Alarmstimmung

So reagiert die Bezirksregierung auf den Unterrichtsausfall-Check

Die Überprüfung der Frage, wie viel Unterricht an Dortmunds Schulen wirklich ausfällt, hat bei der Bezirksregierung Nervosität ausgelöst.

Die Überprüfung der Frage, wie viel Unterricht an Dortmunds Schulen wirklich ausfällt, hat bei der Bezirksregierung Nervosität ausgelöst.

Dortmund.  Bei der Bezirksregierung Arnsberg herrscht Alarmstimmung. Der Unterrichtsausfall-Check, mit dem die Ruhr Nachrichten und das gemeinnützige Recherchenetzwerk Correctiv die Zahl der ausfallenden Unterrichtsstunden an Dortmunder Schulen für den März ermitteln wollen, hat Nervosität in der Behörde ausgelöst und sich in einem Brief an die Schulen gewandt.

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Nur nach mehrmaligen Rückfragen und einem Hinweis auf die Auskunftspflicht der Behörde beantwortete Christoph Söbbeler, Pressesprecher der Bezirksregierung, am Freitag die Fragen unserer Redaktion zu einem Brief der Bezirksregierung. Dieses Schreiben an die Schulleiter in Dortmund, so bestätigte Söbbeler, hat die Regierungspräsidentin nach Bekanntwerden des Projekts initiiert. Unterschrieben ist es von der Leiterin der Schulabteilung der Bezirksregierung.

In diesem Brief, so Söbbeler, informiere die Bezirksregierung die Schulleitungen über das Projekt und stelle ihnen frei, sich zu beteiligen oder nicht. Zudem bitte sie die Schulleitungen, im März intern die Vertretungspläne genau zu dokumentieren. Eine irgendwie geartete Anregung, im März darauf zu achten, dass besonders wenig Unterricht ausfalle, enthalte der Brief nicht. Söbbeler war am Freitag nicht bereit, der Redaktion eine Kopie des Briefes zukommen zu lassen.

Maulkorb für die Schulleiter?

Im Übrigen, so Söbbeler, sei es den Schulleitungen freigestellt, sich gegenüber den Medien zu dem Projekt zu äußern oder Anfragen an die Bezirksregierung weiterzuleiten. Damit widerspricht er mehreren Schulleitungen, die unserer Redaktion ausdrücklich das Gegenteil berichteten. So sagte Ute Tometten, Leiterin des Max-Planck-Gymnasiums, in dieser Woche unserer Redaktion auf die Frage zu einem konkreten Unterrichtsausfallthema: "Ich bin aber angewiesen, da nichts zu zu sagen."

Eine ganz andere Offenheit gegenüber dem Unterrichtsausfall-Check empfiehlt Rüdiger Käuser. Er ist Oberstudiendirektor, Leiter eines Gymnasiums in Siegen und seit 2009 Vorsitzender der Westfälisch-Lippischen Direktorenvereinigung. Die vertritt die Interessen der Leiter von rund 300 Gymnasien in Westfalen - und damit auch der Dortmunder Gymnasien.

"Unterrichtsausfall ist ein Thema. Wir dürfen es nicht kleinreden, aber wir müssen auch genau hinschauen, warum eine Stunde nicht erteilt wird", sagte Käuser am Freitag. Da gebe es die Vorgaben des Landes, die etwa Berufsinformationstage vorschrieben. "An diesen Tagen fällt normaler Unterricht natürlich aus." Dafür gebe es aber ein anderes, möglicherweise wertvolleres Lehrangebot. Gleiches gelte für Exkursionen oder Klassenfahrten.

Experte: Schulen sollten sich am Projekt beteiligen

Um Unterrichtsausfall qualitativ richtig zu bewerten, müsse man ins Detail gehen. Das aber könnten Lehrer und Schulleiter am besten selbst. Deshalb rate er Schulleitern und Lehrern, sich an dem Projekt zu beteiligen und zu einer qualifizierten Auswertung abseits populistischer Parolen beizutragen.

Was die Darstellung der Landesregierung angeht - danach fallen rund 1,8 Prozent Unterricht aus, was viele Schulexperten für zu niedrig halten - zeigt sich Käuser pragmatisch: "Die 1,8 Prozent kann man mit der richtigen Definition problemlos hinkriegen, aber auch eine 1,5 oder 3 oder 5 - das ist doch eine reine Frage, wie ich Unterrichtsausfall definiere", sagte Käuser. Klar sei für ihn: Derzeit scheitere der Einsatz von mehr Lehrern nicht am Geld, sondern am Personal: "Es gibt einfach keine freien Lehrer."

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