Krankheitswelle

Grippeimpfung ist bei einigen Düsseldorfer Apotheken möglich

Eine Frau lässt sich bei einer Grippeimpfung impfen. Auch Apotheker sollen bald impfen dürfen.

Eine Frau lässt sich bei einer Grippeimpfung impfen. Auch Apotheker sollen bald impfen dürfen.

Foto: Christoph Soeder / dpa

Düsseldorf.  In der Apotheke gegen Grippe impfen lassen: Das Pilotprojekt startet am Donnerstag in Düsseldorf . Kritik daran gibt es von der Ärztekammer.

Ab Oktober können sich Düsseldorfer nicht nur beim Hausarzt gegen Grippe impfen lassen, sondern auch bei einigen Apotheken. Ein entsprechender Modellversuch wurde auf dem Weg gebracht. An diesem sind der Apothekerverband Nordrhein und die AOK Rheinland/Hamburg beteiligt. Einer, der beim Pilotprojekt mitmacht, ist Thomas Stephan, Inhaber der Europa Apotheke in Pempelfort.

Keine Konkurrenz zu Ärzten

Für Düsseldorf sollen rund 25 Apotheken bei dem Projekt machen, in seiner Apotheke werden drei Personen geschult, erzählt Stephan. Sie haben zunächst an einer Online-Prüfung teilgenommen und absolvieren Mitte Oktober Ganztagsschulungen. Ab wann genau Grippeimpfungen bei ihm machbar sein werden, weiß er noch nicht. Von dem Projekt hält er viel: „In Großbritannien und Frankreich sind ähnliche Projekte sehr gut gelaufen. Ärzte verlieren dadurch keine Patienten, vielmehr haben sich gut zehn Prozent mehr Menschen impfen lassen“, so Stephan. So entstehe eine bessere „Durchimpfung der Bevölkerung“ und die Herdenimmunität werde gewährleistet.

Es gibt zudem einen finanziellen Anreiz, der jedoch gering ist – eine Vergütung von rund 12, 61 Euro netto. „Wir brauchen einiges an Desinfektionsmitteln, Handschuhen, etc. Das ist für uns ein Zuschuss-Geschäft.“ Dennoch sei es interessant, teilzunehmen – auch mit Blick auf die Corona-Pandemie. „Vielleicht könnten Massenimpfungen in Zukunft auch in Apotheken durchgeführt werden und entlasten.“

Einige Fragen bleiben, die zu klären sind

In der Apotheke am Hauptbahnhof nimmt man nicht an dem Projekt teil, weil man sich zu spät gemeldet hat, so Inhaberin Margarethe Wrede. Grundsätzlich sei das aber dort möglich gewesen, da man sowohl die Räumlichkeiten dazu habe, als auch einen Arzt in den eigenen Reihen. Auch das Interesse daran habe bestanden. „Das ist ein sehr sinnvolles Projekt, da Impfungen nochmal auf breitere Schultern gestellt werden“, so Wrede. Sie weiß zwar, dass gerade Ärzte dagegen „Sturm laufen“, sie sieht es jedoch nicht als Konkurrenz.

Dennoch gibt es aus ihrer Sicht noch einige Fragestellungen, wie zum Beispiel, wie man als Apotheke an Einzelimpfstoffe kommt. „Wir haben die Praxen beliefert, aber wie würde das für uns aussehen? Dürfen wir Großpackungen öffnen? Da sehe ich durchaus Schwierigkeiten“, so die Inhaberin.

Ärzte qualifizierter?

Die Ärztekammer Nordrhein, zu der auch Düsseldorf gehört, sieht das Projekt kritisch. „Nur Ärzte sind qualifiziert für die Impfanamnese, den Ausschluss akuter Erkrankungen und die Aufklärung zur Impfung“, sagte deren Präsident Rudolf Henke. Zudem seien nur Mediziner in der Lage, die – nie ganz auszuschließenden – Nebenwirkungen wie zum Beispiel allergische Reaktionen zu beherrschen.

Denn die Grippeschutzimpfung ist wichtig, gerade angesichts steigender Corona-Fallzahlen. So verzeichnet etwa die Barmer bei ihren krankgeschriebenen Versicherten aufgrund einer Covid-19-Infektion von der 34. Kalenderwoche auf die 36. Kalenderwoche einen Anstieg von 2853 Fälle auf 3451. „Die Zahl der Corona-Erkrankten wird weiter zunehmen. Eine Grippeschutzimpfung für diesen Winter ist wichtiger denn je, um mögliche schwerwiegende Doppelerkrankungen mit Covid-19 zu vermeiden und um unser Gesundheitssystem nicht zu überlasten“, sagt Heiner Beckmann, Landesgeschäftsführer der Barmer NRW.

Viele Grippetote 2017/2018

Günter Wältermann, Vorstandsvorsitzender der AOK Rheinland/Hamburg, betont, dass sich die Gesundheitskasse bundesweit bereits im Oktober letzten Jahres aktiv für das zusätzliche Impfangebot beim Grippeschutz in Apotheken eingesetzt habe: „Dieser weitere, niedrigschwellige Zugang zur Impfung macht es den Menschen leichter, sich gegen Influenza impfen zu lassen. Die Grippeschutzimpfung ist eine der bedeutendsten und wirksamsten präventiven Maßnahmen: Mit ihr können viele Grippetote vermieden werden“, erklärt Wältermann. Allein die Grippewelle 2017/2018 habe über 25.000 Menschen in Deutschland das Leben gekostet. Daher sei es sinnvoll, wenn mit den Apotheken vor Ort eine weitere qualitätsgesicherte und patientennahe Anlaufstelle im Gesundheitswesen genutzt würde, um die Durchimpfraten zu erhöhen, so Wältermann.

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