Brexit

Immer mehr Briten zieht es nach Düsseldorf

Am 29. März diesen Jahres soll er vollzogen sein – der Austritt Großbritanniens aus der EU.

Am 29. März diesen Jahres soll er vollzogen sein – der Austritt Großbritanniens aus der EU.

Foto: OH

Düsseldorf.   Der Brexit steht kurz bevor – immer mehr Briten zieht es daher nach Düsseldorf. Im vergangenen Jahr gab es 173 Einbürgerungen.

Über zwei Jahre ist es her, dass in Großbritannien die Entscheidung fiel, die EU zu verlassen. Seitdem ist es ein zähes Ringen um Abkommen. Ende März soll das nun ein Ende finden, das Vereinigte Königreich soll dann den Brexit vollziehen. Doch viele Briten wollen lieber in der EU bleiben – und treten die Flucht zu Mitgliedsländern an, so etwa nach Deutschland. Und so ist es nicht verwunderlich, dass auch zahlreiche Briten in Düsseldorf eine neue Heimat gefunden haben – und weiter finden wollen.

Gab es vor 2017 immer nur vereinzelte Einbürgerungen, so zog es 2017 schon 112 Briten in die NRW-Landeshauptstadt. 2018 waren es sogar 173. Für 2019 geht man von weiteren Einbürgerungen aus. Insgesamt leben in Düsseldorf 2385 Briten (Stand: 30. November 2018).

Britische Unternehmen wollen sich nicht kritisch äußern

2018 haben sich laut NRW-Invest acht britische Unternehmen in Düsseldorf neu angesiedelt, ein weiteres kam zur Jahreswende hinzu. Dennoch sei es ein schwieriges Kapitel, weiß Gerhard Eschenbaum, stellvertretender Hauptgeschäftsführer der IHK Düsseldorf. „Die Unternehmen wollen sich nicht kritisch äußern, niemand sagt also, dass er wegen des Brexits hier ist.“ Unternehmen fürchten, dass es ihnen sonst negativ ausgelegt werden könnte.

. „Die Unternehmen wollen sich nicht kritisch äußern, niemand sagt also, dass er wegen des Brexits hier ist.“ Unternehmen fürchten, dass es ihnen sonst negativ ausgelegt werden könnte.

Es geht Richtung „großer Knall“

Was sich jedoch zweifelsohne sagen lässt: Dass es für die Unternehmen eine schwierige Zeit ist. „Keiner weiß, was wirklich passiert, welche Regeln es geben wird“, so Eschenbaum. Alles ginge Richtung „großer Knall“. Besonders betroffen seien Unternehmen, die Handelsbeziehungen, Import und Export, betreiben. „Sie müssen dann auf einmal möglicherweise Zollerklärungen abgeben und haben es vorher vielleicht noch nie gemacht“, so Eschenbaum. Die IHK rechnet für das neue Jahr mit 14,6 Millionen zusätzlichen Zollanmeldungen. Das verursache Zusatzkosten von rund 200 Millionen Euro, so die Prognose. Es fehlt an Personal – und an Zeit.

Auch sei als Warenursprung der Vermerk „EU“ nicht mehr gegeben. Mehr als 1000 Unternehmen in Düsseldorf haben wirtschaftliche Verbindung Richtung Großbritannien. Hinzukommen 400 britische Unternehmen. In den ersten zehn Monaten 2018 wurden 10,4 Milliarden Euro durch Export von NRW nach Großbritannien erwirtschaftet. Das sei ein Minus von 6,3 Prozent zum Vorjahr.

>> BREXIT: SO GEHT ES WEITER

Das Parlament in London sollte im Dezember über den Brexit-Deal abstimmen, den die Regierung mit der EU ausgehandelt hat. Das Votum wurde allerdings auf Ende Januar verschoben. Der Grund: Theresa May ging von einer Niederlage aus.

Auch das Europäische Parlament muss diesem Austrittsabkommen zustimmen. Der Europäische Rat muss das Austrittsabkommen zudem noch beschließen und in Kraft setzen. Großbritannien wäre dann ab 29. März kein Mitglied der EU mehr.

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