Männervereine

Männervereine: In Düsseldorf regt sich Unmut über Vorstoß

Marie-Agnes Strack-Zimmermann, FPD-Kandidatin für das Amt des Düsseldorfer Oberbürgermeisters, kritisiert scharf den Vorstoß von Finanzminister Olaf Scholz, der reinen Männervereinen die Gemeinnützigkeit aberkennen will.

Marie-Agnes Strack-Zimmermann, FPD-Kandidatin für das Amt des Düsseldorfer Oberbürgermeisters, kritisiert scharf den Vorstoß von Finanzminister Olaf Scholz, der reinen Männervereinen die Gemeinnützigkeit aberkennen will.

Foto: Götz Middeldorf

Düsseldorf.  Olaf Scholz will reinen Männervereinen die Gemeinnützigkeit aberkennen. In Düsseldorf wird der Vorschlag ganz unterschiedlich aufgenommen.

Die Steuerpläne von Finanzminister Olaf Scholz sorgen in Düsseldorf weiter für Unmut. Auch Marie-Agnes Strack-Zimmermann, Oberbürgermeister-Kandidatin der FDP, kritisierte sein Eingreifen scharf. Wolfgang Rolshoven, Baas der Düsseldorfer Jonges, bekräftigte seine Kritik. Elisabeth Wilfart, Gleichstellungsbeauftragte der Stadt, befürwortete derweil den Vorschlag des Finanzministers.

„Finger weg von den Vereinen“, fordert Strack-Zimmermann von Olaf Scholz. „Der Finanzminister steckt mitten im innerparteilichen Wahlkampf und will sich profilieren“, wirft sie ihm vor. „Angesichts der Spenden und der Projekte der Jonges wäre dieser Eingriff absolut schädlich. Ich weiß nicht, was der geraucht hat“, so die OB-Kandidatin weiter. „Ich erwarte, dass ein Oberbürgermeister wie Thomas Geisel, der ja selber Mitglied bei den Jonges ist, bei seinem Parteifreund anruft und ihn fragt, was das denn soll“, sagte sie.

„Wäre es mein Parteikollege, hätte ich sofort den Hörer in der Hand gehabt. Denn der Finanzminister greift hier vollkommen ohne Not ins Vereinswesen ein.“ Mit der Entscheidung der Jonges, keine Frauen aufzunehmen, wolle sie sich jedoch nicht auseinandersetzen. „Wenn die das so machen wollen, dann sollen sie es eben machen“, meint sie schlicht.

Männer müssen auch mal unter sich sein

„Das ist ein Angriff auf Ehrenamt und Freiheit“, kommentierte Jonges-Baas Wolfgang Rolshoven den Vorstoß des Finanzministers. „Das bedroht das Leben von Traditionsvereinen. Wenn die Spendengelder ausfielen, müssten wir die Beiträge erhöhen und könnten wohl keine gemeinnützigen Projekte mehr unterstützen.“

Die Jonges sind mit ihren 3200 Mitgliedern der größte Heimatverein Deutschlands, nehmen aber grundsätzlich keine Frauen in ihren Verein auf. So sei es in der 1932 geschriebenen Satzung festgelegt, erklärte Rolshoven. „Das könnte nur mit einer Dreiviertel-Mehrheit geändert werden.“ Den Vorwurf, der Verein sei Frauen gegenüber diskriminierend, weist der Jonges-Baas entschieden zurück. „Wir sind die letzten, die Frauen diskriminieren. Wir unterstützen ja auch Frauenhäuser durch unsere Spenden.“

Wenn der Finanzminister reinen Männervereinen die Gemeinnützigkeit aberkennen wolle, dann müsse er das mit reinen Frauenvereinen ebenso machen, argumentierte Rolshoven. „Es gibt hier in Düsseldorf Vereine wie den Venetien-Club, der keine Männer aufnimmt. Und das ist auch kein Problem“, meint der Jonges-Baas. „Denn eine gute Frau lässt ihren Mann auch mal unter Seinesgleichen und ein guter Mann lässt seine Frau mal unter Ihresgleichen sein.“

Ein Relikt vergangener Zeit

Unterstützung bekommt der Vorstoß von Olaf Scholz von der Gleichstellungsbeauftragten Elisabeth Wilfart: „Ich finde es richtig, dass alle Vereine, die per Satzung Bevölkerungsgruppe ausschließen, das sachlich begründen müssen“, meint sie. „Das gilt für Männer- und Frauenvereine.“ Schließlich habe man erst vor zwei Jahren der Freimaurerloge die Gemeinnützigkeit aberkannt, weil diese, ohne sachliche Gründe vorbringen zu können, Frauen von der Mitgliedschaft ausschloss, sagte Wilfart.

„Die Düsseldorfer Jonges wurden zu einer Zeit gegründet, als Frauen in der Gesellschaft ein enges und anderes Rollenbild zugeschrieben wurde als heute. Somit ist der noch bestehende Ausschluss von Frauen ein Relikt vergangener Zeiten, das so heute keinen Bestand mehr haben darf“, meint die Gleichstellungsbeauftragte. „Warum sollte das Engagement für die Heimatstadt Düsseldorf nur ein Anliegen von Männern sein?“

Brauchtum sei kulturell wichtig und mache auch oft Spaß, erklärte Wilfart weiter. „Gelebtes Brauchtum heißt aber auch, mutig sich den neuen Herausforderungen unserer Gesellschaft zu stellen.“

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