Zeuge gesucht

Hinterhalt gegen Lehrer: Schülern droht empfindliche Strafe

Die Martin-Luther-King-Gesamtschule in Dortmund-Dorstfeld.

Die Martin-Luther-King-Gesamtschule in Dortmund-Dorstfeld.

Foto: Bernd Thissen

Dortmund.   Nach dem Komplott gegen einen Lehrer in Dortmund rechnet der Staatsanwalt mit einem schnellem Ende der Ermittlungen. Ein Zeuge wird noch gesucht.

Nach dem Komplott gegen einen Lehrer drohen drei Jugendlichen im Falle einer späteren Verurteilung empfindliche Strafen. Das Trio soll den Pädagogen (51) am vergangenen Donnerstagmittag an der Martin-Luther-King-Gesamtschule in einen Hinterhalt gelockt haben, um ihn dort mit Hammerschlägen zu töten. Polizei und Staatsanwaltschaft ermitteln wegen der Verabredung zu einem Verbrechen.

Kommt der Fall vor Gericht, könnte die Tat strafrechtlich wie ein versuchtes Tötungsdelikt gewertet werden, sagt der Dortmunder Staatsanwalt Felix Giesenregen. Gegen alle drei dürfte nach Jugendstrafrecht verhandelt werden. Das sehe diverse „Sanktionsmöglichkeiten“ vor.

Schüler hatten handelsübliche Hämmer bei sich

„Wir gehen davon aus, dass wir die Ermittlungen zügig abschließen können“, sagt Giesenregen. Das Opfer sei ebenso bereits vernommen worden wie die mutmaßlichen Täter und auch mehrere Mitschüler.

Die handelsüblichen Hämmer, die bei den Jugendlichen sicher gestellt worden waren, liegen noch zur Untersuchung beim Landeskriminalamt. Ein möglicherweise wichtiger Zeuge, der mit seinem Hund in der Nähe des Tatorts gegen 14 Uhr unterwegs und den die Polizei mit einem Aufruf gesucht hatte, hat sich bislang nicht gemeldet.

Hass auf den Lehrer soll das Motiv gewesen sein

Die drei strafrechtlich noch nicht in Erscheinung getretenen Jugendlichen sind weiter auf freiem Fuß. Gründe für eine Untersuchungshaft wie Flucht- oder Verdunkelungsgefahr gibt es offenbar nicht, auf einen entsprechenden Antrag hat die Staatsanwaltschaft verzichtet.

Alle drei wohnen noch bei ihren Eltern. Während der mutmaßliche Hauptverantwortliche (16) ein Komplott gegen den Lehrer bestreitet, haben sein Mitschüler (17) und ein 18-jähriger Bekannter, der nicht auf die Schule ging, bereits gestanden. Hass des Jüngsten auf den Pädagogen soll das Motiv der Tat gewesen sein. Der 16-Jährige ist inzwischen von der Schule suspendiert worden.

Lehrer war zunächst völlig ahnungslos

Der Lehrer war wohl komplett ahnungslos, als er nach der Aufsicht bei den Abi-Klausuren auf den Parkplatz zu seinem Auto gehen wollte, und der 17-Jährige plötzlich einen Kreislaufkollaps vortäuschte. Nachdem der 51-Jährige einen Krankenwagen gerufen hatte, bedankte sich der Pädagoge sogar noch bei den anderen beiden Jugendlichen für ihre Unterstützung: „Der hat gar nicht gemerkt, was da abgehen sollte“, sagt Giesenregen, „das ist das Perfide an der Tat.“

Heraus kam der Plan auf Umwegen. Ein Mitschüler hatte sich seiner Mutter anvertraut, die informierte den Lehrer am Samstag auf dem Elternsprechtag, der schaltete die Schulleitung ein und die alarmierte am Montag die Polizei. Das am Dienstag bekannt gewordene Komplott hatte schnell für großes Entsetzen weit über die Dortmunder Stadtgrenzen hinaus gesorgt. Die Schulleitung war für eine Stellungnahme bislang nicht zu erreichen.

„Präventionsarbeit ist jeden Cent wert“

Entsetzen löste die Tat auch beim Verband für Bildung und Erziehung (VBE) aus, der in regelmäßigen Abständen Umfragen zu steigenden Zahlen bei der Gewalt gegen Lehrer vorstellt. An Schulen in Nordrhein-Westfalen gehe es demnach besonders rau zu. Schriftlich teilte der VBE-Landesvorsitzende Stefan Behlau auf Anfrage zum aktuellen Fall mit: „Für Gewalt darf es nie Toleranz geben, egal in welcher Form sie ausgeübt wird. Das beste Mittel, der Gewalt entgegenzutreten, ist Konflikten zu begegnen, bevor sie entstehen.“ Noch immer mangele es Schulen aber an der entsprechenden Aufstellung, kritisiert Behlau, so fehlten etwa weiter Schulsozialarbeiter: „Präventionsarbeit ist jeden Cent wert, denn sie wirkt nicht nur in der Schule, sondern auch nachhaltig.“ Im konkreten Fall sollten die Ermittlungsbehörden nun ihre Arbeit machen: „Kommt es zu Vergehen, müssen diese grundsätzlich je nach Schwere, Alter und Strafmündigkeit geahndet werden.“

Von der Bezirksregierung Arnsberg als Schulaufsicht war am Mittwoch ein Vertreter zum „Unterstützungsgespräch“ mit der Schulleitung vor Ort, bestätigt Pressesprecherin Anna Carla Springob. Dabei sei es darum gegangen, weitere mögliche Schritte zu erörtern. Die Situation an der Schule werde „sensibel begleitet“ - auch mithilfe von Schulsozialarbeitern. Bei Bedarf könne außerdem ein Schulpsychologe hinzugezogen werden. Für konkrete Maßnahmen sei es allerdings noch zu früh, es laufe noch die „Sortierphase“.

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