Digital-Wahlkampf

Düsseldorfer Parteien sehen sich fürs Digitale gerüstet

„Umweltfreundlich ist das jedenfalls nicht, wenn die Stadt damit zutapeziert wird“, sagt Thomas Jarzombek (CDU) hinsichtlich der vielen Wahlplakate und legt Wert auf digitalen Wahlkampf.

„Umweltfreundlich ist das jedenfalls nicht, wenn die Stadt damit zutapeziert wird“, sagt Thomas Jarzombek (CDU) hinsichtlich der vielen Wahlplakate und legt Wert auf digitalen Wahlkampf.

Foto: Tobias Koch

Düsseldorf.  Online-Präsenz wird für die Düsseldorfer Politiker immer wichtiger – der analoge Kontakt soll weiterhin stattfinden.

Dass digitale Inhalte den Wahlkampf maßgeblich beeinflussen können, musste die CDU erst kürzlich vor der Europawahl am eigenen Leib spüren, als Youtube-Star „Rezo“ zum großen Rundumschlag gegen die Volksparteien – insbesondere die CDU – ausholte. Mittlerweile hat der Auftritt des Internetstars weit über zehn Millionen Aufrufe erfahren, eine wirklich adäquate Antwort auf das Video hat die CDU bis heute nicht gefunden. Doch wie sieht es bei den Düsseldorfer Parteien aus: Ist das Internet für sie komplettes Neuland? Und wie nutzen Politiker das Netz für den Wahlkampf?

„Umweltfreundlich ist das nicht, wenn die Stadt zutapeziert wird“

„Wir sind in Düsseldorf nicht nur als CDU-Partei präsent, sondern stellen vor allem einzelne Politiker in den Mittelpunkt. Wir legen Wert auf digitale Inhalte und nutzen soziale Netzwerke für eine große Reichweite, um so viele Wähler wie möglich anzusprechen“, so Düsseldorfer CDU-Chef Thomas Jarzombek. Erst vor einer Woche haben die Christdemokraten in Düsseldorf eine Arbeitsgruppe ins Leben gerufen, um die digitale Strategie der Partei noch weiter nach vorne zu bringen. Das Problem sei jedoch, dass sich digitale Inhalte nur schwer lokal begrenzen ließen. Vielmehr werden spezifische Themen für die Präsenz im Internet aufgearbeitet – etwa Jarzombeks Bus&Bahn-Aktion, die im Februar laut Aussage des CDU-Chefs starke Resonanz im Netz fand. Doch sollte der „Straßenwahlkampf“ nicht vernachlässigt werden. Auch wenn der CDU-Chef bezweifelt, dass die vielen Wahlplakate notwendig sind. „Umweltfreundlich ist das jedenfalls nicht, wenn die Stadt damit zutapeziert wird“, sagt er.

Auch den Düsseldorfer Grünen ist die digitale Präsenz wichtig, fast alle Politiker seien auf irgendeiner Weise im Internet aktiv, ob bei Facebook, Twitter oder Instagram. „Wir werden aber auf jeden Fall weiterhin den analogen Kontakt suchen“, sagt Grünen-Chefin Paula Elsholz. Zwar erreiche man die jungen Wähler vor allem über das Internet, aber ein großer Teil des Engagements finde immer noch in der „echten“ Welt statt. „Die Jugend ist unfassbar politisch, organisiert Demos und zivilgesellschaftlichen Protest. Die Vernetzung findet dabei über das Smartphone statt, aber: der Protest bleibt auf der Straße.“

FDP-Ratsfrau schneidet eigene Videos selber zu

Die Düsseldorfer FDP nimmt sich die digitale Präsenz sehr zu Herzen. So sind nicht nur viele der Düsseldorfer Freidemokraten auf allen gängigen Kanälen im Internet präsent, auch eine eigene App für das Smartphone habe man entwickelt. „Die zeigt etwa Daten zu Veranstaltungen der Partei in Düsseldorf an und versorgt die Nutzer mit allen möglichen weiteren Informationen“, sagt Düsseldorfer Ratsfrau Marie-Agnes Strack-Zimmermann. Viele der Politiker haben zudem eine eigene Internetseite, so wie Strack-Zimmermann selbst, die auch eigene Spots für Youtube dreht und sogar selbst zuschneidet. Den Wahlkampf „auf der Straße“ wollen die freien Demokraten dabei aber nicht vergessen: „Es ist immer noch wichtig, für den Wähler vor Ort präsent zu sein und sein Gesicht zu zeigen“, so die FDP-Ratsfrau.

Die Düsseldorfer Sozialdemokraten setzen intern auf moderne Kommunikationsformen wie etwa Videokonferenzen oder Datei-Sharing. Doch auch die öffentliche digitale Präsenz dürfe nicht zu kurz kommen, sagt Düsseldorfer SPD-Chef Andreas Rimkus. „Wir bedienen viele Formate im Netz – nicht nur junge Parteikollegen, sondern über alle Altersschichten hinweg“, sagt Rimkus, der selber auf Facebook und Twitter aktiv ist. „Wir haben ein gutes Maß an Medienkompetenz. Das ist mittlerweile unentbehrlich, um auf Themen schnell und effektiv reagieren zu können“, sagt der Düsseldorfer Sozialdemokrat. Letztlich könnten durch das Internet auch deutlich mehr Wähler angesprochen werden. Der Dialog bleibe wichtig – jedoch nicht nur im Netz: „Das Gespräch auf der Straße wird nicht aussterben. Unsere Ortsvereine in Düsseldorf etwa suchen immer wieder den Dialog mit den Bürgern, darüber bin ich sehr dankbar“, so Rimkus abschließend.

Linke will neues Konzept entwickeln

Udo Bonn, Chef der Düsseldorfer Linken, hält ehrliche Worte zum Thema Digitalisierung bereit: „Wir müssen uns in dieser Hinsicht besser aufstellen und sind dabei, ein Konzept für den Kommunalwahlkampf 2020 zu entwickeln.“ Das Gespräch von Angesicht zu Angesicht hält Bonn weiterhin für die beste Methode, was sich auch auf das digitale Konzept der Partei auswirken soll. „Wir wollen nicht einfach nur Botschaften senden, sondern ganz klar in den Dialog mit den Wähler treten“, so der Düsseldorfer Linke-Chef. Zwar sei man schon auf Facebook und im Netz aktiv, doch bleibe man weiterhin „Old-School“: „Mit dem Rheinblick bringen wir weiter unser politisches Magazin ein paar mal im Jahr raus. Das werden wir auch weiter so beibehalten“, sagt Bonn abschließend.

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