Kommunalwahl 2020

Wahl in Dortmund: Westphal setzt sich gegen Hollstein durch

Stichwahl in Dortmund: Hier jubelt der neue Oberbürgermeister der Stadt! Thomas Westphal von der SPD.

Stichwahl in Dortmund: Hier jubelt der neue Oberbürgermeister der Stadt! Thomas Westphal von der SPD.

Foto: Jonas Güttler/dpa

Dortmund.  Neuer Oberbürgermeister von Dortmund wird Thomas Westphal (SPD). Er konnte sich mit 51,97 Prozent der Stimmen gegen Andreas Hollstein behaupten.

  • Die Stichwahl in der drittgrößten Stadt Nordrhein-Westfalens endete denkbar knapp: Mit gerade einmal 5750 Stimmen gewann der SPD-Kandidat Thomas Westphal.
  • Sein Konkurrent Andreas Hollstein (CDU), der auch von den Grünen unterstützt wurde, kam auf 48,03 Prozent der Stimmen.
  • Die Beteiligung bei der Stichwahl lag in Dortmund bei 32,61 Prozent.

Bei der Oberbürgermeister-Stichwahl in Dortmund hat der SPD-Kandidat Thomas Westphal 51,97 Prozent der Stimmen eingefahren und sich damit gegen Andreas Hollstein (CDU) durchgesetzt. Der CDU-Politiker erhielt 48,03 Prozent der Stimmen. Zwischen den beiden Bewerbern um das Amt lagen letztlich 5750 Stimmen. Damit wird Thomas Westphal neuer Oberbürgermeister von Dortmund.

Auf den SPD-Kandidaten Westphal entfielen 75.755 der Stimmen. Für den Gegenkandidaten Andreas Hollstein haben 70.005 Dortmunder ihr Votum abgegeben. Die Wahlbeteiligung bei der Stichwahl lag bei 32,61 Prozent.

Das von vielen erwartete politische Beben fiel damit aus. Um 19 Uhr streckte Westphal an der Seite seiner Frau Janine im Rathaus-Saal „Westfalia“ die Faust nach oben und ließ sich feiern.

Wenn Dortmund noch immer die „Herzkammer“ der SPD ist, vor der Herbert Wehner einst sprach, dann litt die Partei dort in den vergangenen Tagen unter Kammerflimmern und berappelte sich erst in letzter Minute. Als Andreas Hollstein, amtierender Bürgermeister von Altena, gegen 18.45 Uhr vor Kameras und Mikrofone tritt und der SPD und ihrem Kandidaten zur Wahl gratuliert, sitzt drüben bei der SPD die lokale Parteiprominenz noch vor dem Bildschirm und traut sich kaum, zu jubeln. Die Dortmunder SPD-Chefin Nadja Lüders, der Landtagsabgeordnete Volkan Baran und Kämmerer Jörg Stüdemann sind so still, als trauten sie dem Braten nicht, obwohl der rote Balken auf dem Monitor immer häufiger höher ist als der schwarze.

SPD-Mann Westphal will sich als Sieger präsentieren

Während Andreas Hollstein das Kopf-an-Kopf-Rennen inmitten seiner CDU-Parteifreunde verfolgt, wartet Westphal oben in seinem Büro mit Familienangehörigen auf das Endergebnis. Er geht erst runter zu seinen Genossen, als er sich als Sieger präsentieren kann. „Ich bin Sportler, und ein Sportler verlässt den Platz erst nach dem Abpfiff“ sagt er dazu, dass sein Team ihn erst herbeiklatschen muss. „Die Herzkammer gehört uns“, ruft einer. „Wir haben die Wahl gewonnen“, ein anderer. Erst jetzt können sie fassen, dass in dieses Rathaus Ende Oktober kein CDU-Oberbürgermeister einziehen wird. Westphal bedankt sich für einen „riesigen, beherzten Wahlkampf“. Am Ende habe sich der Kern seiner Kampagne – „Verlässlichkeit, Fairness und Sicherheitsorientierung“ – ausgezahlt.

Schon einmal hatte ein CDU-Kandidat an der SPD-Festung Dortmund gerüttelt. 1999 legte der Unternehmer Volker Geers einen fulminanten Wahlkampf hin und wurde erst sehr spät ausgebremst. Die SPD versuchte in den Tagen vor der Stichwahl Anhänger der Grünen davon abzuhalten, der Wahlempfehlung der Grünen für Andreas Hollstein zu folgen. Das Motto: „Wer grün wählt, der bekommt schwarz“.

SPD musste um "ihre" Stadt zittern

Dass die SPD überhaupt um „ihre“ Stadt Dortmund zittern musste, dürfte auch daran liegen, dass sie es nicht geschafft hat, eine belastbare Partnerschaft mit den Grünen aufzubauen. In der Nachbarstadt Bochum war dies gelungen. Die Grünen unterstützten den dortigen Oberbürgermeister Thomas Eiskirch, und der wurde vor zwei Wochen schon im ersten Anlauf wiedergewählt.

In Dortmund hatten der Umweltverband BUND, der Verkehrsclub VCD und die – vor allem im Dortmunder Osten und Südosten wichtige Schutzgemeinschaft Fluglärm die „Projektpartnerschaft“ zwischen CDU und Grünen ausdrücklich begrüßt. Denn Schwarz-Grün hat den Ausbau des Radwegenetzes und des Radschnellweges RS 1, den Verzicht auf einen Flughafenausbau und das Ende der umstrittenen STEAG-Beteiligung der Stadt auf die Vorhabenliste geschrieben.

Nun muss sich zeigen, ob SPD und die Grünen in Dortmund überhaupt wieder in Sachfragen zueinander finden können. Wahlsieger Westphal erklärte am Abend, dass er schnell das Gespräch mit den Grünen suchen werde, um im Rat „eine stabile Mehrheit für diese Stadt zu organisieren“.

Seit Jahrzehnten stellt die SPD in Dortmund die Oberbürgermeister. Dazu zählten Persönlichkeiten wie Fritz Henßler, ein Widerstandskämpfer gegen die Nazi-Diktatur, der volkstümliche Langzeit-OB Günter Samtlebe und zuletzt Ullrich Sierau, in dessen Amtszeit sich die vom Strukturwandel getroffenen Stadt besser entwickelte als viele andere Ruhrgebietsstädte. Thomas Westphal, 53 Jahre alt, bisher Wirtschaftsförderer der Stadt und vielen Dortmundern noch ein Unbekannter, muss sich diese Meriten erst noch erwerben.

Zukunft von Andreas Hollstein ungewiss

Für Andreas Hollstein geht an diesem Montag in Altena zunächst das Bürgermeisterleben weiter. „Wir haben Verwaltungsvorstand“, erzählt er. In Kürze wird er dort das Amt an seinen Nachfolger abgeben. Wie es dann für ihn weitergeht, ist noch offen. Er hoffe jedenfalls, dass sich Dortmund gut entwickeln möge: „Ich hänge an dieser Stadt.“ Weiterlesen: NRW-Stichwahl - So laufen die Duelle ab

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