Kommunalwahl

Kritisiert Düsseldorfs abgewählter OB die SPD zurecht?

Der abgewählte Thomas Geisel gratuliert am Wahlabend seinem Herausforderer Stephan Keller. Geisel sieht eine Mitschuld an seiner Niederlage auch beim Wahlkampf der SPD.

Der abgewählte Thomas Geisel gratuliert am Wahlabend seinem Herausforderer Stephan Keller. Geisel sieht eine Mitschuld an seiner Niederlage auch beim Wahlkampf der SPD.

Foto: Bernd Thissen / dpa

Düsseldorf.  OB Geisel gab dem Wahlkampf der SPD eine Mitschuld an seiner Wahlniederlage. Parteigenossen wollen sich dieser Kritik bisher nicht anschließen.

Im Interview sprach Noch-OB Geisel darüber, was ihm im Wahlkampf die Niederlage einbrachte. Neben dem Eingeständnis, sich durch politische Fehler angreifbar gemacht zu haben, kritisierte er auch den Wahlkampf seiner Partei. Die wäre besser „mit breiter Brust“ angetreten, „Statt dessen glich der SPD-Wahlkampf eher dem einer Oppositionspartei“, so Geisel gegenüber der Zeitung Welt. So hätte dann deren schlechtes Abschneiden auch seine eigene Niederlage mitbedingt. Was denken seine Parteigenossen über diesen Vorwurf?

„Er hätte vorher genug Chancen gehabt“

„Er hätte vorher genug Chancen gehabt, sich mit dieser Kritik einzubringen“, sagt Markus Weske, Landtagsabgeordneter der SPD aus Düsseldorf. Ob die Partei dieser Kritik gefolgt wäre, wäre eine andere Frage – Geisel habe es jedenfalls nicht getan. Sofern seine Absicht gewesen sei, diese Kritik in den Analyseprozess nach der Niederlage einzubringen, sei das in Ordnung, so Weske.

Was letztendlich zur Niederlage geführt hat, ließe sich jetzt, nach zwei Wochen, noch nicht sagen, „so einfach ist das nicht“. Ob das Parteilogo im OB-Wahlkampf auf dem Plakat ist, das mache jedenfalls nicht den Unterschied, sagt er mit Blick auf andere OB-Kandidaturen von Parteigenossen in NRW seit Einführung der Direktwahl. Eine „enge Verzahnung“ der beiden Wahlkämpfe hält er allerdings für hilfreich.

„Wir waren sicherlich sehr auf unsere Erfolge fixiert. Die Strategie hat halt nicht gefangen“ sagt Peter Rasp, Wahlkampfleiter der SPD. Die CDU habe dagegen bis auf „Geisel abwählen“ gar keine gehabt. Rasp teilt die Kritik Geisels nicht. Er weist auch darauf hin, dass es Thomas Geisels Entscheidung war, einen Wahlkampf getrennt von seiner Partei zu unternehmen.

„Botschaften nach außen klarer machen“

„Ich finde, dass die Diskussion darüber nun parteiintern stattfinden muss“, sagt Julia Uhlig, Juso-Vorsitzende und gewählte Ratsfrau. „Die Wertschätzung für die Parteimitglieder und Ehrenamtlichen Helfer darf nicht verloren gehen. Sie haben eine herausragende Bedeutung für die Neuaufstellung der Partei.“

Generell brauche es in Zukunft einen engen Dialog mit Düsseldorfer Bürgern, der dann auch Grundlage für eine Neuaufstellung sein müsse. Als Teil einer jungen Generation Sozialdemokraten hat sie auch Kritik am bisherigen Auftreten ihrer Partei: „Ich glaube, es ist ganz wichtig, dass wir unsere Botschaften nach außen klarer machen.“

So wüssten viele Düsseldorfer gar nicht von den Erfolgen, die ihre Partei hier in den letzten Jahren vorzuweisen habe. „Wir stehen für eine Großstadt für alle.“ Um Wege zu finden, diesem Prinzip entsprechend Politik zu machen, müssten auch alte bürokratische Strukturen aufgebrochen werden – es brauche „out-of-the-box“-Denken.

Kritik an Vorsitzendem Andreas Rimkus

Der Düsseldorfer SPD-Vorsitzende Andreas Rimkus, der am Wahlabend seinen Rückzug als Partei-Chef angekündigt hat, möchte noch keine Stellung zu Geisels Kritik beziehen und weist nur darauf hin, dass die Analyse des Wahlkampfes in der SPD Düsseldorf gerade laufe. Unmut erntet er für seine Haltung von einem Parteimitglied, das nicht namentlich genannt werden will: „Ich finde es bestürzend, dass der Parteivorsitzende die Wahlkämpfenden und Ehrenamtler in dieser Sache bislang nicht in Schutz genommen hat und bin sehr enttäuscht, dass keine Reaktion von ihm kam.“ So bekomme man den Eindruck, Rimkus wolle mit dem Wahlkampf und dessen Ergebnis nichts zu tun haben.

Leserkommentare (0) Kommentar schreiben