Dortmund von unten

Was bei Kaufhof alles im Keller lagert

Im Keller der Dortmunder Kaufhof-Filiale.

Foto: Stefan Reinke

Im Keller der Dortmunder Kaufhof-Filiale. Foto: Stefan Reinke

Dortmund.  Wo liegt eigentlich die Weihnachtsdeko im Frühling? Und die Osternester im Winter? Natürlich im Keller. Wir haben uns das Untergeschoss der Dortmunder Kaufhof-Filiale angeschaut. Dort lagert alles, was die Shopping-Welt des Verkaufsbereichs so einladend macht.

Ein Kaufhaus ist immer dekoriert, immer hell, immer herausgeputzt. Wie selbstverständlich schmücken im Winter Plastik-Tannenbäume den Verkaufsbereich und werden - ebenfalls selbstverständlich - nach der Weihnachtszeit wieder weggeräumt. Aber wohin? Ganz einfach: Ähnlich wie zu Hause auch, landen Weihnachtsbäume, Osternester und andere saisonale Dekoartikel auch in der Dortmunder Kaufhof-Filiale im Keller. Denn hinter dem 11.544 Quadratmeter großen, glitzernden Konsumbereich des Warenhauses setzt sich der fast ebenso große Verwaltungstrakt des Gebäudes fort. Auch im Keller.

Zwei Stockwerke unter dem Einkaufsbereich im Untergeschoss befindet sich ein riesiges Lager: Tausende Kleiderstände, Glasplatten, Regale, Aufsteller und allerlei Kleinteile warten hier auf ihren großen Auftritt auf der Shopping-Bühne. Doch die meiste Zeit des Jahres verbringen sie hier, gewissermaßen im Backstage-Bereich. Auf einigen Schildern kündet "Sale" schon vom nächsten Schlussverkauf. Andere Kleiderständer warten auf schwarz-gelbe Ware: "BVB-Herren", "BVB-Kinder", "BVB-Damen".

Warenhaustür verschwand im Boden

"Die Warenträger werden je nach Saison ausgetauscht", erklärt Lars Thiele. Der Geschäftsführer der Dortmunder Filiale wacht nicht nur über den reibungslosen Ablauf des Kundengeschäfts, sondern kennt auch die rund 2000 Quadratmeter Lagerfläche - und nicht nur die. Hinter einer unscheinbaren Tür befindet sich ein Relikt aus einer längst vergangenen Zeit. Ein riesiges Relikt: die alte Hebeanlage der Warenhaustüren.

Denn die Eingänge waren vor Jahrzehnten nicht mit Schwingtüren verschlossen, sondern durch ein im Boden versenkbares Portal. Die Vorrichtung dafür steht noch im Keller. Ein riesiger Motor hat in grauer Vorzeit die Türen rauf und runter bewegt, auch der riesige Schlitz im Boden, in dem die Pforte bei Ladenöffnung versenkt wurde, ist noch da.

Ebenfalls tief unten im Keller des Hauses verbirgt sich hinter einer dicken Tür die Lüftungsanlage der Filiale. Ein mächtiges Gebläse saugt dazu Luft aus einem Schacht an. Mit hohem Druck und lautem Rauschen zieht die Luft durch eine Filteranlage, bevor sie im gesamten Gebäude verteilt wird.

In einer alten, verlassen wirkenden Schlosserei hingegen scheint die Zeit still zu stehen. Eine Schweißermaske liegt neben einem Amboss. Um eine Säge herum liegen Metallspäne. "Früher waren hier Schlosser beschäftigt", erklärt Thiele. Vor Jahren hätten hinter den Kulissen des Geschäfts genau so viele Menschen gearbeitet wie vorne im Verkaufsbereich. Die Zeiten sind vorbei. Nur noch gelegentlich nutzt ein Handwerker die Werkzeuge in der alten Schlosserei, die so gar nicht zum Bild des Konsum-Tempels passt.

Dortmunds letzter Paternoster

Ebenso alt, aber bei weitem nicht ungenutzt ist der Traforaum, von dem aus das Gebäude mit Strom versorgt wird. Egal, ob Kühltheke oder Aufzug - hier werden alle elektrischen Anlagen gesteuert. Im Nebenraum steht die Sprinkleranlage mit ihrem 30.000 Liter fassenden Wassertank.

Eine Etage darüber vermischt sich die Warenwelt mit der Welt hinter den Kulissen. Ein Schild weist den Weg zur "Markthalle", in der Kaufhof in den 80er und 90er Jahren noch frische Waren und auch ein kulinarisches Angebot bereit hielt. heute zeugen davon nur noch die ehemaligen Kühlhäuser. Die großen, gefliesten Räume werden nun allerdings nur noch als gewöhnliche Lager genutzt. Doch auf diesem Geschoss verbirgt sich noch ein echter Schatz aus einer vergangenen Epoche: einer von Dortmunds letzten Paternostern versprüht den Charme der Wirtschaftswunder-Zeit, verrichtet zuverlässig seinen Dienst und transportiert Personal vom Keller aus bis in den dritten Stock. Den Kunden bleiben die modernen Großraumaufzüge vorbehalten. Von der Welt hinter und unter dem Shoppingbereich bekommen sie nichts mit.

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