SPD-Kanzler-Kandidat

Wahlkampf: Martin Schulz besuchte Nordstadt-Kita

Foto: Dieter Menne

Dortmund.  Der SPD-Kanzlerkandidat weiß um die Macht der Bilder. Martin Schulz klatscht und winkt mit den Kleinen der orangenen Gruppe, als sie ihn mit einem musikalischen Hallo in ihrer Kita begrüßen. Schulz war am Mittwoch auf seiner Wahlkampftour zu Besuch in der Awo-Kita Burgholzstraße. Wir waren dabei.

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >

"Wie heißt du?", fragt er eine der kleinen Sängerinnen. "Lara." - "Ich heiß Martin". "Was?", fragt einer. "Martin heiß ich." Der Kandidat, unter anderem mit den beiden Dortmunder SPD-Bundestagsabgeordneten Marco Bülow und Sabine Poschmann im Schlepptau, schaut zu, wie die grüne Gruppe Gemüse schneidet - "Echt toll. Da kriegt man richtig Appetit".

Und puzzelt mit Julietta (4) aus der blauen Gruppe, beugt sich über die letzten fehlenden Teile. "Das ist ein Schwein," erklärt er, "weißt du, wie ein Schwein macht? Oink, oink." Sabine Poschmann sagt: "Der weiß ganz schön viel, der Martin." So ein Besuch in einer Kita wird für einen Kandidaten schnell zum medialen Balanceakt.

Kinder aus 22 Nationen

Doch Martin Schulz hört auch zu, zeigt sich beeindruckt, als die engagierte Kita-Leiterin Christa Schäfer von den täglichen Herausforderungen erzählt. Hier ist zwar der Süden vom Norden, doch von den 103 Kindern der Kita, zwischen acht Monate und sechs Jahre alt, ist nur noch eines deutsch. Kinder aus 22 Nationen werden hier von 21 Mitarbeitern aus acht Nationen betreut.

Früher hat Christa Schäfer im Süden der Stadt gearbeitet. "Dort haben sich die Eltern für die Kitas eingesetzt. Hier sind es die Eltern, für die wir uns einsetzen müssen." Aufgrund der Sprachprobleme ist das sehr mühsam, die Fluktuation der Mitarbeiter deshalb hoch.

Die Idealistin Christa Schäfer hat sich auf dem Boden der Tatsachen wiedergefunden. Dabei ist es ihr Herzenswunsch, in ihrer Einrichtung, die seit 2015 auch Familienzentrum ist, "Demokratie zu vermitteln." Doch dafür braucht es ausreichend Personal, sozialpädagogische Fähigkeiten und dauerhaft gesicherte Förderprogramme zum Sprachwerb und zur Integration für Kinder und Eltern.

"Sehr lehrreicher und emotionaler Besuch"

Nach dem Rundgang sagt Schulz bei Kaffee, deutschen Plätzchen und türkischen Balklava im Elterncaf, es sei ein "sehr lehrreicher und emotionaler Besuch" gewesen, spricht von seinem Ziel einer "nationalen Bildungsallianz". Um die in Talkshows viel zitierte Integration vor Ort zu bewältigen, brauche es Geld. Für Bildung seien zwar die Länder zuständig, doch der Bund müsse in die Lage versetzt werden, ergänzend zu helfen. Das Geld dafür könne man aus dem "enormen Haushaltsüberschuss" nehmen, statt es in die Aufrüstung zu stecken. "Die Probleme sind alle beschrieben. Jetzt brauchen wir nur noch die Lösung", sagt Schulz. Marco Bülow ergänzt: "Und die Mehrheit."

Gerührt ist Schulz vom Abschiedsgeschenk - ein Bild mit Abdrücken von kleinen Händen deutscher, arabischer und afrikanischer Kinder: "Das wühlt einen auf." Auch er ist nicht mit leeren Händen gekommen und hat zwei Bobbycars mitgebracht. Dann gibt es noch ein paar Selfies mit dem Kanzlerkandidaten. Und ein Abschiedslied der orangenen Gruppe. Dieses Mal winkt Schulz nicht mehr mit.

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >
Auch interessant
Leserkommentare (0) Kommentar schreiben
    Aus der Rubrik