde raus in die Natur

Um dem entgegen zu wirken, sei es wichtig, das Hilflosigkeitsgefühl zu reduzieren, erklärt Zimmerling. Ein vernünftiger Hörschutz kann dabei schon helfen. „Gerade Menschen, die im Großraumbüro arbeiten sind Lärm ausgesetzt. Sie können das bei ihrem Arbeitgeber zur Sprache bringen und so einen Gehörschutz bekommen.“

Um einen Ausgleich zu bekommen empfiehlt René Marx mindestens eine Stunde pro Tag raus in die Natur zu gehen und sich die Zeit zu nehmen. Denn man kann viel für sich tun. „Wir müssen uns fragen: Müssen wir das Auto zum Bäcker nehmen? Wer einfach mal das Fahrrad nimmt reduziert den Lärm“, argumentiert Marx. Und Zimmerling wünscht sich, dass auch mehr Aufklärung betrieben wird, damit sich die Menschen bewusst sind, dass sie selbst viel gegen Lärm unternehmen können.

>> ANLAUFSTELLE GEGEN VERKEHRSLÄRM

Düsseldorf hat eine zentrale Anlaufstelle für Bürger geschaffen, die unter Verkehrslärm leiden: Die Stabstelle Lärmschutzkoordination im Umweltamt. Bürger können sich telefonisch unter 0211/8928069 oder per E-Mail an david.miga@duesseldorf.de wenden.

Der „Tag gegen Lärm“ findet seit 1998 einmal jährlich imm April statt. Das Datum orientiert sich am „International Noise awareness Day“ in den USA.

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