Gut für Wirtschaftsstandort

Viele ausländische Firmen und Delegationen in Dortmund

Berufsschullehrerin Hongxia Wang (l., 31) und ihre Kollegen aus der ostchinesischen Provinz Henan arbeiteten wochenlang in der KFZ-Werkstatt der Handwerkskammer Dortmund. „Wir konnten unsere methodischen und technischen Kenntnisse verbessern“, sagt Wang.

Foto: Michael Schnitzler

Berufsschullehrerin Hongxia Wang (l., 31) und ihre Kollegen aus der ostchinesischen Provinz Henan arbeiteten wochenlang in der KFZ-Werkstatt der Handwerkskammer Dortmund. „Wir konnten unsere methodischen und technischen Kenntnisse verbessern“, sagt Wang.

Dortmund.  Ägyptische Banker, Unternehmen aus dem Westbalkan, chinesische Berufsschullehrer: Immer häufiger besuchen ausländische Delegationen Dortmund. Sie nehmen wertvolles Wissen und Anregungen mit – der Standort und deutsche Unternehmen profitieren aber auch von ihnen. Und: Die Zahl der Besuche dürfte noch weiter zunehmen.

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Seit 17 Jahren arbeitet Wulf-Christian Ehrich bei der Industrie- und Handelskammer (IHK) Dortmund, aktuell als stellvertretender Hauptgeschäftsführer und Leiter des Bereichs „International“. Er sagt: „Ausländische Besucher waren immer hier.“ Über die Jahre habe sich der Standort gut entwickelt, heute, schätzt er, seien daher jede Woche ausländische Besucher hier. „Generell viele Asiaten“, aber auch viele Osteuropäer. Häufig mit wirtschaftlichem Hintergrund. „Und das wird noch weitergehen mit den Smart-City-Projekten“, sagt Ehrich. Dortmund will ja eine Smart City – eine kluge Stadt – und Vorreiter bei innovativen und digitalen Projekten werden.

Was für Delegationen besuchen Dortmund? Wieso? Und wer profitiert davon? Der Versuch einer Strukturierung.

1 Gäste kommen zur Weiterbildung nach Dortmund

Drei Monate weilten bis vor Weihnachten 23 chinesische Berufsschullehrer in Dortmund. Sie nahmen an einer Weiterbildung im Kfz-Bereich teil, den die Handwerkskammer (HWK) Dortmund in Kooperation mit der Gesellschaft für Bildung und Berufe (GBB) durchführte. Die Chinesen arbeiteten in der Kfz-Werkstatt der HWK an Autos, um später ihren Schülern vermitteln zu können, wie sie im Betrieb Probleme an Fahrzeugen erkennen und Arbeitsaufträge durchführen können.

Immer nebendran in der Werkstatt: HWK-Ausbildungsleiter Bernd Techau. Der 59-Jährige, blauer Kittel, fester Händedruck, steht neben einer Tafel mit deutschen Sätzen und chinesischen Schriftzeichen. Die hat ein Übersetzer geschrieben, Techau selbst hat sich aber auch „Bier“ und ein paar andere Worte Chinesisch draufgeschafft, um das Eis zu brechen. 26 Mal Kuba, 38 Mal Kosovo, 8 Mal Türkei, 2 Mal China, „da bin ich überall mal rumgeturnt“, sagt Techau.

Stets ging es um Know-How-Transfer, so wie jetzt auch beim Besuch der Chinesen. Fragt man Techau, was es bringt, wenn er ausländische Fachkräfte weiterbildet, geht er aufs große Ganze und seine vielen Auslandseinsätze ein und schlägt den Bogen zur Flüchtlingskrise. In Ländern, die immer mehr Menschen verlassen, müsse man „die Betriebe so hinkriegen, dass sie überleben und dass die Mitarbeiter da bleiben.“

Die Weiterbildung ist nicht geschenkt, der chinesische Staat kauft sie bei der GBB und der HWK ein. Letztere füllt damit die Lehrwerkstatt in einem Zeitraum, in dem sie sonst nicht ausgelastet wäre. Durch Besuche ausländischer Delegationen gebe es zudem „Sekundäreffekte“, sagt Techau: Betriebe aus dem Ausland würden Zubehör aus Deutschland kaufen, mit dem bei Weiterbildungen gearbeitet wurde. Diese würden im Übrigen „nicht nur aus Spaß an der Freude“ durchgeführt, sagt IHK-Mann Ehrich: „Sondern auch, um deutschen Unternehmern im Ausland, in diesem Fall in China, gut ausgebildete Fachkräfte an die Hand zu geben.“

2 Entscheidungsträger wollen Strukturwandel sehen

Die Dortmunder Wirtschaftsförderung weist darauf hin, dass natürlich auch viele Entscheidungsträger aus Politik und Verwaltung ausländischer Städte und Regionen Dortmund besuchen.

Die Stadt, so nimmt man es bei der Wirtschaftsförderung wahr, werde „als Stadt des erfolgreichen Strukturwandels angefragt, um in einen Wissenstransfer über die Chancen und Wege des Strukturwandels einzusteigen“. Viele, sagt auch Ehrich, hätten Dortmund wegen erfolgreich durchgeführter Projekte wie dem Phoenix-See auf dem Schirm.

3 Internationale Investoren haben Dortmund im Blick

Dass viele Investoren und Unternehmen Dortmund besuchen, hat erstens mit dem Standort zu tun. Es gehe, heißt es bei der Wirtschaftsförderung, um konkrete Projekte wie zum Beispiel die Speicherstraße, oder darum, Stadt und Region als potenziellen Investitionsstandort kennenzulernen. Die Kontakte entstünden auf Investitionskonferenzen, Messen, aber auch durch die Wahrnehmung Dortmunds in den Medien (siehe Infokasten). Zweitens besuchen ausländische Investoren und Unternehmen Dortmund aber auch wegen der hiesigen Unternehmen. „Auch unsere Unternehmen werden ja immer internationaler und fahren nach China und in die USA“, sagt Wulf-Christian Ehrich.

Bei Besuchen ausländischer Delegationen sei Spionage „immer ein Thema“, sagt Ehrich, die Sensibilität dafür sei bei den Firmen da. Aber: „Sie würden keinen einladen, dem sie nicht vertrauen.“

Dass ein Besuch häufig im Interesse beider Seiten liegt, zeigt etwa der Besuch von 20 Unternehmern aus China im Dezember beim Robotersysteme-Hersteller Roteg AG an der Brennaborstraße. Die Chinesen interessierten sich für die Roteg-Technik, die Dortmunder wollen mit China weitere Teile des internationalen Marktes erschließen.

4 Wissenschaftler, Konferenzen, sonstige Delegationen

Viele Besucher aus dem Ausland zieht Dortmund auch als Wissenschafts- und Forschungsstandort und Ort für Konferenzen an. Auch Institutionen wie die IHK führen regelmäßig Konferenzen durch. Nach 60 Unternehmen aus dem Westbalkan 2016 kamen 2017 14 finnische Technologieunternehmen zu einem deutsch-finnischen Digital-Gipfel nach Dortmund.

Und auch im Finanzsektor gibt es Besuche aus dem Ausland: Die Dortmunder Volksbank hatte Ende November eine 17-köpfige Delegation aus Ägypten zu Gast, die sich unter anderem über die hiesige Finanzierung von kleinen und mittelständischen Unternehmen informierte.

Resümierend sieht die Wirtschaftsförderung internationale Netzwerke sowie Besuche ausländischer Delegationen als „Vorfluter für konkrete Investitionen in Dortmund und der Region“. Jüngste Beispiele seien Investitionen auf dem Hotelmarkt gewesen.

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