Stadtteil-Serie

Im Gästebuch geht’s um die Wurst

Mehr als zehn Jahre lang führten Oliver Priebe (links) und Philipp Kohlen-Priebe das Theater Flin an der Ackerstraße in Flingern. Vor zwei Jahren erfolgte der Umzug in das „KaBarettFlin“ an der Ludenberger Straße.

Foto: oH

Mehr als zehn Jahre lang führten Oliver Priebe (links) und Philipp Kohlen-Priebe das Theater Flin an der Ackerstraße in Flingern. Vor zwei Jahren erfolgte der Umzug in das „KaBarettFlin“ an der Ludenberger Straße. Foto: oH

Düsseldorf.  Seit mittlerweile zwei Jahren residiert das KaBarettFlin an der Ludenberger Straße. Die Betreiber freuen sich über die nette Nachbarschaft.

Mikrokosmische Grenzüberschreitungen in der Landeshauptstadt gesucht? Das kulturelle Kleinod „KaBarettFlin“ ist ein Beispiel. Es residiert seit mittlerweile zwei Jahren an der Schnittstelle zwischen Grafenberg, Gerresheim und Ludenberg. Im Volksmund wird es, Stadtteilgrenzen hartnäckig ignorierend, weiterhin „Theater Flin“ genannt. Das hält die Erinnerung an den Umzug der internationalen Kleinkunstbühne vom Flingeraner Hinterhof in ein Jugendstilhaus an der Ludenberger Straße wach.

„Das Schicksal hat es gut mit uns gemeint“, betont Theaterchef Philipp Kohlen-Priebe und ist mit dem Domizil und der neuen Nachbarschaft sehr glücklich: „Hier sind so viele Inhaber geführte Geschäfte, die Ludenberger Straße ist eine schöne Meile.“ Außerdem sei er an der Benderstraße im Haus seiner Großeltern geboren, da habe er sowieso eine Verbindung zu dieser Gegend.

Ein nervenaufreibende Suche

Über zehn Jahre lang führten er und sein Mann, der Schauspieler Oliver Priebe, das Theater Flin an der Ackerstraße. Dann wurde das Gelände für gediegenen Wohnungsbau frei gegeben und es begann für das Künstlerpaar eine nervenaufreibende Suche nach einem neuen Standort. „Damals hätten wir fast aufgegeben“, sagt Phillip Kohlen-Priebe, „dann haben wir dieses wunderbare Jugendstilhaus entdeckt“. Das hatte bis dato verschiedene Gastronomiekonzepte und ein winziges Kino beherbergt.

Aus Kneipen-Charme wurde Theater-Flair

Mutig nahmen die Theaterleiter einen ordentlichen Batzen Geld in die Hand und wandelten Kneipen-Charme zu Theater-Flair. An die jetzt glänzend schwarzen Wände schmiegen sich sündig rote Vorhänge, die gleichzeitig den güldenen Sitzbezügen zuzwinkern. Das alte Fischgrät-Parkett ist geblieben und baut die Brücke zum gesetzten Alter des Hauses. Es ist eine helle, moderne Künstlergarderobe entstanden und das ehemalige Kleinstkino beherbergt nun die Requisiten.

„Unsere Gäste sollen hier in eine andere Welt eintauchen können“, erklärt Kohlen-Priebe die Intension der Theatermacher.

Auif der Bühne geht es scharfsinnig und gemein zu

Scharfzüngig und gemein geht es ausschließlich auf der Bühne zu. Das private Theater zeichnet sich durch herzliche Gastlichkeit aus. Oliver Priebe kocht mit der gleichen Hingabe, mit der er auf der Bühne agiert. Darum gibt es genussvoll Angerichtetes für die Theaterbesucher. „Manche kommen direkt nach der Arbeit zu uns, da möchten wir ihnen auf unserer Karte kleine Speisen anbieten“, so Kohlen-Priebe. Ein Blick ins Gästebuch zeigt, dass insbesondere die „Currywurst im Glas“ kulinarisches Wohlgefallen bereitet. Die bezieht das Paar von einer Neandertaler Landmetzgerei.

Dem Publikum gefällt die Mischung

Diese Mischung des KaBarett Flingefällt dem Publikum. Vorhang auf - Applaus, Applaus scheint dessen Credo zu sein. „Seit dem Umzug sind die Vorstellungen in der Regel für drei Monate im voraus ausverkauft“, so der Theaterchef. Sie haben dank der sehr guten Verkehrsanbindung und Parkmöglichkeiten auf dem Staufenplatz ihr Stammpublikum behalten und im kargen kulturellen Niemandsland neue Gäste dazu gewonnen. Das hat sich auch bei den Künstlern herum gesprochen. Die spielen immer wieder gerne in dem charmanten Theater, obwohl es nur 99 Plätze hat. Die Grande Dame des Sauerlands, Lioba Albus gehört genauso dazu, wie Andrea Volk, Vera Deckers, „Die Distel“ oder Johannes Flöck. „Mit vielen verbindet uns eine jahrzehntelange Freundschaft“, erzählt Philipp Kohlen-Priebe.

Vorbereitung für ein Lyrik-Programm

2018 wird wieder eine eigene Theater-Produktion überraschen. „Wir arbeiten an einem Lyrik-Programm“, lässt sich dem Regisseur bereits jetzt entlocken. Vielleicht käme darin auch etwas von Robert Gernhardt vor, wird als weitere winzige Information preis gegeben. Als „wilde Hippie-Idee“ bezeichnet Kohlen-Priebe seine Gedankenspiele zu einem Comedy-Festival.

Seit kurzem öffnen er und Oliver Priebe die Räume für Kulturgruppen des Bezirks. „Nachmittags proben hier kleine Chöre, auch ein Dia-Verein trifft sich hier“, sagt er. Dabei ist ihm deutlich anzumerken, wie pudelwohl sich die Crew des Flin in der semi-neuen Umgebung fühlt und wie sehr die beiden im Bezirk sieben angekommen sind.

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