Konzert in Düsseldorf

Geiger zaubern prächtige Naturbilder in der Tonhalle

Vadim Gluzman begeister in der Tonhalle Düsseldorf.

Vadim Gluzman begeister in der Tonhalle Düsseldorf.

Foto: Susanne Diesner Photographie

Düsseldorf.  Das erste Sternzeichen-Konzert im Jahr 2020 stand eigentlich unter keinem guten Stern. Doch dann glänzte der Ersatz in der Düsseldorfer Tonhalle.

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Langsam zieht die Geige ihre Bahnen. Keine funkelnden Leidenschaft, sondern zurückhaltende, beinah klagende Motive entlockt Vadim Gluzman seinem feinen Instrument. In Schostakowitschs zweitem Violinkonzert (cis-Moll), das er während einer schweren Krankheit komponierte, herrschen zunächst depressive Spannung und spröde Töne. Erst im Finale löst sich bei Musikern und Publikum die Beklemmung, macht springenden Akkorden Platz, in denen der Tondichter mit russischen Volksweisen jongliert. Das Opus, das im Schatten des ersten Violinkonzerts steht, spielen die Symphoniker erstmals. Und haben mit dem 47-jährigen Ukrainer Gluzman sicherlich einen exzellenten Solisten ausgewählt.

Vollbesetzt war die Tonhalle beim ersten ‚Sternzeichen’ (Abokonzert) im Neuen Jahr, da die meisten gespannt waren auf die junge Dirigentin Joana Mallwitz. Wegen einer Grippe sagte sie jedoch vergangenen Montag für Proben und Konzerte ab. Ein Glück, dass Adrien Perruchon als Ersatz parat stand. Mit Routine, ordentlich Tempo und sicherem Gespür für dramatische Effekte führte der 37-jährige Franzose das Orchester.

An Brillanz gewonnen

Es hat dank Adam Fischer in den letzten Jahren hörbar an Klangkultur und Brillanz gewonnen– u.a. bei Holz- und Blechbläser-Gruppen. So ging der Jung-Maestro mit seinem spontanen ‚Einspringen’ kein allzu großes Risiko ein, zumal neben dem Solowerk noch Schuberts „Unvollendete“ und Ravels „Ballettsuite „Daphnis und Chloé“ auf dem Programm stand.

Letzteres Werk haben die meisten Orchesterleiter aus Frankreich einfach ‚drauf. Als versierter Operndirigent (u.a. in Köln und Lyon) hat Perruchon zudem ein Händchen dafür, große Instrumentengruppen zusammenzuführen, effektvolle, zündende Akzente zu setzen, große Klang-Tableaus zu entfachen und, wenn’s draufankommt, richtig ‚reinzudreschen. In dem Liebesdrama zwischen dem Hirten Daphnis und der unschuldig reinen Chloé beschert die große Symphoniker-Besetzung unter Perruchon gleißendes Licht beim Sonnenaufgang, später dann tänzerischen Schwung, der in farbenprächtiger Naturschilderung mündet. Bei den Blasinstrumenten ragen besonders Solo-Flöte (Lilja Steininger) und Horn (Quirin Rast) durch lupenreine, schwebende Intonation heraus. Im rauschenden Finale zieht Perruchon noch einmal das Tempo an.

Solide, frisch und zupackend, ebenfalls mit manchmal rauen Akzenten bei den Streichern, zelebrieren Perruchon und die Symphoniker die zweisätzige ‚Unvollendete’. Im Andante wünscht man sich a bissel Metaphysik. Das Violinkonzert meistert anfangs Vadim Gluzman nicht nur technisch vorbildlich, sondern mit viel Innerlichkeit und Musikalität. Er entlockt seiner Stradivari – selbst in den sperrigen, spröden Passagen – einen verführerischen Klang, wird mit Bravorufen gefeiert und dankt mit einer Zugabe von Bach.

Noch einmal heute, 20 Uhr, Tonhalle. Karten: Tel. 0211 / 91 38 75 38. www.tonhalle.de.

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