Politik

Düsseldorfer Parteien: Breite Ablehnung gegen die AfD

Gegen AfD-Veranstaltungen in Düsseldorf gab es mehrfach großen Protest, hier mit Cellist Thomas Beckmann vorm Henkel-Saal.

Gegen AfD-Veranstaltungen in Düsseldorf gab es mehrfach großen Protest, hier mit Cellist Thomas Beckmann vorm Henkel-Saal.

Foto: Andreas endermann

Düsseldorf.  Die Düsseldorfer OB-Bewerber Geisel und Keller wollen keine Podiumsdiskussionen, mit AfD-Politikern. Ein „Nein“ kommt auch vom Brauchtum.

Die Oberbürgermeister-Kandidaten von CDU und SPD werden vor der Kommunalwahl nicht an Podiumsdiskussionen teilnehmen, wenn auch der Kandidat der AfD eingeladen wird. Amtsinhaber Thomas Geisel (SPD) sagt, er begrüße den Wettstreit mit seinen Herausforderern. Doch auf einem Podium mit dem AfD-Kandidaten Florian Josef Hoffmann möchte er nicht stehen. Der Informationsgehalt von Veranstaltungen mit AfD-Beteiligung sei ohnehin „sehr begrenzt“, weil es unsachlich zugehe. Da die AfD im Stadtrat nur mit einem Sitz vertreten ist und bislang in Düsseldorf nicht „sonderlich gut“ abgeschnitten habe, sieht Geisel auch keine besondere Veranlassung. Geisel hat sich immer wieder an Demonstrationen gegen die AfD beteiligt.

Auch für den CDU-Bewerber gilt: Keine gemeinsamen Podiumsdiskussionen mit AfD-Vertretern

Auch CDU-Kandidat Stephan Keller will fernbleiben. Er sei Ministerpräsident Armin Laschet dankbar, dass dieser noch einmal klar gemacht habe, was in der CDU gelte: keine Kooperation in jeglicher Form mit der AfD. „Ich werde mich nicht daran beteiligen, der AfD eine Bühne zu geben“, sagt Keller. „Deswegen wird es mit mir keine gemeinsamen Podiumsdiskussionen mit AfD-Vertretern geben.“

Die Kandidaten von Grünen und FDP schließen eine Teilnahme nicht grundsätzlich aus. „Die Entscheidung liegt bei den Veranstaltern“, sagt Stefan Engstfeld (Grüne). Er diskutiere mit jedem, solange die Debatte nicht aus dem Ruder laufe, etwa durch Zuschauer, die bewusst stören. Nachdem eine Diskussion mit AfD-Beteiligung in Oberkassel wegen Zwischenrufen aus dem AfD-Lager vor dem Abbruch gestanden hatte, einigten sich Politiker anderer Parteien schon vor der Landtagswahl 2017 auf dieses Vorgehen.

„Dann stehen wir auf und gehen“

Auch FDP-Kandidatin Marie-Agnes Strack-Zimmermann zieht eine Grenze da, wo die Diskussion als Vorwand für Randale dienen soll. „Dann stehen wir auf und gehen.“ Sie will einer inhaltlichen Auseinandersetzung aber nicht aus dem Weg gehen. „Es sind ja auch keineswegs nur Nazis, die diese Partei wählen.“

Die Veranstalter tendieren offenbar überwiegend gegen AfD-Beteiligung. So etwa der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB). „Die Arbeitnehmerrechte, die wir vertreten, werden von der AfD anders gesehen“, sagt Regionsgeschäftsführerin Sigrid Wolf. Außerdem seien manche Beschlüsse der AfD undemokratisch. Der evangelische Superintendent Heinrich Fucks kann noch nicht von einer einhelligen Meinung in den Gemeinden berichten. „Meiner persönlichen Meinung nach sollte man die AfD nicht dadurch als demokratisch adeln, dass man sie zu Diskussionen einlädt.“ Zu einer Demokratie gehöre nicht nur das Mehrheitsverfahren, sondern auch, dass Grundwerte wie Menschenwürde oder Rechtsstaatlichkeit nicht infrage gestellt werden. „Bei der AfD sehe ich klare Defizite.“

In der Wirtschaft gibt es unterschiedliche Haltungen. Die Handwerkskammer wird keinen AfD-Vertreter einladen, falls sie eine Podiumsdiskussion ausrichtet.

AfD-Beteiligung entspricht der Überparteilichkeit der IHK

Die Industrie- und Handelskammer (IHK) will es indes anders handhaben. Die AfD-Beteiligung entspreche der Überparteilichkeit der IHK.

„Wehret den Anfängen“

Im Brauchtum ist die Haltung klar: keine AfD. „Wehret den Anfängen“, meint der Baas der Jonges, Wolfgang Rolshoven. Rechtsextremismus und Antisemitismus lehnte der Heimatverein ab, Vertreter der AfD würden deswegen nicht eingeladen und nicht als Mitglieder akzeptiert. Karnevals-Geschäftsführer Hans-Jürgen Tüllmann sagt ebenso deutlich: „Von der AfD wird niemand eingeladen.“ Das gilt auch für die Sebastianer-Schützen, Veranstalter der Rheinkirmes. „AfD-Mitglieder haben bei uns nichts verloren“, sagt Schützenchef Lothar Inden. (gaa/ujr/arl)

Leserkommentare (0) Kommentar schreiben