Wohnungslose

„Die Leute schlafen und sterben auf der Straße“

Der Wohnungslose Chris und seine Hündin Molli kommen in den meisten Notunterkünften nicht unter.

Der Wohnungslose Chris und seine Hündin Molli kommen in den meisten Notunterkünften nicht unter.

Foto: Annabell Fugmann

Düsseldorf.   Sozialarbeiter und Wohnungslose fordern, dass sich in Düsseldorf etwas verändert. Sie wollen mehr „niedrigschwellige“ Unterkünfte.

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Chris hat es aufgegeben. Obwohl die Temperaturen derzeit nachts in die Minusgrade gehen, schlafen der Wohnungslose und seine Hündin Molli nicht in städtischen Notunterkünften. Der Grund: Molli ist meist nicht willkommen. Die einzige Notunterkunft, die auch Hunde aufnimmt, sei die an der Prinz-Georg-Straße, die nur aufmacht, wenn am Tag das Thermometer auf unter Null Grad sinkt.

„Fall Elli“ sorgte für Diskussionen

Einer von vielen Gründen, warum die Versorgung für Wohnungslose in Düsseldorf unzureichend sei, meint Oliver Ongaro vom Straßenmagazin Fiftyfifty. Vor zwei Wochen hatte der Fall der wohnungslosen Elli für Diskussion gesorgt. Die 48-Jährige hatte am Kommödchen ihren Schlafort und war dort kurz nach Weihnachten gestorben. Kurz darauf hieß es in einer Presseerklärung der Stadt, dass in Düsseldorf niemand auf der Straße schlafen müsse, weil es genügend Notunterkünfte gebe. Ein Grund, warum sich Sozialarbeiter und Wohnungslose jetzt noch einmal zu Wort melden.

Die Aussage der Stadt „In Düsseldorf müsse niemand auf der Straße schlafen“, sei nicht real sowie die Angabe der Obdachlosenzahl in Düsseldorf nicht realistisch sei, sagt der Streetworker Ongaro. In Wirklichkeit gebe es viel mehr Wohnungslose als 150 in der Landeshauptstadt, zudem gebe es viele Barrieren für verschiedene Menschen und die Unterkünfte seien im schlechten Zustand.

„Auf der Harkortstraße ist es nicht korrekt, auf der Dorotheenstraße ist es noch schlimmer“, sagt auch Daniel, wohnungslos. Er schläft trotz herrschenden Minusgraden im Volksgarten, weil er so schlechte Erfahrungen gemacht hat. Im „Heim“ sei er beklaut und geschlagen worden, es sei dreckig, und selbst das Personal sei nicht „korrekt“. „Jedes Mal, wenn ich dahin gehe, gruselt es mich“, sagt auch der Streetworker Ongaro. Die Menschen wären auf kleinem Raum zusammengepfercht

In Wirklichkeit gebe es viel mehr Obdachlose

„Die Leute schlafen auf der Straße und sie sterben auf der Straße, viele wohnen bei Freunden oder in Baracken“, berichtet der Sozialarbeiter, weshalb es in Wirklichkeit in Düsseldorf viel mehr Obdachlose und zu wenig angemessene Unterkünfte gebe. Laut des Straßenmagazins Fiftyfifty hielten sich 2016 große Gruppen von bis zu 40 Personen regelmäßig am Düsseldorfer Flughafen, in verschiedenen Abbruchhäusern und selbstgebauten Hütten auf. Viele kämen auch bei Freunden unter. „Diese Menschen tauchen nicht in der Statistik auf“, so Ongaro.

Ein weiteres Problem hätten wohnungslose EU-Bürger. Die würden nur in kalten Monaten in Notunterkünften aufgenommen werden. Wenn sie keinen deutschen Pass besitzen, haben sie ein Problem, kritisiert Johannes Dörrenbächer von Fiftyfifty. „Es es gibt Rechtsgutachten, dass diese Handhabe rechtswidrig ist, trotzdem werden diese Menschen herausgeschickt.“ Dazu kommt, dass die Unterkünfte nach Geschlechtern getrennt sind, was für obdachlose Paare ein Problem darstellt. Zudem sei Alkohol verboten, was viele abhält.

Menschen, die wohnungslos werden, bekommen schwer eine neue Wohnung

„Es gibt Möglichkeiten, gerade in einer Stadt wie Düsseldorf“, führt Ongaro an. Von der Landeshauptstadt gebe es keine Maßnahme, um Obdachlose dauerhaft in Wohnungen zu bekommen. Schlafstellen, die vorübergehend Menschen aufnehmen, weil sie zum Beispiel krank sind, müssten nach einer Frist die Wohnungslosen wieder auf die Straße werfen. Menschen, die plötzlich wohnungslos werden, bekämen schwer eine neue Wohnung in der Rheinmetropole.

Die Lösung: Die Stadtverwaltung könne das Problem mit den vielen brach liegenden Liegenschaften oder politischen Zuweisung regeln. Aber: „Der politische Wille fehlt“, sagt der Sozialarbeiter.

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