Frauenhaus

Plätze fehlen für Dortmunds Frauen in Not

Eine Frau in einem Frauenhaus. Die Einrichtung in Dortmund ist dauerhaft überlastet.

Foto: Symbolfoto: Maja Hitij/dpa

Eine Frau in einem Frauenhaus. Die Einrichtung in Dortmund ist dauerhaft überlastet. Foto: Symbolfoto: Maja Hitij/dpa

Dortmund.  320 Anfragen von Frauen in Not musste das Frauenhaus 2016 mangels Platz ablehnen, Ende 2017 wird die Zahl noch höher liegen. Das Haus selbst ist in Not. Am Donnerstag gibts ein Gespräch mit der Landesministerin.

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"Der hat mich geschlagen, obwohl ich das Kind auf dem Arm hatte" - dies ist der Schlüsselsatz, den die Mitarbeiterinnen des Frauenhauses immer wieder hören. Frauen erdulden offenbar viel, was ihre eigene Person betrifft, überschreitet der Mann aber die rote Linie und greift seine Partnerin im Beisein der Kinder an, fällt der Entschluss, sich zu trennen.

Mit 31 Schutzbefohlenen ist das Dortmunder Frauenhaus aktuell um einen Platz überbelegt. Wer beim Träger, dem Verein Frauen helfen Frauen, anruft, muss verwiesen werden auf andere Einrichtungen. Nur fünf Häuser in ganz Westfalen hatten - Stand Montag, 14.15 Uhr - Plätze frei für Mütter mit Kindern: Warendorf, Dülmen, Hagen, Arnsberg und Höxter. Zu weit entfernt für betroffene Dortmunderinnen, deren Kinder hier zur Schule gehen.

Kein Auszug, kein freier Platz im Frauenhaus

Freie Plätze sind aufgelistet im Internet, auf der Seite Frauen-Info-Netz. Aber die Kapazität wechselt ständig. Im Gespräch mit unserer Redaktion erklärten Eva Grupe und Rita Willeke vom Vereinsvorstand, wie angespannt die Situation ist. Gedacht ist das Frauenhaus nur als vorübergehende Bleibe, in der die Frauen und ihre Kinder professionell durch Traumafachkräfte betreut und vorbereitet werden für ein eigenständiges Leben. Doch die durchschnittliche Aufenthaltsdauer wächst. Sie beträgt zwischen vier bis sechs Monate.

"Viele können nicht ausziehen. Es gibt keinen bezahlbaren Wohnraum für sie. Die Situation rund um das Hannibal-Hochhaus hat die Lage noch einmal verschärft", bedauert Eva Grupe. Kein Auszug, kein freier Platz im Frauenhaus.

Von der Analphabetin bis zur Frau mit Universitätsabschluss

Die Hälfte der Bewohnerinnen dort ist deutsch, die andere Hälfte stammt aus bis zu 20 Ländern. Besonders hart ist die Situation für Flüchtlingsfrauen mit ungeklärtem Aufenthaltsstatus. "Wenn sie sich von ihrem Mann trennen, haben sie meist keine Unterstützung mehr durch ihre Herkunftsfamilie", so Grupe.

Unter den Bewohnerinnen fände sich das ganze gesellschaftliche Spektrum, von der Analphabetin bis zur Frau mit Universitäts-Abschluss. Nicht immer lässt körperliche Gewalt sie aus der Beziehung fliehen. Oft seien es schleichende, zermürbende Prozesse, die die Betroffenen daheim erlebt hätten. Seelische Grausamkeiten, von der schlechten Behandlung über Kleinmachen bis zur völligen Isolation. Neuankömmlinge werden von der Polizei ins Frauenhaus gebracht, oder sie kommen über das Jugendamt, über Ärzte, Rechtsanwälte, Beratungsstellen und Kindergärten.

Mehr Plätze werden dringend benötigt

Es müssen dringend mehr Plätze her. 2016 bewarb sich der Verein Frauen helfen Frauen um einen Modellversuch im Land und wollte vier zusätzliche Plätze einrichten. Er bekam aber den Zuschlag nicht. An diesem Donnerstag steht ein Gespräch mit der neuen, zuständigen Landesministerin für Gleichstellung, Ina Scharrenbach, an. Das Ministerium hat schon signalisiert, dass die Landeszuschüsse für die Frauenhäuser um 2,5 Prozent steigen sollen. Rita Willeke weiß, dass dies nicht reichen wird: "Wir brauen einen Personalschlüssel von 1:4 wegen der Komplexität der Aufgaben."

Das Frauenhaus hat jetzt viereinhalb vollzeitverrechnete Stellen, möchte aber auf acht Stellen aufstocken. Nur dank eines größeren Erbes konnte die Einrichtung zuletzt zwei zusätzliche Kräfte beschäftigen, damit die Pforte zumindest bis 23 Uhr besetzt ist. Aus Sicherheitsgründen wäre eine Rund-um-die-Uhr-Besetzung nötig.

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