TV-Porträt

Private Einblicke von Klopp - Vater wäre stolz auf BVB-Trainer gewesen

Dortmunds Meistertrainer Jürgen Klopp mit seiner Frau Ulla.

Dortmunds Meistertrainer Jürgen Klopp mit seiner Frau Ulla.

Foto: dapd

Dortmund.   Für den NDR gab BVB-Trainer Jürgen Klopp Einblick in sein Privatleben. Zuhause betätige er sich für Ehefrau Ulla als „Schlepper“, der Sachen von A nach B bringt. Mutter Elisabeth und Schwester Stefanie erinnerten an den verstorbenen Norbert Klopp, der auf seinen Sohn stolz gewesen wäre.

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Durch die zweite BVB-Meisterschaft in Folge gehört Jürgen Klopp zu den herausragenden Trainern im fußballverrückten Deutschland. Also passt er in die Reihe „Sportclub Stars“, in der der Norddeutsche Rundfunk (NDR) prominente Persönlichkeiten porträtiert. Die 30-Minuten-Folge über Borussia Dortmunds Erfolgsgaranten, die am Sonntagabend ausgestrahlt wurde und aus der Auszüge am Montag, 7. Mai, um 22.45 Uhr im WDR bei „Sport Inside“ zu sehen sind, geriet zu einer besonderen: So viel Privates über Klopp gab es bisher noch nicht zu sehen.

Dass er mit seiner Ulla seit sieben Jahren verheiratet ist und mittlerweile in Herdecke lebt, wissen viele. Wer aber hat zuhause die Hosen an? „Meine Rolle ist da nicht genau definiert. Sie kann alles besser als ich“, sagte Jürgen Klopp NDR-Filmemacher Hendrik Deichmann. Typisch Kloppo führt er fort: „Ich bin kein Held der Hausarbeit, aber ein Schlepper: Ich bringe Sachen von A nach B.“

Die Familiengeschichte runden vor allem Klopps Mutter Elisabeth und Schwester Stefanie ab. In ihrem Wohnzimmer in Klopps Heimatgemeinde Glatten im Schwarzwald wird schnell deutlich: Beide sind genauso temperamentvoll wie der Jürgen, der hier, wo die Tornetze schwarz-gelb sind, aufwuchs und seine ersten fußballerischen Erlebnisse hatte. „Er hat immer im Wohnzimmer gebolzt, es hat oft gescheppert“, erzählt die Mutter, die ihn „von vorne bis hinten verwöhnt“ habe. „Der durfte alles", bestätigt Stefanie Klopp. Eine klassische schwäbische Mama sei sie, sagt der heute 44-jährige Sohn: „Die ist glücklich, wenn alle um sie herum glücklich sind.“

Tod des Vaters

Vater Norbert starb 2000 an Krebs, als Klopps Trainerkarriere in Mainz und Dortmund noch bevorstand. Für Sohn Jürgen ist es „supertraurig“, dass der Papa seinen weiteren Werdegang nicht verfolgen kann. „Er hat sich ganz schwer damit getan, mich zu loben. Ich hätte ich es ihm gegönnt, dass er das jetzt noch mit mir hätte erleben können. Ich bin mir übrigens ganz sicher, zumindest ist da der Glaube ganz stark, dass er das sieht“ und von oben einen entspannten Blick darauf habe.

Auch Norbert Klopp konnte laut seiner Ehefrau aus der Rolle fallen, wenn ihm zum Beispiel beim Fußball etwas nicht gepasst habe. „Sie sind sich schon sehr ähnlich, den Ehrgeiz hat Jürgen von seinem Vater.“ Die beiden sind früher sonntags auf den Fußballplatz gegangen, so entwickelten sich Gemeinsamkeiten. Jürgen Klopp: „Bei seinem Tod wollte ich wissen, warum er geholt wurde. Er wurde praktisch an seinem letzten Arbeitstag krank.“

Norbert Klopp als Kritiker und Förderer

Der Vater sei Kritiker und Förderer in einer Person gewesen, hart und streng. Ein Lob sei ihm kaum über die Lippen gekommen. „Man musste zwischen den Zeilen lesen können, um das wirklich herauszufinden. Wenn ich vier Tore geschossen hatte, meinte er, dass ich aber noch sieben Chancen liegen gelassen habe.“ Diese Selbstkritik hat sich Klopp junior angeeignet. Als er mit Mainz 05 etwa 2002 wieder den Aufstieg in die Bundesliga verpasst hatte, sagte der aufstrebende Trainer: „Ich habe falsche Entscheidungen getroffen.“ Laut Mainz-Manager Christian Heidel habe Kloppo eine halbe Stunde in der Kabine geheult.

Als es 2003 wegen eines einzigen Tores wieder nicht klappte mit dem Aufstieg, ging Klopp am nächsten Tag voran und motivierte sich sowie das Umfeld für einen weiteren Anlauf. Dieses Mal ohne Tränen, die aber dann 2008 beim Abschied aus Mainz vor seinem Wechsel nach Dortmund in Strömen flossen. „Ich heule auch bei Winnetou III, wenn er sich vor Old Shatterhand wirft und über die Wupper geht. Ich bin halt näher am Wasser gebaut als viele andere.“

Selbstbewusst wie Arnold Schwarzenegger

An Selbstbewusstsein habe es Jürgen Klopp noch nie gemangelt. Auf die Rückseite eines Fotos aus Kindheitstagen in entsprechender Pose hatte er damals „Arnold Schwarzenegger“ geschrieben. Auch Heidel, 2001 der Entdecker des Trainers Klopp und Freund sowie Förderer zugleich, sagte: „Man hat gleich gemerkt, dass der Jürgen was Besonderes ist, mit seinem Ehrgeiz wurde er bei uns zur totalen Führungsfigur.“

Dabei wusste Klopp selbst lange nicht, ob er seinen Traumberuf ausleben kann. „Die Trainer-Perspektive war da, aber man weiß ja nicht, ob das klappt.“ Es sollte gelingen: Im Februar 2001 entwarf Manager Heidel nach reichlich Misserfolgen ein Modell, wonach sich die Mainzer Mannschaft selbst trainieren sollte. Aber jemand musste auf der Bank sitzen. „Zum Glück war Kloppo damals verletzt, und der Jürgen hat auch keine Sekunde gezweifelt und sich das sofort zugetraut. Selbstbewusst war es schon immer.“ Dabei hatte der zuvor nur die B-Jugend mit seinem eigenen Sohn Marc trainiert.

Aus dem kleinen wird der große Bruder

Das Haar in der Suppe: „Er ist angespannter geworden“, meinen Klopps daheim gebliebene Frauen. Auch Schwester Stefanie bedauert, dass zwischen dem Schwarzwald und Dortmund so viele Kilometer liegen, aber so sei das nun mal: „Aus meinem kleinen ist ein großer Bruder geworden.“ Dem widmete sie bei einem Empfang für Glattens Meistertrainer auf der Bühne ein paar Reime, was Jürgen „herzerwärmend“ fand.

Auch alte Weggefährten aus Glatten finden, dass Klopp im Vergleich zu früher „konsequenter“ geworden sei. „Man sieht sich viel zu selten“, klagt der BVB-Coach, der vor 20 Jahren wegzog. Aber bei einem Besuch auf dem Dortmunder Trainingsgelände etwa sei er laut Klopps Jugendtrainer Ulrich Rath „über den gesamten Platz gespurtet, um uns zu begrüßen.“ Hunderte andere Zuschauer hätten ein wenig neidisch auf die Reisegruppe aus Glatten geschaut.