Varieté

Karl Dall überrascht das Publikum in Düsseldorf

Heiße Feger umschwirren Matrosen wie Motten das Licht, wer verbrennt, das wissen wir nicht.

Heiße Feger umschwirren Matrosen wie Motten das Licht, wer verbrennt, das wissen wir nicht.

Foto: Ralf Schuett

Düsseldorf.  Düsseldorfer Apollo Varieté: Das neue Programm „Hamburg - auf der Reeperbahn nachts um halb eins“ ist eine schwungvolle Show.

Im Apollo, nachts um… das letzte Lied ist gesungen, der letzte Tanz getanzt, der Vorhang gefallen. Doch viele der Gäste verweilen noch im Foyer des Varietés. Sie wissen: nach der Premiere ist vor den Selfies mit den Künstlern. Hartnäckig umringt wird ein 78-Jähriger, der lässig an der Theke lehnt. Die Frage, ob er ein Mädel hat oder auch keins stellt sich für ihn nicht. Es ist Karl Dall, auf den sich das Augenmerk richtet.

Ein Geschenk des Komödianten

Der Komödiant hat bei der Premierenshow „Hamburg - auf der Reeperbahn nachts um halb eins“ einen Überraschungs-Auftritt hingelegt und ist so zur Perle des Abends geworden. Dall witzelt locker aus dem Ärmel, zieht innerhalb von zwei Sätzen mit vier Lachern das Publikum in seinen Bann.

„Es war schon länger abgemacht, dass ich Bernhard Paul einen Auftritt zur Premiere schenke,“ erzählt Dall und bedauert, dass der Zirkuschef krankheitsbedingt zu Hause bleiben musste.

So hat Paul einen schwungvollen Abend verpasst, der selbst ein verwöhntes Premierenpublikum von den Stühlen schraubte. Das lag zum einen an der kodderigen Schnüss von Susi Salm. Sie ist in Personalunion Moderatorin, Rockröhre, Sirene, Nordlicht und Gattin von Rudolf Rock alias Uli Salm. Die Hamburger Combo spielt erfolgreich mit den Genres zwischen Waterkant und Watercunt. Sehr schön ist bei dieser Produktion die Liebe zum Detail. So lebt in der Konzertmuschel seitlich der Bühne Salms Hamburger Spelunke „Zwick“ auf. Dort pausieren zwischenzeitlich die charmanten Tänzerinnen, umzingeln dann und wann einen dort verweilenden Matrosen. Oder Herrn.

Diffuse Nebelschwaden

Beeindruckend ist der Start der Show. Im Hintergrund kräuselt sich die See, diffuse Nebelschwaden wehen über die Bühne, die Musik verspricht Drama mit Drama an Drama. Dann kommt João Godinho und zeigt, dass eine richtige Luftnummer zwar ein Netz, aber keinen doppelten Boden hat. Ähnlich wie an Strapaten schlängelt er sich in einem grobmaschigen Fischernetz scheinbar schwerelos durch Zeit und Raum. Doch bevor die Gäste zu besinnlich werden, es wird nämlich zwischendurch klangvoll „Ich bin von Kopf bis Fuß auf Liebe eingestellt“interpretiert, erscheint Igor Bouterine mit einer unglaublich rasend schnellen Hula Hoop Nummer. Seine Höchstschwierigkeiten präsentiert der russische Zirkusfamilenspross quasi en passent. Es wirkt bei im so, als sei der Hüftschwung mit dem Reifen etwas, was bereits morgens vor der achten Tasse Kaffee als locker-leichte Aufwärmnummer gemacht werden könne.

Ebenfalls herausragend ist der Auftritt von „Der schönen Helena“, Helena Lehmann. Ihre Pole-Dance Nummer wirkt schwebend, zart, nahezu poetisch. Wie in Zeitlupe windet sich sich an der Stange in lichte Höhen oder nähert sich elegant dem Boden der Tatsachen. „Das habe ich in dieser Form noch nie gesehen,“ entfährt es einem Herrn am Nachbartisch. „Gut so“, könnte der Kommentar von Susi dazu lauten. Sie zwingt mit beherzter Freundlichkeit das Publikum zu stimmungsaufhellenden Interaktionen. Sei es, dass zwei Herren mit recht unterschiedlichen körperlichen Voraussetzungen auf den Bühne um die Wette Liegestütze machen dürfen, oder dass das Publikum auf Zuruf die Arme in die Höhe reckt oder auf Stichwort „Ahoi“, „Oh ha“ oder „Hottehü“ in den Theatersaal ruft. Ein bisschen Kindergeburtstag geht eben immer. Und Susi fordert kess Lebenshilfe ein: „Etwas Applaus hilft mir immer!“ An diesem Abend wurde ihr geholfen. Und zwar sehr gern.

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