Roma in Düsseldorf

Düsseldorfer Roma erzählen ihre Lebensgeschichte

Die Düsseldorfer „Carmen“-Mitglieder (von links): Sami Dzemailovski, Almira Durmisevska, Jusein Durmisevski, Peter Rummel und Orfej Alievski.            

Die Düsseldorfer „Carmen“-Mitglieder (von links): Sami Dzemailovski, Almira Durmisevska, Jusein Durmisevski, Peter Rummel und Orfej Alievski.            

Foto: OH

Düsseldorf.  Viele Roma kamen als Gastarbeiter aus nach Düsseldorf. Antiziganismus ist bis heute ein alltägliches Problem

„Es ist längst überfällig, dass wir es selbst übernehmen, unsere Geschichte zu erzählen“, sagt Sami Dzemailovski, Vorsitzender des Internationalen Kultur- und Sportvereins der Roma „Carmen Düsseldorf“. „Wir müssen Gegenbilder zu den alten Klischees schaffen, nach denen Roma arm, ungebildet und auf Almosen der Gesellschaftangewiesen sind“, sagt Dzemailovski. Daher will der Verein ein Projekt starten, in dem Roma, die zwischen 1968 und 1963 als Gastarbeiter nach Düsseldorf kamen, ihre Geschichte erzählen. Sie haben bei großen Unternehmen wie Mannesmann gearbeitet.

Als Gastarbeiter nach Deutschland

Zu den in Deutschland lebenden Rentnern gehören auch viele Roma vor allem aus dem ehemaligen Jugoslawien, aber auch anderen europäischen Ländern, teilt der Verein „Carmen“ mit. Sie kamen mit Millionen anderen Gastarbeitern nach Deutschland.

In dem jetzt gestarteten Projekt thematisieren die Roma ihre Lebensleistungen, ihre Beiträge zur deutschen Gesellschaft – einschließlich Sozialbeiträgen und Steuern -, Erfahrungen von Diskriminierung und Antiziganismus, aber auch von Solidarität und gleichberechtigter Teilhabe, heißt es weiter. Etwa 25 Personen sollen befragt werden, die ersten Befragungen laufen bereits.

Begegnungen im Projekt

Geplant sind neben einer Dokumentation mit Fotos, Videoclips und einer Ausstellung ab Mitte Dezember auch Begegnungen mit jungen Deutschen. Als Projektpartner habe man bereits den Erinnerungsort Alter Schlachthof an der Hochschule Düsseldorf gewonnen, mit dem eine Geschichtswerkstatt und ein Erzählcafé mit den ehemaligen Gastarbeitern und Studierenden durchgeführt werden soll.

Dieses Projekt wird vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend im Rahmen des Bundesprogramms „Demokratie leben!“ gefördert und in Kooperation mit Stadt Düsseldorf und dem Wegweiser Düsseldorf durchgeführt.

Alltäglicher Rassismus

Für viele Roma ist Antiziganismus auch heute noch ein alltägliches Problem. Dagegen kämpft der Verein „Carmen“. Er besteht seit fast 30 Jahren und Mitglieder setzen sich für Chancengleichheit und öffentliche Präsenz der Roma ein. Vorurteile und eine negative Meinung über Roma gibt es bis heute vielerorts: Noch 2016 äußerten sechs von zehn Deutschen laut einer Studie der Heinrich-Böll-Stiftung, sie hätten ein Problem mit Roma in ihrer Nachbarschaft. Rund 60 Prozent der Befragten meinten, Roma würden zur Kriminalität neigen. Auch im Nationalsozialismus wurden sie verfolgt.

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