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Rosenmontagszug im Stadion? Karnevalsvereine sind skeptisch

Die Mottowagen von Jacques Tilly könnten am Rosenmontag durch die Arena rollen.

Die Mottowagen von Jacques Tilly könnten am Rosenmontag durch die Arena rollen.

Foto: Federico Gambarini / dpa

Düsseldorf.  Das Comitee Düsseldorfer Carneval erwägt einen Rosenmontagszug durch die Arena. Karnevalsvereine sind skeptisch – Politik reagiert verhalten.

Es hat etwas von einem römischen Wagenrennen: Der geplante Rosenmontagszug in der Arena. Hans-Jürgen Tüllmann, Geschäftsführer des Comitees Düsseldorfer Carneval (CC), sprach von einer solchen Idee. Demnach könnten rund 70 Wagen an dem Rosenmontagszug in der Arena teilnehmen, 17.000 Menschen könnten auf den Stadion-Rängen Platz finden. Der WDR würde das Spektakel übertragen. Doch die Karnevalsvereine sind skeptisch.

„Für die Mottowagen von Jacques Tilly gut“, findet Lothar Hörning die Idee, Präsident der Prinzengarde Blau-Weiss. „Die kann man den Menschen vor dem Fernseher und in der Welt zeigen.“ Doch ob Blau-Weiss beim Zoch mitmacht, möchte Hörning offen lassen.

Rosenmontagszug: Vereine warten Corona-Beschränkungen ab

„Das hängt von Corona ab. Wir müssten erstmal schauen, wie viele von uns mitgehen möchten und können, das muss im Verein diskutiert werden.“ Müsste heute eine Entscheidung darüber getroffen, wäre Blau-Weiss vermutlich raus, so Hörning. Der Karnevalswagen sei zwar schon fertig, den könne man aber auch in der nächsten Session nutzen.

Die KG Regenbogen hatte als erste Gesellschaft bereits für sich die Session abgesagt. Die Karnevalsgesellschaft ist mit einer Fußtruppe von rund 100 Personen im Zoch unterwegs. „Da hätten wir uns ohnehin nicht vorstellen können, wie das umgesetzt werden kann“, so Regenbogen-Präsident Andreas Mauska. Gleichzeitig bezweifelt er, dass in der Arena Flair und Atmosphäre wie in Stadt aufkommen: „Es ist ein guter Versuch den Karneval zu retten, aber auch vergebene Liebesmühe.“

„Dafür fehlt mir die Fantasie“

Stephan Friedel, Präsident der Gerresheimer Bürgerwehr, ist indes sehr verwundert wie das CC verfährt. Zwar seien die kleinen Vereine immer bei Gesprächen eingeladen gewesen, doch scheint es da mehr darum zu gehen, Vorschläge des CC durchzubekommen. Er könne zwar verstehen, dass „Leute bei Laune gehalten“ werden sollen, doch für den Arena-Plan fehle ihm die Fantasie. Zudem sei das für den Verein mit Kosten verbunden. „Wir müssten noch einen Wagen bauen lassen. Aber für einmal im Kreis zu fahren lohnt sich der Aufwand nicht“, so Friedel.

Der Karnevalswagenbauer Jacques Tilly findet die Idee hingegen „optimal“. „Eine bessere Lösung gibt es unter Corona nicht. Der Zug findet statt, es gibt eine TV-Übertragung und sogar eine beschränkte Publikumszahl. Ein großes Lob an das CC.“

Zukünftiger OB Keller offen für Gespräche

Die Politik äußert sich hingegen verhalten bis vorsichtig optimistisch. Die Düsseldorfer FDP-Chefin und Ratsfrau Marie-Agnes Strack-Zimmermann versteht, dass man eine Alternative sucht. „Ich glaube auch, dass der CC ein Konzept mit Verantwortung vorlegt.“ Angesichts der momentan wieder stark steigenden Corona-Zahlen sieht sie jedoch zum jetzigen Zeitpunkt schwarz für eine derartige Veranstaltung.

Offen für Gespräche über diese Idee zeigt sich der künftige Oberbürgermeister Stephan Keller (CDU). „Ich höre mir das Konzept gerne wohlwollend an und dann muss man sehen, was unter Corona-Bedingungen möglich ist“, so Keller zur NRZ. Er begrüße den Ehrgeiz der Karnevalisten, eine kreative Lösung zu finden.

Stefan Engstfeld, Düsseldorfer Landtagsabgeordneter der Grünen, findet die Idee „ganz gut“. Es sei klar, dass es keinen normalen Karneval unter Pandemie-Bedingungen geben kann. Dennoch begrüßt er die Konzept-Bemühungen, über die Stadt und Land beraten müssen.

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