Leinenpflicht

Düsseldorfer Rentnerin will Zwergspitz „Nanti“nicht anleinen

Düsseldorferin Elisabeth Gather-Hamers mit Zwergspitz „Nanti“. Die beiden streiten mit der Stadt über ein Bußgeld in Höhe von 103 Euro.

Düsseldorferin Elisabeth Gather-Hamers mit Zwergspitz „Nanti“. Die beiden streiten mit der Stadt über ein Bußgeld in Höhe von 103 Euro.

Foto: Wulf Kannegiesser

Düsseldorf.  Elisabeth Gather-Hamers hat Ärger mit der Stadt Düsseldorf, weil ihr kranker Hund von der Leine soll. Das Bußgeld will sie nicht zahlen.

103 Euro als Buße inklusive Gebühren soll eine 69-jährige Rentnerin jetzt zahlen, weil ihr Zwergspitz-Rüde „Nanti“ (6) ohne Leine auf einer Grünfläche der Bilker Arcaden angetroffen wurde. Hundehalterin Elisabeth Gather-Hamers sieht das aber nicht ein, will nicht zahlen, zieht vor Gericht. Sie hält die Buße für „ungerecht“ und „unangemessen“, „weil ich ja auch sehr krank bin“ – ähnlich wie ihr Zwergspitz-Hündchen.

Hund hatte schwere Darm-OP

Denn der 3,7 Kilogramm schwere Rüde habe schwere Darmoperationen hinter sich, leide zudem an Luxation, stelle laut Frauchen insgesamt also keine Gefahr oder Belästigung dar. Die Düsseldorfer Straßenordnung kennt jedoch nur ganz wenige Ausnahmen von der Anleinpflicht. Demnächst muss das Amtsgericht also prüfen und entscheiden, ob die Seniorin ohne Zahlung davonkommen kann.

Gesundheitsbedingt sind jetzt mehrfach täglich nur noch kurze Spaziergänge für Frauchen und Hund möglich, meist auf den Grünflächen nahe ihrer Wohnung an der Bachstraße unmittelbar an den Arcaden. Der Manager des Shopping-Centers hat beiden sogar schriftlich bestätigt, dass sie auf dem dortigen Areal stets „willkommen“ seien. Andererseits gelten aber auch dort das Landeshundegesetz NRW und die Düsseldorfer Straßenordnung – und demnach eine grundsätzliche Anlein-Pflicht für Hunde sämtlicher Arten und Rassen, unabhängig von deren Größe, Alter oder Gesundheitszustand. Für das Frauchen von „Nanti“ müsse der Mini-Rüde aber zu den Ausnahmen zählen.

Mehr als 20.000 Euro für „Nantis“ Gesundheit

Nach dem Tod ihres Mannes vor zwei Jahren hat die Rentnerin alle Ersparnisse aufgeboten, als der Hund kurz danach ebenfalls schwer krank wurde. Mehr als 20.000 Euro habe sie wegen Nierensteinen für Operationen und Nachbehandlungen des kleinen Hundes ausgegeben, habe „Nanti“ sogar einen künstlichen Darmausgang legen lassen. „Dafür habe ich meinen Schmuck verkauft“, verrät die 69-Jährige, die sich jetzt als „arme Rentnerin“ bezeichnet, weil sie weiterhin für monatlichen Ultraschall und Diät-Kost ihres Hundes aufkommen muss – und auch deshalb gegen die verhängte Geldbuße zu Felde zieht.

Maßgeblich ist die Einzelfallprüfung

Stadtsprecher Volker Paulat war zwar nicht bereit, zum konkreten „Nanti“-Fall Stellung zu nehmen unter Hinweis auf das noch „schwebende Verfahren“. Paulat verwies aber darauf, dass Mitarbeiter des Ordnungsamts auch „einen Gleichheitsgrundsatz“ anwenden müssten. Heißt übersetzt: Während man etlichen Hundehaltern bei Verstößen gegen die Leinenpflicht die Regelbuße abverlangt, könne man in gleich gelagerten Fällen nicht von vornherein einfach davon absehen. Maßgeblich sei eben die „Einzelfallprüfung“. Und die geht für das Frauchen von „Nanti“ ganz klar zu ihren Gunsten aus: „Ich habe die schönsten Lederleinen für den Hund angeschafft, aber an der Leine mag er nicht laufen!“

103 Euro will sie nicht zahlen

Da auch Frauchen auf einen Rollator angewiesen ist („Pah, von wegen: Das ist mein Sportwagen“, widerspricht sie sofort), habe sie am „Tattag“ Ende April mittags doch mit „Nanti“ (Geburtsname: Nantai von Bruchend) nur friedlich auf einem Mäuerchen gesessen, als die städtischen Kontrolleure vorbeikamen. Dafür, dass ihr vierbeiniger Gefährte dabei nicht angeleint war, jetzt 103 Euro aufzubringen – das wolle sie nicht hinnehmen. Also hat sie über einen Anwalt Protest eingelegt gegen den Bußgeldbescheid.

Am 11. März will das Amtsgericht den Fall ab 9 Uhr im Saal E.111 genau überprüfen.

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