Initiative für breitere Gehwege

Mehr Platz für Dortmunds Fußgänger - weniger für Parkplätze

Zwei Meter Platz für Fußgänger – in dicht bebauten Innenstadt-Vierteln, wie hier im Kreuzviertel, ist das bislang nicht der Fall. Wenn man das Mindestmaß durchsetzt würden vor allem viele Schrägparkplätze entfallen.

Foto: Stephan Schütze

Zwei Meter Platz für Fußgänger – in dicht bebauten Innenstadt-Vierteln, wie hier im Kreuzviertel, ist das bislang nicht der Fall. Wenn man das Mindestmaß durchsetzt würden vor allem viele Schrägparkplätze entfallen. Foto: Stephan Schütze

Dortmund.  Den „Fußverkehr“ fördern will der städtische Beirat Nahmobilität. Für die Umsetzung gibt es jetzt einen ersten Vorschlag: Die Experten wollen breitere Gehwege und größere Parkbuchten festschreiben. Dem könnten viele Parkplätze zum Opfer fallen. Ein Testquartier ist auch schon gefunden.

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Sieben Mal hat der städtische Beirat Nahmobilität mit Vertretern aus Verwaltung, Politik, Wissenschaft sowie Vertretern von Interessengruppen und Verkehrsverbänden seit März 2016 getagt. In diesem Jahr war der „Fußverkehr“ ein Schwerpunktthema. Jetzt gibt es als Ergebnis der Diskussionen erstmals eine Empfehlung an die Politik. Und die birgt Zündstoff.

Zugeparkte Gehwege haben die Experten als ein Haupthindernis für Fußgänger ausgemacht. Deshalb soll das weitverbreitete Gehweg-Parken – unabhängig davon, ob es zulässig oder nur geduldet ist – reduziert werden. Geparkt werden soll in der Regel auf der Fahrbahn und in Parkbuchten – wenn denn dafür Platz ist. Denn für Gehwege fordert der Beirat eine Mindestbreite von zwei Metern. „Die geltenden technischen Regelwerke sehen sogar eine Breite von 2,50 Meter vor“, erklärt Tiefbauamts-Leiterin Sylvia Uehlendahl.

Parkverkehr neu ordnen

Die Konsequenz: Für parkende Autos bleibt wenig Platz. „Um das Wunschmaß zu erreichen, muss der Parkverkehr notfalls neu geordnet werden“, sagt Baudezernent Martin Lürwer. Damit nicht genug: Offiziell angelegte Parkbuchten sollen künftig mindestens 2,15 Meter breit sein, lautet eine weitere Empfehlung des Beirats. Damit soll dem Trend zu immer breiteren PKW – Stichwort „SUV“ – Rechnung getragen werden.

Klar ist, dass die Maßgaben vor allem in dicht bebauten Innenstadt-Vierteln Probleme bereiten werden. Deshalb hat der Beirat ein „Modellquartier“ ausgeguckt, um die neuen Richtwerte in der Praxis zu testen – wie es heißt, „unter breiter Beteiligung von Politik und Öffentlichkeit“.

Ausgewählt wurde die Chemnitzer Straße im Saarlandstraßenviertel, die im Verlauf von der Hohen Straße bis zur B1 sehr unterschiedliche Straßen-Querschnitte hat. So könnten verschiedenste Szenarien getestet werden, heißt es aus dem Tiefbauamt. Mit dem Pilotprojekt soll ein Planungsbüro beauftragt werden. Die im „Modellquartier“ gesammelten Erfahrungen sollen dann Grundlage für die Umsetzung der Richtwerte in weiten Teilen der Stadt sein.

Planungen überarbeitet

Die Förderung des Fußverkehrs war allerdings nur eines von vielen Themen im Beirat Nahmobilität. Die Palette reicht von neuen Radwegen über Barrierefreiheit bis zur Begleitung des Masterplans Mobilität. „Die Vorschläge des Beirats führen dazu, dass wir viele alte Schubladen-Planungen überarbeiten“, berichtet Martin Lürwer.

Die Experten lieferten viele Anregungen dazu. In den Beiratsdiskussionen werden dabei auch gegensätzliche Positionen ausgetauscht. „Es gibt aber kein Gegeneinander“, stellt der Beiratsvorsitzende Prof. Dr. Christian Holz-Rau, Verkehrsexperte der TU Dortmund, zufrieden fest. „Am Ende kann es immer nur Kompromisse geben.“

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