Rechtsextremismus

Die rechte Szene um die „Bruderschaft“ in Düsseldorf wächst

Die „Bruderschaft Deutschland“ aus Düsseldorf bei einer rechten Demo in Mönchengladbach in September.

Die „Bruderschaft Deutschland“ aus Düsseldorf bei einer rechten Demo in Mönchengladbach in September.

Foto: Ralf Rottmann / FUNKE Foto Services

Düsseldorf.  Die „Bruderschaft Deutschland“ soll laut Kriminalpräventiven Rat gewachsen sein. Das Innenministerium stuft die Gruppe als rechtsextrem ein.

Die rechtsradikale Gruppierung „Bruderschaft Deutschland“ soll laut Kriminalpräventiven Rat auf mittlerweile mindestens 90 Mitglieder angewachsen sein. Offenbar rekrutiert die „Bruderschaft“ auch weiterhin Anhänger – auch über den Stadtbezirk 10 hinaus.

„Natürlich ist die Gruppe größer geworden“, meint auch Bezirksbürgermeister Uwe Sievers (SPD). Die „Bruderschaft“ solle zum Teil Anhänger aus dem Ruhrgebiet haben, sich regelmäßig in einer Garage in Garath treffen. „Da sind dann auch immer wieder Mitglieder der ‘Steeler Jungs’ aus Essen und der ‘Besorgten Bürger’ aus Herne dabei“, weiß Ratfrau Angelika Kraft-Dlangamandla (Linke) zu berichten.

Die Kommunalpolitikern hat auch immer wieder ganz persönliche Auseinandersetzungen mit der Gruppierung; auch weil sich Teile der Gruppe an einem Spielplatz in der Nähe des Wohnorts von Kraft-Dlangamandla treffen. Am 17. Dezember gibt es wieder ein Gerichtsverfahren. Während es 2017 um die Beschimpfung als „Bratze“ ging, ist „du dicke fette Sau“ dieses Mal die harmloseste Formulierung, die gefallen sein soll.

Abschneiden der AfD in Garath

Hat Düsseldorfer Süden ein Rechtsradikalen-Problem? „Ob die jetzt ausgerechnet im Süden sind, weil es sich hier anbietet oder ob das einfach nur Zufall ist – Ich kenne den Düsseldorfer Norden dafür vergleichsweise auch zu wenig“, erklärt der Bezirksbürgermeister Sievers. Er ergänzt: „Es gibt von dieser Gruppe keine Straftaten, die eindeutig rechtsextrem sind.“

Es gibt also keine expliziten Straftaten, die sich dem entsprechenden Milieu oder einer politischen Einstellung zuordnen lassen. Wohl aber solche wie Körperverletzungen oder eben Beleidigungen. Sievers will trotzdem keineswegs bezweifeln, dass das Gedankengut der Gruppe der rechten Szene zuzuordnen ist. „Bloß sind die sehr vorsichtig“, so Sievers.

Dennoch haben bei der Wahl zum Europaparlament nirgendwo so viele Wähler die rechte Partei AfD gewählt, wie im Stadtbezirk 10, genauer noch wie in Garath: 18,87 Prozent im Stadtteil und 16,16 Prozent im Bezirk. Im gesamten Stadtgebiet kam die Partei gerade einmal auf ein Ergebnis von 6,91 Prozent.

Ideologischer Unterbau fehlt

Einer, der die Strukturen in der rechten Szene etwas besser einschätzen kann, ist Torsten Lemmer. Der Politiker ist heute Geschäftsführer der Fraktion Tierschutz/Freie Wähler und ein Szene-Aussteiger. Ab 2001 nahm er an Christoph Schlingensiefs Hamlet-Projekt teil, ein Theaterprojekt, über das Neonazis der Ausstieg aus der Szene erleichtert werden sollte. „Wenn der Kriminalpräventive Rat 90 Mitglieder bei der Bruderschaft gezählt hat, ist die Dunkelziffer sicher deutlich höher“ erklärt Lemmer.

Gruppierungen aus dem Rockermilieu oder rechte Kameradschaften würden nie die ganze Größe ihrer Gruppe preis geben. Selbst auf Fotos würden nicht immer alle Mitglieder zu sehen sein. Lemmer glaubt auch, dass die „Bruderschaft“, anders als Kameradschaften, keinen ideologischen Unterbau haben. „Das sind Leute, die zum Teil aus der Hooligan-Szene kommen, zum Teil aus Rockerclubs und eben eine Art Gegenbewegung zu einen Teil der Gesellschaft darstellen“, erklärt der Kommunalpolitiker.

Einschüchterung der Elleraner

Lemmer plädiert dafür, mit dieser Gruppe in den Dialog zu treten, damit würde man der „Bruderschaft“ ein bisschen das Wasser abgraben. „Wenn niemand mehr mit diesen Leuten spricht, Anwohner die Straßenseite wechseln, fühlt sich die Bruderschaft nur bestärkt und bestätigt.“ Er sieht die „Bruderschaft“ allerdings auch im Vergleich zu den „Steeler Jungs“ aus Essen weniger politisch motiviert. „Die Gruppe aus Essen ist ja viel verzweigter mit der neonazistischen Kleinstpartei ‘Die Rechte’“, erklärt Lemmer.

Doch die Gruppe um Ralf Nieland, die sich auch regelmäßig in der Gaststätte Fuchsjagd in Eller traf, bis der Wirt ihnen Hausverbot erteilte, soll sich derzeit weiter radikalisieren und auch politisieren, sagt die Sprecherin des Bündnisses „Eller gegen Rechts“ und SPD-Politikerin Astrid Bönemann. „In Eller ist die Gruppe nicht mehr ganz so oft unterwegs. Die haben wahrscheinlich größere Pläne“, vermutet Bönemann.

Die „Bruderschaft“ vernetze sich derzeit innerhalb der rechten Szene sehr stark. „Die machen mittlerweile ja auch keinen Hehl mehr daraus, rechtsextremistisch zu sein“, sagt die Lokalpolitikerin und verweist auf die Einschätzung des Landesinnenministeriums, das die „Bruderschaft“ nicht nur als rechtsextrem, sondern auch als gewaltbereit einschätzt.

Viele Mitglieder der „Bruderschaft“ leben in Eller

Das unterstreiche die Gruppierung dann auch regelmäßig mit einschlägigen Aussagen in den sozialen Netzwerken, so Bönemann. Viele Mitglieder der Gruppe seien aber regelmäßig noch in Eller unterwegs, allein weil sie dort wohnen. „Wenn die dann in einer Kneipe ein Bier trinken, kommen die auch schon mal mit 20 Anhängern der ‘Bruderschaft’.

Das Bündnis gegen Rechts, das ja regelmäßig Treffen im Bürgerhaus abhält, musste den Verteiler stark ausdünnen“, erklärt die Elleranerin. Jedes Mal, wenn im Verteiler ein neues Treffen angekündigt wurde, stand plötzlich die „Bruderschaft“ vor dem Bürgerhaus und versuchte die Mitglieder des Bündnisses einzuschüchtern. Manche Personen blieben der Treffen deshalb fern – aus Angst.

Vor wenigen Tagen verkündete die Gruppe in den sozialen Medien, einen Ableger für Frauen, die „Schwesternschaft Deutschland“, gegründet zu haben. Die Rechten aus Essen prahlten, mit den „Altessener Mädels“ ein bisschen schneller gewesen zu sein.

Die Vernetzung unter den rechtsextremen Gruppen funktioniert offenbar problemlos.

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