Lesung

Dunja Hayali spricht in Düsseldorfer Theater über Heimat

Dunja Hayali überzeugte im ausverkauften Savoy Theater ihr Publikum. Die TV-Jounalistin setzte sich mit dem aktuellen Heimatbegriff und der Deutschen Wirklichkeit 2019 auseinander.

Dunja Hayali überzeugte im ausverkauften Savoy Theater ihr Publikum. Die TV-Jounalistin setzte sich mit dem aktuellen Heimatbegriff und der Deutschen Wirklichkeit 2019 auseinander.

Foto: Jens Kalaene / dpa

Düsseldorf.  Die TV-Journalistin Dunja Hayali stellte im Savoy Theater ihr neues Buch „Haymatland“ vor. Auch sie habe Vorurteile, sagte sie bei der Lesung.

„Ich hatte nie das Gefühl, nicht deutsch zu sein. Erst als ich im Fernsehen auftauchte, begann man, mir meine Heimat abzusprechen. Heute frage ich mich: In welchem Deutschland möchte ich und wollen wir eigentlich leben?“ Diese Frage ist der Kern, um den Dunja Hayali ihr aktuelles Buch „Haymatland“ geschrieben hat.

Im Savoy Theater sprach die Fernsehjournalistin mit irakischem „Migrationsvordergrund“ über ihre Begegnungen, ihre Eltern, ihre Geburtsstadt Datteln und darüber, wie es ist, wenn das Allgemeine zum Besonderen wird.

Stempelei im Foyer

Bevor die Lesung auf der Bühne startet, stempelt Hayali im Foyer die Besucher ab. Am Signiertisch hat sie einen Stempel, den sie in Bücher oder auch auf Körperteile setzt. „Jeder kann etwas tun + bewegen“ steht darauf. Aktiv sein, Haltung zeigen, Anstand bewahren, dieses Credo zieht sich als roter Faden durch ihr Programm.

Hochkonzentriert ist der Start der Veranstaltung. Dunja Hayali trägt ein Statement zu dem Attentat in Halle vor. Sie stellt dabei glasklar, dass niemand mehr von „Tendenzen“ sprechen kann und mahnt einen respektvollen Umgang mit den Ereignissen an. „Könnten alle einfach mal abwarten? Täter hin oder her - es gabt Tote“ sagt sie. Später verweist Hayali erneut darauf, dass Journalisten Zeit für Recherche, Zeit für Fakten benötigen und eine seriöse Berichterstattung bereits wenige Minuten nach einem Ereignis einfach nicht machbar sei.

Drogendealer im Görlitzer Park

Dann wandelt sich das Savoy Theater zum Wohnzimmer. Privatatmosphäre breitet sich zwischen den Zuschauerreihen aus. Dunja Hayali liest kurze Passagen aus ihrem Buch, dann fällt ihr ein just erlebtes passendes Beispiel ein, über das sie lebhaft berichtet.

Empathisch führt sie Beispiele aus ihren Alltag an, bekennt, wo auch sie Vorurteile hat, erläutert, wie sie mit ihnen umgeht. So hätten die Drogendealer im Görlitzer Park (Berlin) meist eine dunkle Hautfarbe. Sähe sie dort einen „neuen“ dunkelhäutigen Mann, dächte auch sie zunächst, dass er wohl ein weiterer Dealer sei. Doch manchmal sei es eben auch nur ein Hundebesitzer wie sie, der dort Gassi gehe.

Und dann liegt da auf dem Lesepult zwischen ihren Familienfotos und besagtem Stempel ihr Mobiltelefon. Das dokumentiert seine Funktionstüchtigkeit. Hayali erhält eine Nachricht, dass ihr Rückflug nach Berlin nicht wie geplant abhebe. Zwischen Zeilen und Zuschauerfragen muss flink umgebucht werden – auf die Deutsche Bahn. Und was macht eigentlich der Hundesitter? Auch dort gibt es Klärungsbedarf.

Täglich Hasstiraden

Dann geht es wieder zurück zum Thema Heimat. Engagiert hält sie ein Plädoyer für dieses Land, welches 2015 im „Wir-schaffen-das“-Modus war. Sie weist auf die große Ressource der Ehrenamtlichen Helfer hin die gezeigt haben, was machbar ist.

Der 45-Jährigen ist es ein Anliegen zu vermitteln, dass viele kleine Dinge zu einem großen Ganzen wachsen können, so Veränderungen entstehen. Trotz der ganzen Empathie für dieses Land, muss auch Zeit für die hässliche Seite verwendet werden.

Hayali liest einige „...und das sind nicht die schlimmsten“ - Hasstiraden vor, die sie tagtäglich erhält. Es sind nicht zitierfähige, rohe Sätze voller Gewaltandrohungen gegen sie und ihre Familie. „Ich weiß, wo ihre Nichten wohnen,“ ist einer davon. Dunja Hayali wünscht sich, dass die demokratische Mehrheit von diesem Land lauter, energischer würde. Denn wenn jeder macht, was er kann, dann...

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