Corona

Corona: Dortmunds XXL-Weihnachtsbaum wird wieder abgebaut

Aus der Baum! Die verlassene Baustelle der Dortmunder Riesentanne auf dem Hansaplatz. Wegen der hohen Coronazahlen wird der Baum nun wieder abgebaut.

Aus der Baum! Die verlassene Baustelle der Dortmunder Riesentanne auf dem Hansaplatz. Wegen der hohen Coronazahlen wird der Baum nun wieder abgebaut.

Foto: Ralf Rottmann / FUNKE Foto Services

Dortmund.  Nach der Absage des Dortmunder Weihnachtsmarktes hat die Stadt den Aufbau des riesigen Weihnachtsbaums gestoppt. 233 Neuinfektionen am Mittwoch.

  • Die Zahl der Corona-Neuinfektionen in Dortmund ist im Vergleich zu Dienstag um 233 auf 2143 aktive Fälle gestiegen, teilt die Stadt mit.
  • Die Sieben-Tage-Inzidenz liegt laut RKI aktuell bei 190,4 (Stand: 3. November, 0 Uhr)
  • Der Weihnachtsmarkt in Dortmund kann in diesem Jahr nicht stattfinden.
  • Auch der Aufbau des 45 Meter hohen Weihnachtsbaums wurde gestoppt.

Stadt Dortmund stoppt Aufbau des XXL-Weihnachtsbaums der Welt

Wegen der steigenden Corona-Infektionszahlen wird es in diesem Jahr in Dortmund auch nicht den Riesen-Weihnachtsbaum in der Innenstadt geben. Der aus bis zu 1700 Fichten zusammengesetzte Baum, dessen Aufbau schon vor Tagen begonnen worden war, werde zeitnah wieder abgebaut, sagte ein Sprecher der Stadt am Mittwoch. Formal muss der Rat der Stadt dies zwar noch entscheiden, aber die Mehrheit der Fraktionen hätte aber bereits Zustimmung signalisiert.

Für einen der größten Weihnachtsbäume weltweit sollten nach ursprünglicher Planung bis zu 1600 schlanke Rotfichten aus dem Sauerland befestigt werden. Das Gerüst war bereits in die Höhe gewachsen, erste Tannen am Fuß angebracht.

In einem Videostatement begründete Oberbürgermeister Thomas Westphal (SPD) das auch für ihn persönlich schmerzhafte Aus des XXL-Baumes in diesem Jahr mit dem sprunghaften Anstieg der Infektionen und der Sorge um knapp werdende Kapazitäten in Krankenhäusern. Er wisse um die Tragweite des Weihnachtsbaumes als Wahrzeichen und Symbol. Doch gerade weil er ein Publikumsmagnet sei, sei die Entscheidung in der Pandemiesituation folgerichtig, teilte Westphal mit.

Stadt Dortmund übernimmt Kosten für Abbau

Die Stadt habe darüber hinaus entschieden die bereits entstandenen Kosten für den Baum zu übernehmen. Sie liegen den Angaben zufolge sonst bei 300.000 Euro für Auf- und Abbau und Betrieb. Westphal geht aber davon aus, das die Kosten in diesem Jahr niedriger ausfallen, weil der Baum nicht wochenlang die Kulisse für den bereits abgesagten Weihnachtsmarkt bilden wird. Normalerweise bezuschusse die Stadt die Schausteller nur mit einem Teilbetrag.

Stadt setzt Hoffnungen auf kleinere Lösung im Dezember

Der Baum sollte eigentlich Kulisse für den diesjährigen Dortmunder Weihnachtsmarkt ab 19. November sein, der aber inzwischen schon untersagt wurde, wie bundesweit alle Weihnachtsmärkte bis Ende November. Man setze noch Hoffnungen in den Dezember, meinte Winkelhaus. Sollte es dann Lockerungen geben, könne der Standaufbau binnen weniger Tage erfolgen – in welcher Form, sei offen. Auch punktuelle Angebote verteilt auf das Stadtgebiet seien denkbar.

Aktuell aber steigen die Corona-Zahlen in Dortmund weiter: So meldete die Stadt Dortmund am Mittwoch (4. Oktober, 16.35 Uhr), dass am Mittwoch 233 Neuinfektionen registriert worden seien. Die 7-Tage-Inzidenz liege voraussichtlich bei 190,6. Insgesamt wurden in Dortmund seit Beginn der Corona-Pandemie 5143 Fälle in der größten Stadt Westfalens gezählt. Akut infiziert seien derzeit 2143 Menschen. In den Krankenhäusern werden laut Stadt (Stand Mittwoch) 125 Menschen wegen einer Covid-19-Erkrankung stationär behandelt, 30 davon sind auf einer Intensivstation, davon werden 22 künstlich beatmet.

Weihnachtsmarkt abgesagt – Organisator: Pandemie hat sich rasant entwickelt

Lange hatte die Stadt Dortmund am Weihnachtsmarkt 2020 festgehalten. Vergangene Woche stand fest, dass Überlegungen und Hygienekonzepte nicht umgesetzt werden. Der Markt in Dortmund fällt aus, wie Veranstalter Patrick Arens im Gespräch mit dieser Redaktion bestätigte. „Jetzt gerade ist es bitter“, sagte Arens hörbar niedergeschlagen. „Es ist wie eine Reise auf hoher See ohne Kompass.“

Er ist selbst Schausteller, in siebter Generation, wie er sagt. „Ich habe mal Fotos von meinem Opa gesehen von Buden vor der zerbombten Reinoldikirche.“ In welche Richtung sich die Situation für die Branche bewegen würde, sei ihm in den letzten zehn Tagen bewusst geworden. „Es war klar, dass Dortmund nicht der einzige Weihnachtsmarkt in Deutschland sein würde.“

Trotzdem habe er nicht erwartet, dass sich die Pandemie so schnell so rasant entwickeln würde. Auch die Veranstaltungsbranche sei aktuell „Teil der Weltgeschichte“. Mit Blick auf das bisherige Geschäftsjahr, den ersten Lockdown und den Sommer sagte der Ur-Dortmunder: „Es ist schade, dass man Veranstaltungen so weggewischt hat.“ Anders als im Frühjahr hofft Arens nun auf die von der Landesregierung angekündigten Kompensationszahlungen.

Eine Solidaritätsaktion oder Gutscheine wie es beispielsweise Café im April angeboten haben, wird es für den Dortmunder Weihnachtsmarkt nicht geben. „Wer jetzt ein paar Monate in Kurzarbeit war, der hält das Geld auch zusammen“, sagte Arens. Zum Glück habe die Schaustellerbranche in den vergangenen Jahren wenig wirtschaftliche Probleme gehabt. Am Mittwoch war er noch bei der „Alarmstufe Rot“-Demonstration in Berlin, um auf die Anliegen der Kultur- und Eventbranche aufmerksam zu machen. Vor 14 Tage habe er auch am Gespräch mit Bundesfinanzminister Olaf Scholz teilgenommen.

Keine virtuelle Alternative für den Dortmunder Weihnachtsmarkt

Bereits im September hatte sich die Stadt Dortmund über Regeln Gedanken gemacht, den Weihnachtsmarkt coronakonform durchzuführen. Online-Anmeldungen zum Glühwein-Trinken, Einlass-Kontrollen und eine größere Fläche stehen bei den Planungen im Mittelpunkt. Diese Pläne hat die Stadt mit den verantwortlichen Schaustellern für einen der größten Weihnachtsmärkte Deutschlands erstellt.

Dass es eine virtuelle Alternative des Dortmunder Weihnachtsmarktes geben wird, kann sich Arens nicht vorstellen: „Das Gefühl eines Weihnachtsmarktes, diese Melange von Glühwein, gebrannten Mandeln und Kerzen, das kann man digital nicht transportieren. Weihnachtsmärkte leben von der Begegnung.“ (mit dpa)

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