Vorfälle im Freibad

Keine Jugendbanden im Rheinbad: Wie eine Stadt zurückrudert

Roland Kettler (links), Geschäftsführer der Bädergesellschaft, Thomas Geisel, Oberbürgermeister der Stadt Düsseldorf, und Burkhard Hintzsche, Stadtdirektor von Düsseldorf, bei ihrer Pressekonferenz.

Roland Kettler (links), Geschäftsführer der Bädergesellschaft, Thomas Geisel, Oberbürgermeister der Stadt Düsseldorf, und Burkhard Hintzsche, Stadtdirektor von Düsseldorf, bei ihrer Pressekonferenz.

Foto: David Young / dpa

Düsseldorf.  Nach den Tumulten im Düsseldorfer Rheinbad gibt es dort eine Videoüberwachung. Was genau passiert ist, stellt sich aber deutlich komplexer dar.

Die vermeintlichen Tumulte im Düsseldorfer Rheinbad haben am vergangenen Wochenende für bundesweite Schlagzeilen gesorgt. Jugendliche mit Migrationshintergrund sollen als große Gruppe für mächtig Ärger gesorgt haben. Das Bad musste geräumt werden, es gab einen großen Polizeieinsatz. Doch was in dem beliebten Freibad tatsächlich passiert ist, stellt sich wenige Tage später deutlich komplexer dar als gedacht. Die Düsseldorfer Verwaltung ruderte bei einer Pressekonferenz jedenfalls mächtig zurück.

Vertreter der Stadt betonten, dass es sich nicht, wie verbreitet, um eine Gruppe nordafrikanischer Jugendlicher gehandelt habe. „Nach Einschätzung der Beteiligten war es keine Gruppe von 60 nordafrikanischen Jugendlichen, wie zunächst verbreitet wurde“, so der Düsseldorfer Sportdezernent Burkhard Hintzsche. Die von der Polizei identifizierten Personen hatten einen deutschen Pass, haben allerdings einen Migrationshintergrund.

Düsseldorfs Oberbürgermeister Thomas Geisel machte zudem deutlich, dass die Ausschreitungen weit weniger dramatisch waren, als medial dargestellt: Er wolle „dem entstandenen Eindruck von marodierenden Jugendbanden entgegentreten, die das Bad eingenommen hätten. Das war am Freitag nicht der Fall,“ erklärte Geisel. „Es war ebenfalls nicht der Fall, dass der Badebetrieb anderer nachhaltig gestört wurde.“ Sein Eindruck sei nicht gewesen, dass man hier organisiert als Gruppe vorging.

„Einige der Störer kannten sich offenbar und haben sich beim Stürmen der Rutsche abgesprochen. Jedoch gab es keine Organisation von 60 Jugendlichen über das Handy, so wie es dargestellt wurde“, sagte Geisel, der damit ersten Darstellungen der Polizei widersprach. Bädergesellschafts-Chef Roland Kettler sprach eher von einem „Katz-und-Maus-Spiel“. Aus einer anfangs kleineren Gruppe - so die Darstellung im Rathaus - sei zur Räumung hin eine größere geworden. Tatsächlich gab es am Ende aber nur zwei Anzeigen. Eine wurde gegen einen 16-Jährigen gefertigt, der eine Bademeisterin bedroht und beleidigt haben soll.

Der zweite Mann, gegen den ermittelt wird, hatte laut Polizei mit dem Tumult selbst gar nichts zu tun. Der 27-jährige Deutsche habe eine Polizistin beleidigt, als er das Bad verlassen sollte. Weitere Ermittlungsverfahren gab es nach dem Vorfall laut Polizei nicht - andere Personalien wurden nicht aufgenommen.

Dabei waren die Töne aus der Düsseldorfer Verwaltung selbst am Montag vor der Pressekonferenz im Rathaus deutlich schärfer. Der OB hatte dabei auch ausländerrechtliche Konsequenzen ins Spiel gebracht. Er sagte im ZDF-„Morgenmagazin“, dass man durch die neue Ausweispflicht in dem Schwimmbad nun die Personalien von Störern aufnehme. Gegen die würden dann Verfahren eingeleitet, die „dann möglicherweise auch zu aufenthaltsbeendigenden Maßnahmen führen könnten“. Geisel ergänzte, dass diese „ausländerrechtlichen Konsequenzen“ die „zuständigen Behörden“ zu entscheiden hätten. Zunächst strebe man Ordnungswidrigkeitsverfahren und gegebenenfalls strafrechtliche Verfahren an.

Jugendforscher: Das war eine Rebellion junger Männer

Der renommierte Jugendforscher Klaus Hurrelmann sagte der NRZ, bei den Ausschreitungen handele es sich seiner Einschätzung nach um eine „Rebellion von jungen Männern, die nicht wissen, wohin mit ihrer Kraft und denen langweilig ist“. Die Eltern solcher Täter hätten häufig nicht die Kraft, ihre Kinder zu bändigen, verfügten oft nur über schlechte Bildung, seien nicht gut integriert und hätten keine Perspektiven. Dies färbe auf die Kinder ab.

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Randale von Jugendgruppen habe es schon immer gegeben, so Hurrelmann. Eine „besondere Komponente“ sei, dass die aktuellen Vorfälle oft von Jugendlichen mit einem Einwanderungshintergrund verursacht würden. „Dadurch bekommt das eine andere Färbung. Das ist Futter für Menschen, die der Zuwanderung kritisch gegenüber stehen.“ Hurrelmann fordert ein konsequentes Einschreiten. „Man muss stur Regeln umsetzen.“ Man könne sich an dem Vorgehen in den Fußballstadien orientieren. „Die haben es gelernt, mit jungen, gewaltbereiten Jugendlichen umzugehen.“ Die Betreiber von Freibädern müssten deutlich machen, dass der Migrationshintergrund von Randalierern keine Rolle spiele, sondern es nur um die Einhaltung von Regeln gehe

Konsequenzen haben die Vorfälle vom Wochenende in Düsseldorf trotzdem. Ab sofort gibt es im Rheinbad eine Videoüberwachung, wie Geisel am Montag ankündigte. Die Aufnahmen der Videoüberwachung sollen 72 Stunden gespeichert werden. Zudem soll jeder Besucher des Freibades mit einem wasserdichten Bändchen ausgestattet werden, damit Personen, die sich am offiziellen Eingang vorbei Zutritt zum Bad verschafft haben, sofort erkennbar sind. So sollen Besucher daran gehindert werden, über einen Zaun zu klettern.

Im Düsseldorfer Rheinbad gilt nun eine Ausweispflicht

Bereits am Wochenende hatte die Stadt eine Ausweispflicht eingeführt. Ausweise sollen in bestimmten Fällen und nach Einschätzung des Personals schon am Eingang kontrolliert werden, so die Stadt. Unter 16-jährige, die keinen Personalausweis haben, müssen einen anderen Lichtbildausweis mitführen. Die Räumung am Freitag war bereits die dritte in diesem Sommer in dem Schwimmbad. Zudem soll das Ordnungsamt die bereits angeheuerte Security-Firma unterstützen.

Wie viele Hausverbote im Düsseldorfer Rheinbad bereits ausgesprochen wurden, wurde bei der Pressekonferenz nicht bekannt. Den Bädern würden aber entsprechende Liste mit den auffällig gewordenen Gäste vorliegen, hieß es. „Ein in einem unserer Bäder ausgesprochenes Hausverbot gilt für alle unserer Bäder“, Roland Kettler, Chef der städtischen Bädergesellschaft. (mit rku)

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