Billig-Kette

Wieso alle Black.de-Filialen zu Tedi-Läden werden

Foto: Stephan Schütze (Archivfoto)

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Dortmund.  Die Billig-Kette Black.de startete 2016 in Dortmund. 1000 Filialen sollten im Land eröffnen. Jetzt hat Tedi beschlossen, das Format einzustellen.

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Der „erste legale Schwarzmarkt“, wie das Dortmunder Unternehmen Tedi seinen Ableger Black.de wegen dessen Namen und Design nennt, sollte kräftig blühen. Tedi selbst hat nach vielen Jahren am Markt 1700 Läden in Deutschland. 1000 Black.de-Läden wären schon eine Hausnummer gewesen.

Doch nur etwas mehr als ein Jahr nach der Eröffnung des ersten Black.de-Ladens – dem an der Planetenfeldstraße in Dorstfeld – hat Tedi beschlossen, das Format einzustellen. „Die Marke Black.de wird sukzessive vom Markt genommen“, bestätigte auf Anfrage am Montag eine Tedi-Sprecherin.

Black.de-Läden werden zu Filialen von Tedi

Die bundesweit über 50 bestehenden Läden würden in Tedi-Filialen „umgeflaggt“; der Schwarzmarkt wird also blau. Das werde für jeden Standort individuell gemacht und werde sich noch über einige Monate hinziehen. In Dortmund eröffnete Black.de in Brackel, Hombruch, Scharnhorst und eben Dorstfeld. Dort hat Black.de aktuell schon für Umbauarbeiten geschlossen.

Sowohl Tedi als auch Black.de verkaufen billige Dekoartikel, Spiel-, Schreib- und Haushaltswaren, Heimwerkerbedarf und Küchenutensilien. Die Black-Läden sind aber größer und aufgeräumter, haben mehr und auch höherpreisige Waren wie Elek-tronikartikel im Angebot.

Black.de startete als Antwort auf die Billigkette Action

Gestartet wurde, so teilt die Tedi-Sprecherin mit, Black.de „als Reaktion auf den Markteintritt von Action“. Die niederländische Kette Action verkauft ebenfalls „Non-Food“-Produkte wie Bastelkram, Spielzeug, Heimwerkerbedarf, hat rund 200 Filialen (zwei in Dortmund) und macht Tedi Konkurrenz.

Dass Tedi Black.de nun wieder einstampft, stellt das Unternehmen selbst ziemlich positiv dar. „Das Black.de-Konzept wurde von den Kunden sehr gut angenommen“, heißt es von Tedi – nun wolle man „das Beste aus beiden Konzepten vereinen“. Die Tedi-Läden, so ist das zu verstehen, sollen also größer werden, ein größeres Sortiment haben und aufgeräumter wirken. Wie viel Tedi und wie viel Black.de künftig in Tedi steckt, müssen die Schnäppchenjäger abwarten.

Manchen Branchenkenner indes kann Tedi mit seiner positiven Darstellung des Endes von Black.de nicht ganz überzeugen. „Vielleicht verzettelt man sich bei mehreren Konzepten auch irgendwann“, sagt Thomas Schäfer, Geschäftsführer des Handelsverbands NRW Westfalen-Münsterland.

Bei Black.de „ist offensichtlich etwas nicht richtig gelaufen“

Während Tedi angibt, mit den Umsätzen bei Black.de zufrieden zu sein, schrieb das Fachmedium „Lebensmittel-Zeitung“ im November, die Anlaufkosten hätten in keinem Verhältnis zu den Umsätzen gestanden. Tedi habe womöglich die Notbremse gezogen. Hinter Tedi steht mehrheitlich die B.H. Holding GmbH des Kik-Gründers Stefan Heinig.

Auch Jörg Lehnerdt von der Handelsberatung BBE glaubt, dass man bei Tedi nicht ganz glücklich mit Black.de gewesen ist: „Ohne Black.de zu nahe treten zu wollen, muss man doch sagen: Da ist offensichtlich etwas nicht ganz rund gelaufen. Man kündigt nicht 1000 Filialen an, um das Konzept dann nach kurzer Zeit einzustellen.“ Vielleicht habe sich Tedi mehr davon versprochen, sagt Lehnert: „Der Marktkuchen wird aber nicht größer – irgendwann kannibalisiert man sich selbst.“

Frage an Tedi: Haben sich dort, wo Läden von Tedi und Black.de in direkter Nachbarschaft liegen, die Umsätze bei Tedi verringert? Nein, antwortet die Tedi-Sprecherin: „Tatsächlich haben beide Einzelhändler sogar von der räumlichen Nähe des anderen profitiert und konnten ihre Umsätze erhöhen.“

Und trotzdem wird der Schwarzmarkt – um im Bild zu bleiben – ausgetrocknet. Tedi hingegen will weiter wachsen, aus 1700 Filialen sollen allein in Deutschland 5000 werden. Das Billiggeschäft in Blau geht weiter.

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