Investitionen in der Nordstadt

Wie aus Ekelhäusern vermietbare Immobilien werden

Der Rundgang durch die Nordstadt führte auch an der Mallinckrodtstraße 62-64 vorbei: Der linke, bunte Teil des Gebäudes wurde schon saniert, rechts sind die Arbeiten außen wie innen noch im Gange.

Der Rundgang durch die Nordstadt führte auch an der Mallinckrodtstraße 62-64 vorbei: Der linke, bunte Teil des Gebäudes wurde schon saniert, rechts sind die Arbeiten außen wie innen noch im Gange.

Foto: Oliver Schaper

Dortmund.  Im Mai 2016 hatten Dr. Marita Hetmeier und Andreas Laube das Ekelhaus an der Mallinckrodtstraße 66 ersteigert. Rund 30 Container Sperrmüll später ist die Immobilie auf dem besten Weg, bewohnbar zu werden. Sie ist nicht das einzige Beispiel.

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Noch ist es eine Baustelle, durch die sich der Besuchertross schiebt. Es sind Akteure des Beratungsnetzwerks "Idee-Nordstadt", sie wollen sich über den Fortgang der Umbauarbeiten informieren. An der Mallinckrodtstraße 66, zwischen aufgebrochenem Mauerwerk und Bauschutt, steht Eigentümer Andreas Laube und schildert anschaulich, was ihn erwartet hatte. Dreck, Gestank und Hausschwamm. Offene Stromleitungen in allen Etagen. "Hier kam zusammen, was man sich nur vorstellen kann", sagt Laube.

Rund 800.000 Euro Investition

Zu sehen ist davon nichts mehr. Acht Wohnungen werden in dem Haus entstehen, Schallschutzfenster sind bereits eingebaut. Im Spätherbst soll die in den 1920er-Jahren gebaute Immobilie bezugsfertig sein. "Rund 800.000 Euro" hat Laube als Privater investiert.

So weit ist es mit dem Immobilienkomplex Nordmarkt 3/Mallinckrodtstraße 55 bis 59 noch nicht. Die Stadt hat ihn fast zur Gänze gekauft. Die Besucher stehen in der früheren Apotheke, die ein Außenposten des Ordnungsamtes geworden ist. Hinter Blendscheiben beobachten die Mitarbeiter das Treiben am Nordmarkt. Marita Hetmeier hat die dringende Bitte, sich um Mütter zu kümmern, die vormittags mit ihren eigentlich schulpflichtigen Kindern unterwegs sind.

Grünbau hat die Verwaltung des Komplexes übernommen, und Geschäftsführer Andreas Koch sagt, dass die Gebäude instandgesetzt und 2018 saniert würden. 40 Wohnungen, in denen rund 160 Menschen leben. "Nicht alle werden bleiben."

Nachwächter soll her

Haus Nummer 55, dessen Flur ein Rückzugsraum für Junkies war, soll endlich eine verschließbare Haustür bekommen. Und Videoüberwachung im Eingangsbereich. Die Ladenflächen werden einer Kita oder einer Großpflegestelle weichen. Ein Nachtwächter soll her. Am Nordmarkt 19 und 21 wartet Eigentümer Jan de Bondt. Aus der 21 hat er ein Schmuckkästchen gemacht: mit Original-Fußböden von 1899 und einer Fassade, die ans Original erinnert.

16 Wohnungen, Zielgruppe Studenten. Vor Kurzem hat eine Firma 13 Quadratmeter große Balkone montiert. Im Erdgeschoss will de Bondt eine Kita einquartieren, "weil die hier eine wichtige soziale Funktion erfüllt". Die Innenhöfe will er zum Spielplatz zusammenlegen. Rund 230 000 Euro hat er für 520 Quadratmeter Wohnfläche investiert, "bislang".

De Bondt sagt, man dürfe die Augen vor dem Umfeld nicht verschließen - weshalb er an Videokameras im Flur denkt. De Bondt sagt aber noch etwas: "Man kann auch als kleiner Eigentümer die Kurve kriegen. Wenn man will."

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