Einzelhandel

Pläne für neue Drogerie - Bürger und Parteien sind besorgt

Edeka ist schon da, Lidl auch. Und der Discounter will sich in Dortmund-Sölde noch vergrößern. Dazu kommt vielleicht noch ein Drogeriemarkt.

Foto: Jörg Bauerfeld

Edeka ist schon da, Lidl auch. Und der Discounter will sich in Dortmund-Sölde noch vergrößern. Dazu kommt vielleicht noch ein Drogeriemarkt. Foto: Jörg Bauerfeld

Sölde.  Die Bezirksvertretung Aplerbeck hat sich entschieden, gegen die Stimmen der CDU. In Sölde soll es einen neuen Drogeriemarkt geben. Dort, wo schon Edeka und Lidl ist. Aber die Sache ist kompliziert.

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Die alte Dame, die schnell ihre Einkäufe erledigen wollte, ist sicher nicht repräsentativ. "Gehen Sie mir doch weg damit, brauchen wir nicht", war ihr gerade noch zu entlocken, bevor sie in den Supermarkt eilte. Aber die Antwort zeigt, dass die Ansiedlung eines neuen Drogeriemarktes in Sölde doch ein wenig komplizierter ist als es den Anschein hat. Denn es geht um Kaufkraft, um Konkurrenz und um die Frage: Muss das sein?

Grüne sprechen sich für Drogeriemarkt an Sölder Straße aus

Der Vorreiter der Idee sind die Grünen. Fraktionssprecherin Barbara Blotenberg strahlte über das ganze Gesicht, als nach der Abstimmung klar war, dass die Mehrheit für eine neue Geschäftsansiedlung an der Sölder Straße war. "Uns haben viele ältere Menschen angesprochen, die sich dieses zusätzliche Angebot wünschen", sagt die Grünen-Politikerin.

Rund zehn Jahre ist es her, als der Schlecker Markt an der Sölder Straße seine Pforten schloss. "Seitdem warten die Menschen auf so eine Einrichtung", sagt Blotenberg. Es sei ein Vakuum entstanden. Umfragen hätten das eindeutig ergeben. Und der Ort, an dem der neue Markt entstehen soll, steht ja auch schon fest. Auf einem Brachgelände nördlich des Edeka und Lidl-Parkplatzes - direkt an dem kleinen Wendehammer. Dafür muss natürlich der Bebauungsplan AP 210 geändert werden, der an dieser Stelle eigentlich die Ansiedlung von Handwerk vorsah.

SPD-Fraktion fordert Beschränkung der Randsortimente

Um die Konkurrenzsituation gegenüber den ansässigen Geschäften nicht so groß werden zu lassen, soll es eine Beschränkung der Randsortimente des neuen Drogeriemarktes geben. Das machte die SPD-Fraktion klar. Randsortimente für einen Drogeriemarkt sind beispielsweise wein, Süßigkeiten oder auch Kaffee, die gibt es ja dann weiterhin bei Edeka und Lidl - so zumindest der Gedanke. Den teilt die CDU-Fraktion nicht. "Ob sich die Betreiber daran am Ende auch halten kann ich nicht so ganz glauben. Die bezahlen eine Strafe und gut ist", sagt Volker Mais (CDU). Die Christdemokraten haben sich gegen die Neuansiedlung eines Drogeriemarktes im Bereich des kleinen Einkaufszentrums ausgesprochen. "Wir müssen die Geschäftsleute vor Ort stärken", sagt Ingeborg Milde (Fraktionsvorsitzende der CDU in der BV-Aplerbeck).

Denn da Lidl schon mit einer Erweiterung liebäugelt, würde zusätzliche Verkaufsfläche freigesetzt, die viel zu groß sei. "Das gibt hier die Kaufkraft gar nicht her. Hier wird dann eine Grenze überschritten, es werden Geschäfte geschlossen und es gibt Leerstand. Der Worst Case wäre an dieser Stelle ein Rossmann", sagt Mais. Denn der hätte ein derart großes Zusatzangebot, dass es bei den Händlern vor Ort große Probleme geben könnte.

In die gleiche Kerbe haut auch Jens Meierjohann. Der ist Leiter des Edekas an der Sölder Straße und sieht auch das Damoklesschwert Rossmann über sich schweben. Gut, neue Konkurrenz ist immer schlecht, aber der Geschäftsmann hat das Beispiel in Holzwickede vor Augen. Hier wurde seinem Edeka auch ein Rossmann vor die Tür gesetzt. Beträchtliche Verluste waren die Folge.

Wegen Drogeriemarktes: Leiter des Edeka-Marktes fürchtet Verluste

"Ich habe noch von keinem gehört, dass es hier ein Drogeriemarkt sein muss", sagt Meierjohann. Er habe sein Warenangebot an die Bedürfnisse angepasst, hat für die älteren Bürger sogar ein Lieferservice eingerichtet, der auch reichlich frequentiert wird. Zwischen 70 und 100 Fahrten sind es in der Woche. "Kommt ein Rossmann", sagt Meierjohann, "werden wir das hier vor Ort in der Kasse merken." Und das Erste, was für ihn dann wegfalle, sei seine finanzielle Unterstützung für die Vereine vor Ort.

Aber noch wird einiges an Wasser die Emscher herunterfließen, bis die Entscheidung gefallen ist, ob ein Drogerimarkt kommt und wer das am Ende ist. Als Nächstes muss sich der AUSW (Ausschuss für Umwelt, Stadtgestaltung und Wohnen) eine Meinung bilden - und eine Entscheidung treffen. Dann wird man weiter sehen in Sölde.

Die Idee, hinter dem Edeka und dem Lidl an der Sölder Straße Gewerbe anzusiedeln, gibt es schon lange. Auch ein Getränkemarkt war immer im Gespräch. Für einen eventuellen Drogeriemarkt müssten aber zudem noch zusätzliche Parkplätze im Ortskern Söldes geschaffen werden.

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