Eskalation

Journalist soll mit Polizei-Schlagstock geprügelt haben

Nach dem Polizeieinsatz im Dortmunder Norden nach einer Messerstecherei eskalierte die Situation zwischenzeitlich.

Nach dem Polizeieinsatz im Dortmunder Norden nach einer Messerstecherei eskalierte die Situation zwischenzeitlich.

Foto: IDANewsMedia

Dortmund.  Bei einer Messerstecherei in Dortmund entwickelte sich ein Tumult. Polizisten und ein Journalist sollen Gewalt gegen Augenzeugen angewandt haben.

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Die Polizei berichtete am Samstagnachmittag in einer Pressemitteilung von der Festnahme eines Tatverdächtigen, nachdem ein 28-Jähriger in der Nacht zu Samstag in einer Wohnung an der Mallinckrodtstraße mit einem Messer verletzt worden war. Gegen 1.20 Uhr waren alarmierte Polizeibeamten dem Mann zu Hilfe geeilt. Die Tat soll sich in einer Unterkunft für Flüchtlinge zugetragen haben.

Blutspuren führten die Polizei zu einem Wohnraum ebenfalls an der Mallinckrodtstraße, wo die Beamten einen 19-jährigen Tatverdächtigen festnehmen konnte. Die Sache eskalierte als die Polizei auf der Mallinckrodtstraße nach weiteren Tatverdächtigten fahndete. Nach Behördenangaben habe sich dabei im Bereich Münsterstraße eine Gruppe von etwa 40 Menschen gesammelt, die die Fahndungsmaßnahmen und die Polizeikontrollen massiv gestört hätten.

Polizei schildert Angriffe auf Polizisten

"Die eigentlich zur Hilfe gerufenen Polizisten mussten sich gegen aggressive Angriffe durchsetzen, die sich gegen die Maßnahmen der Polizeibeamten richteten", heißt es im Polizeibericht. "Neben Beleidigungen griffen die Personen die Beamten auch körperlich an oder versuchten sie teils mit Glasflaschen zu bewerfen."

Auch ein Hundeführer sei mit seinem Tier stark bedrängt worden. Der Hund biss "auf Anordnung" eine Person, die dabei leicht verletzt wurde. Die "Ausschreitungen" seien dann "konsequent beendet worden, um weitere Auseinandersetzungen und Verletzungen zu vermeiden", heißt es im Bericht der Polizei. Vier Dortmunder im Alter von 27, 25 und zweimal 22 Jahren seien in Gewahrsam genommen worden.

Anwohner sprechen von Polizeigewalt

Anwohner stellen die Vorkommnisse allerdings ganz anders dar. In einer Erklärung, die unserer Redaktion zugesandt wurde, ist die Rede von einem "unverhältnismäßigen Gewaltausbruch" der Polizei. Eine "friedliche Menschenmenge" sei von Polizisten mit Schlagstöcken attackiert und ein Polizeihund in die Menge gehetzt worden.

Nach Schilderung der Anwohner hätten die Personen, die sich an der Münsterstraße aufhielten, "zu keiner Zeit in die Arbeit der Polizisten eingegriffen". Trotzdem hätten sich die Beamten offenbar so bedrängt gefühlt, dass sie Verstärkung herbeiriefen.

Polizisten sollen "ohne Vorwarnung" mit Schlagstöcken vorgegangen sein

"Die hinzukommenden Polizeikräfte gingen bei ihrem Eintreffen ohne weitere Klärung der Lage und ohne Vorwarnung mit Schlagstöcken gegen die Zuschauer vor", heißt es in der Erklärung. "Ein Hundeführer ließ seinen Diensthund los, der daraufhin in die Menge rannte, wahllos einen der Umstehenden anfiel und sich in seinem Arm verbiss."

Der 28-Jährige, der bei dem Messerstich verletzt und in ein Krankenhaus eingeliefert worden war, konnte noch nicht zu der Tat und seiner Verletzung befragt werden. Er war, so heißt es im Polizeibericht, "augenscheinlich stark alkoholisiert".

Video zeigt einen Journalisten mit Schlagstock

Ein Video bei Vimeo zeigt eine Szene, an der sich Kritik an der Polizei entzündet: Ein Mann geht in aggressiver Tonlage und Körpersprache mit einem Einsatzmehrzweckstock gegen eine Person vor, die den Polizeieinsatz filmt. Das Filmen von Polizei-Einsätzen ist gestattet, solange man die Polizei nicht bei der Arbeit behindert und keine Persönlichkeitsrechte verletzt. Doch der Mann mit dem Einsatzmehrzweckstock, der den Anschein erwecken kann, ein Zivilbeamter der Polizei zu sein, ist kein Polizist, sondern der freiberuflich tätige Dortmunder Journalist René Werner. In dem Vimeo-Video ist er deutlich zu erkennen.

Mit vier großen Schritten geht er auf die filmende Person zu, ruft "Verpiss dich mit deiner Kamera ... du darfst mich nicht filmen" und geht zurück zu einem Einsatzfahrzeug der Polizei. Auf dem Boden liegt, gefesselt, ein festgenommener Tatverdächtiger. Bewacht von einem Polizeibeamten mit Diensthund. René Werner hält sich dort auf, weiter mit dem Einsatzmehrzweckstock in der Hand. Es kann der Eindruck entstehen, dass er zur Polizei gehört und die Festnahme absichert.

Zu dem Einsatz in der Nordstadt äußert er sich ausführlich auf der Facebook-Internetseite seiner Firma IDA News. Auf Nachfrage antwortete er, aus Angst zu einem am Boden liegenden Einsatzmehrzweckstock gegriffen zu haben. Daran sei er als früherer Mitarbeiter eines Sicherheitsdienstes ausgebildet worden. Die Polizei arbeitet diesen Fall jetzt intern auf - und wird klären müssen, warum sie gegen dieses Verhalten nicht vorgegangen ist.

Journalisten dürfen keine Gewalt anwenden

Zur Klarstellung: Einsatzmehrzweckstöcke oder andere Waffen gehören nicht zur Arbeitsausrüstung von Journalisten. Sie beobachten das öffentliche Geschehen - dazu zählen auch Polizeieinsätze - greifen aber nicht unterstützend ein und haben nicht das Recht, zur Ausübung ihres Berufs Gewalt anzuwenden.

In einem weiteren Pressebericht über den Einsatz in der Nacht zu Samstag berichtet die Polizei, dass sie nicht nur gegen einen Messerstecher, sondern auch gegen Mitglieder einer Gruppe von "40 Personen aus dem linksautonomen Spektrum" ermittelt. Denn Polizisten seien massiv angegriffen, bedrängt, beleidigt und mit Flaschen beworfen worden. Die Ermittlungen zielen auf schweren Landfriedensbruch, Widerstand, Gefangenenbefreiung und Beleidigung ab.

Polizeipräsident Gregor Lange: "Nach einer sehr schweren Ursprungstat, einer Messerattacke mit einer schweren Verletzung, war es der Auftrag der Beamten, nach dem Verbrecher zu fahnden. Mir ist wichtig, dass die Menschen sich darauf verlassen können, dass ihre Polizei in der Nordstadt konsequent die erforderlichen und angemessenen Maßnahmen trifft, die zur Durchsetzung rechtstaatlicher Regeln erforderlich sind."

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