Fluggastkontrollen

Flughafen: „Kötter hätte diesen Auftrag nie erhalten dürfen“

Die Mitarbeiter der Fluggastkontrolle am Flughafen klagen seit Jahren über Arbeitsüberlastung. Ihr Arbeitgeber Kötter Security hat die Reißleine gezogen und will vorzeitig aus dem Vertrag aussteigen.

Die Mitarbeiter der Fluggastkontrolle am Flughafen klagen seit Jahren über Arbeitsüberlastung. Ihr Arbeitgeber Kötter Security hat die Reißleine gezogen und will vorzeitig aus dem Vertrag aussteigen.

Foto: Lars Heidrich

Düsseldorf.  Verdi sieht sich nach der Vertragskündigung durch Kötter am Düsseldorfer Flughafen bestätigt in ihrer Kritik am Sicherheitsdienstleister.

Nach der vorzeitigen Kündigung des Vertrages für die Fluggastkontrolle am Düsseldorfer Flughafen durch die Essener Firma Kötter sieht sich die Gewerkschaft Verdi in ihrer seit 2015 geübten Kritik bestätigt. Immer wieder wurde die Arbeitsüberlastung für das Sicherheitspersonal beklagt, es gibt eine Krankheitsquote von 20 Prozent. So kommt es vor den Sicherheitsschleusen zu Wartezeiten von teilweise mehr als einer Stunde.

„Kötter hat sich bei der Übernahme des Auftrages völlig kalkuliert“

Das Essener Unternehmen hat um Vertragsauflösung zum 31. Mai 2020 gebeten, weil die Rahmenbedingungen nicht mehr stimmen und auf Dauer die Sicherheit möglicherweise nicht mehr gewährleistet sei. Özay Tarim, als Gewerkschaftssekretär bei Verdi zuständig für das Sicherheitspersonal an den NRW-Flughäfen: „Dass Kötter jetzt die Reißleine zieht, bestätigt uns in der seit Jahren geübten Kritik. Und wenn das Unternehmen jetzt sogar von finanziellen Schwierigkeiten redet, zeigt das, dass sich Kötter bei der Übernahme des Auftrages völlig verkalkuliert hat.“

Tarim sagte, man dürfe Fluggastkontrollen aber nicht „spitz auf Knopf“ rechnen, schließlich gehe es hier um eine Anti-Terror-Maßnahme. Dass Kötter um eine Vertragsauflösung bittet, ist für den Verdi-Mann keine Überraschung: „Wir haben schon im Jahr 2014, als der Auftrag zum 1. Januar 2015 neu an Kötter vergeben wurde, gewarnt.“ Die Firma habe bereits damals Tarifverträge nicht eingehalten hat und „hätte diesen Auftrag nicht erhalten dürfen“.

Auftrag für Sicherheitskontrolle wird bei Vertragsauflösung neu ausgeschrieben

Sollte sich Kötter mit dem Bundesinnenministerium auf die vorzeitige Auflösung des Vertrages, der bis 31. Dezember 2020 läuft, einigen, wird der Auftrag für die Gepäck- und Fluggastkontrolle am Flughafen neu ausgeschrieben. Dann will sich auch Kötter wieder dafür bewerben.

Für Verdi-Mann Tarim ist dabei wichtig: „Die Rahmen- und Arbeitsbedingungen für die Arbeitnehmer müssen verbessert werden!“ Personalunterdeckung wie 2015 und 2017 dürfe es nicht geben: „Unter den Bedingungen ist die Luftsicherheitssaufgabe ohne fehlerfreies Arbeiten kaum möglich.“ Er machte deutlich: „Die Luftsicherheit als hoheitliche Aufgabe des Staates darf nicht abhängig gemacht werden von kosten und gewinnen.“

Auch die Bundespolizei wird von Verdi kritisiert

Kritik übt Verdi auch an der Bundespolizei, in deren Auftrag führt Kötter die Sicherheitskontrollen vor. Sie habe sich auf Kosten der Mitarbeiter an den Kontrollstationen in Sachen Passagier-Zahlen verkalkuliert: „Wir sind doch nicht auf dem Bahnhof, an einem Flughafen sind dei Passagier-Zahlen kalkulierbar.“ So aber kam es zu Fluggastkontrollen im Akkord, die für Mitarbeiter und Fluggäste im Interesse der Sicherheit nicht gut seien.

Für die Neuvergabe der Sicherheitskontrollen ist für Özay Tarim wichtig, dass die 1100 Kötter-Mitarbeiter eine Weiterbeschäftigungsgarantie bekommen. Zu einem Betriebsübergang an ein anderes Unternehmen gehöre auch das Personal: „Das hat oberste Priorität““

Gewerkschaft will den Druck aufrecht erhalten

Egal, wie es mit der Sicherheitskontrolle am Flughafen weitergeht, Verdi will weiter massiv Druck machen, wenn die Rahmen und Arbeitsbedingungen nicht verbessert werden.“

Kötter ist seit 2004 am Flughafen tätig, zuletzt wurde der Auftrag zum 1. Januar 2015 bis 31. Dezember 2020 verlängert.

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