SCHAUSPIEL

Theater Dortmund hebt Virginia Woolfs „Orlando“ auf die Bühne

Friederike Tiefenbacher

Foto: Birgit Hupfeld

Friederike Tiefenbacher Foto: Birgit Hupfeld

Dortmund.  Virginia Woolfs Schlüsselroman „Orlando“ im Studio des Theater Dortmund gerät zu einem eigensinnigen Stückwerk-Abend mit plattgetretenem Humor.

Das Stück nennt sich „Orlando“, was nahelegt, dass es sich hier um eine Adaption des Romans von Virginia Woolf handelt. Doch der jungen Regisseurin Laura N. Junghanns schwebt in ihrer eigenen Fassung für das Dortmunder Schauspiel viel mehr vor. Sie will eigentlich von Woolfs Liebe zu der ebenfalls literarisch tätigen Vita Sackville-West erzählen und davon, wie sehr sich die Persönlichkeit der Geliebten in der Figur Orlando spiegelt. Er ist der schöne britische Adlige, der 1586 über Nacht ganz plötzlich zur Frau wird, und mit diesem Geschlecht bis ins 20. Jahrhundert lebt. Für die Regisseurin hat Woolf damit einen Charakter geschaffen, den man heute als „queer“ bezeichnen würde.

Junghanns hat dem Abend da eine Menge Stoff aufgeladen, der in den 100 Minuten im kleinen Studio schier überborden muss. Zumal schon viel Zeit damit vergeht, wenn Woolf (Friederike Tiefenbacher) und Sackville-West (Marlena Keil) sich zu Beginn gegenseitig und mit penibler Datumsansage mit all den Briefen konfrontieren, die sie sich geschrieben haben. Dann sinniert Woolf übers Wesen der Biographie und wie viele Identitäten man darin möglicherweise haben kann.

Drag-Queen in viktorianischer Garderobe

Und weil es nun mal ein Augenschmaus ist, erscheint der Schauspieler Ekkehard Freye als Drag-Queen in der prachtvollen viktorianischen Garderobe von Elizabeth I. Relativ spät kommt dann Orlando ins Spiel – und mit ihm der Humor, den Woolf diesem Buch hat angedeihen lassen. Der allerdings wird hier derart deftig plattgetreten, dass von der Diskussion um Gender und empfundenes Geschlecht nicht viel hängenbleibt.

Es ist ein Stückwerk-Abend, untermalt von der sanften Live-Musik des Duos Aniyo Kore. Und garniert mit einem Finale, das man sich besser geschenkt hätte: Junghanns bringt am Ende das Massaker von 2016 in Orlando/Florida, in Verbindung mit ihrem Abend. Die Homophobie des Täters, sie passt so schön.

Termine: 16. Februar und 11. März. Karten: 0231 / 50 27 222.

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