Caravan-Reise

In 67 Tagen von Düsseldorf mit dem Wohnmobil nach China

Die Messe Düsseldorf war Ausgangspunkt einer spektakulären Tour mit dem Reisemobil von Düsseldorf nach Peking.

Die Messe Düsseldorf war Ausgangspunkt einer spektakulären Tour mit dem Reisemobil von Düsseldorf nach Peking.

Düsseldorf.  Fünf Düsseldorfer haben sich am Dienstag auf eine 13.000 Kilometer lange Reise nach Peking begeben. Ihre Tour führt sie entlang der Seidenstraße.

Kostya Abert sitzt in sich zusammengefallen auf der Ecke eines weißen Tisches. In der rechten Hand hat er seinen Wohnmobilschlüssel. Als dieser ihm schließlich nach wenigen Augenblicken aus der Hand gleitet, springt der 49 Jahre alte Wohnmobilist auf und sagt: „Das war der bekannte Power-Nap! Wenn der Schlüssel aus eurer Hand rutscht, dann seid ihr wieder fit und könnt entspannt weiterfahren.“

Reiseleiter Abert erklärt vor 39 abenteuerlichen Wohnmobilreisenden am Dienstagmorgen auf der Messe, wie die wagemutigen Reisenden dem Sekundenschlaf gegensteuern können -- auf ihrer 13.000 Kilometer langen Reise von Düsseldorf ins Reich der Mitte.

Von Dienstag bis Ende Juni werden sich die Wohnmobil-Abenteuer aus vier Ländern auf eine Strecke von Düsseldorf über das lettische Riga, Moskau bis nach China begeben. „Dabei werden wir die berühmte Seidenstraße in Kasachstan und Usbekistan entlang fahren. Das wird eines der Höhepunkte unserer Reise sein. Alle sind auf das orientalische Flair und Märchen aus 1001 Nacht gespannt“, sagt Kostya Abert. Er ist Reiseorganisator der 67 Tage andauernden Tour, China-Kenner und Begründer der Reiseagentur „Abenteuer Osten“.

Campingland China?

Immer wieder habe es ihn nach Fernost gezogen, gerade nach China. „Ich mag die Mentalität der Menschen, das friedliche Miteinander und das Abenteuer“, erklärt Abert, der pünktlich zu der Eröffnung der siebten Caravan-Messe „All in Caravaning“ in Chinas Hauptstadt Peking sein möchte. Denn dort werden am 23. Juni das internationale Reiseteam aus der Schweiz, Frankreich, Österreich und Deutschland sehnsüchtig erwartet. „Wir werden Ehrengäste dort sein“, versichert der gebürtige Mainzer Kostya Abert, der seit Jahren auf der Düsseldorfer Caravan-Messe von seinen Wohnmobiltouren nach China berichtet. Im vergangenen Jahr sei eine Reisegruppe aus China mit Wohnmobilen ins Rheinland gekommen. Deshalb stehe „jetzt der Gegenbesuch an“, sagt Abert.

In China entwickelt sich allmählich das Caravaning als Tourimusalternative zum Hotelurlaub. Aberts junge Mitfahrerin, Liu Xing, aus China stellt jedoch einschränkend fest, dass Caravaning – Wohnmobil oder Caravan – bis dato eher den reicheren Chinesen aus den Metropolen vorbehalten ist. Es seien auch vorwiegend ältere Menschen, die mit ihren Wohnmobilen auf die noch rar gesäten Campingplätze im 1,3-Milliarden-Staat sich verirren würden.

Keine Angst vor Terror

Auch bei der internationalen Reisegruppe aus Düsseldorf sind es ältere Menschen, die für knapp vier Monate ihre Heimat verlassen und auf „Fernostreise“ gehen. Fünf Düsseldorfer sind mit dabei – auf der Tour über zwei Kontinente. Für den selbstständigen Unternehmer Rainer Czich und seine Frau Helga aus Düsseltal ist es schon das zweite Mal, dass sie an einer Abenteuerreise von Abert teilnehmen. „Wir sind gespannt auf Menschen, Mentalitäten und sind neugierig auf andere Kulturen“, sagt Rainer Czich, der sein Wohnmobil vorab noch für China versichern musste. „Das war ein wenig teuer“, sagt er. Insgesamt belaufen sich die Kosten nach Albets Angaben auf rund 2500 Euro pro Reisemobil und Monat. Darin sind die Visakosten, Verpflegung, die gesamte Reiseorganisation und die Besuche in den Metropolen mit inbegriffen.

Angst vor Terror, Sicherheitsproblemen oder vor dem Fremden habe die Czichs nicht. „Wir haben keine Angst. Warum auch? Wenn etwas ist, rufen wir die Tourguides an.“ Da sich die Gruppe abends immer irgendwo zusammenfindet – in China und Russland gibt es kaum Campingplätze –, und jederzeit die Koordinaten der anderen Reisenden hat sowie die lokalen Partnern in jedem der neun passierten Länder zur Seite stehen, ist das Risiko minimal, meint auch Kostya Abert, der auf der Tour seinen 50. Geburtstag verleben wird.

Wohnmobile fahren nicht im Konvoi

Die Wohnmobilreisenden fahren, darauf legt der Reiseleiter großen Wert, nicht im Konvoi. „Es soll möglichst individuell sein und jeder soll selbst entscheiden, wie und wo er lang fährt.“

Wichtig sei nur, dass alle gesund in China ankommen, denn dort gibt es viel Programm: „Wir fahren zwischen den Hängen des nördlichen Himalaya und des Tarimbeckens entlang in Richtung Trans-Taklamakan. Von dort aus weiter östlich, vorbei am Mondsichelsee, riesigen Dünen und den berühmten Buddha-Grotten ins tibetische Hochland mit der weltbekannten Terrakotta-Armee bis nach Peking“, sagt Kostya Albert. Die Rückkehr der Wohnmobilisten ist nach 23 000 Kilometern für Mitte August in Düsseldorf geplant. „Das werden interessante Monate werden“, sagt Helga Czich.

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