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Jagd&Hund eröffnet: Jäger erobern Facebook und Instagram

Mike Thieke vom „Orden deutscher Falkoniere“ begrüßt die Adler-Dame Inka mit „Guten Morgen, Maus.“        Foto: André Hirtz / FUNKE Foto Services

Mike Thieke vom „Orden deutscher Falkoniere“ begrüßt die Adler-Dame Inka mit „Guten Morgen, Maus.“ Foto: André Hirtz / FUNKE Foto Services

Dortmund.  Der Jagdverband gibt sich ein jüngeres Image. Blogger und Influencer sollen helfen. Vier Tipps, wohin es sich zu gehen lohnt auf der Jagd&Hund.

Wenn man sich als Jagdverband schon mit Bloggern und Influencern darstellt, dann gibt man dem Messestand wenigstens einen hergebrachten Namen: „Horrido!“ Dort, in Halle 8 der „Jagd&Hund“ in den Dortmunder Westfalenhallen, zeigt die traditionelle deutsche Jagd ihr junges Gesicht, etwa mit den Reilmann-Brüdern. Reilmann-Brothers?

Gregor (21) und Paul Reilmann (25) aus Ueckermünde gehören zu vielleicht zehn deutschen Jägern, die ihre Erlebnisse und ihre Kenntnisse regelmäßig und intensiv auf Facebook und Instagramm posten, bei Youtube veröffentlichen; ihre Plattform „Hunt on demand“ ist eine Art Netflix für Jägerfilme.

„Das haben die Jäger Jahrzehnte verkehrt gemacht“

Denn „heutzutage ist es ganz wichtig, transparent zu sein“, sagt Gregor Reilmann: „Das haben die Jäger Jahrzehnte verkehrt gemacht, und deshalb gibt es nun eine Art Mauer zu Teilen der Bevölkerung.“ Nun, sie arbeiten daran: In den sozialen Medien werden in den nächsten Tagen viele Beiträge auftauchen von der „Jagd&Hund“ – es zielt auf junge Leute, inspiriert vom Jagdverband.

Diese „Jagd&Hund“, Europas größte Jagdmesse, läuft seit Dienstag wieder, kombiniert mit der wesentlich kleineren „Fisch&Angel“. 850 Aussteller aus 44 Ländern belegen die Westfalenhallen komplett. Und wenn Sie das unübersichtlich finden, bekommen Sie nun vier Tipps von uns: Hier müssen Sie hin auf der „Jagd&Hund/Fisch&Angel.“

Wenn Adler Hasen jagen, ist der Adler oft der Dumme

Am Platz des „Ordens deutscher Falkoniere“ herrscht gerade völlig berechtigter Belagerungszustand. Adler, Uhus, Falken, Bussarde – was für schöne Vögel! Ihre Besitzer stehen da, sind für alle Fragen offen – und es kommen viele. An prominenter Stelle sitzt Inka (27), die Steinadler-Dame; die Begrüßung durch Ordensvertreter Mike Thieke klingt allerdings gerade etwas schräg: „Hallo Inka, guten Morgen, Maus!“

Inka jagt, deshalb sitzt sie ja hier, und sie jagt vor allem Hasen. Hier der Adler, da der Hase, ist das fair, Herr Rohrberg? Inkas Besitzer Wolfgang Rohrberg, ein älterer Herr aus Wesel, kann wunderbar erzählen, wie der Haken schlagende Hase dem Adler ein Schnippchen schlägt. Oder, wie der Hase schlagartig stehenbleibt, was dem Vogel in der Luft recht schwer fällt – und bis er zurück ist, ist der Hase weg. „Jeder zehnte gejagte Hase“, schätzt Rohrberg, werde auch erwischt: „Oder es muss ein dämlicher Hase sein.“

Der Geländewagen-Parcour: Steigungen bis 34 Grad, Schräglagen bis 20 Grad

Tipp zwei. Der Geländewagen-Parcour beim Eingang „Nord“. Die Nachricht wird Sie vielleicht nicht überraschen, dass die Geländewagen jetzt draußen stehen, aber in den vergangenen Jahren fuhren sie tatsächlich in der Halle. Wer will, kann sich in einem der Wagen über Hindernisse fahren lassen.

Wippe, Steigungen bis 34 Grad, Schräglagen bis 20 Grad: Spektakulär! Viel Spaß! Wobei Organisator Daniel Bauch Wert legt auf die Feststellung, dass am Steuer der Ínstrukteur sitzt und der Interessent neben ihm oder hinten. Das mindert das Risiko. Neu ist aber: Wer will, kann einen Landrover 30 Minuten kostenfrei und als Selbstfahrer testen im Dortmunder Stadtverkehr. Ganz risikofrei ist aber auch das nicht.

Wurst ohne Ende, nur alles vom Wild

Tipp drei. Das „Wild Food Festival“ belegt die ganze Halle 1, das ist die große. Hier gibt es alles, nur in wild: Leberkäse vom Bison und Bier vom Fass, Wild-Döner, Pulled Hirsch, Currywurst vom Wild, Wild-Igel (ein Mettgericht), Würste ohne Ende, Wildschwein im Brötchen, also, nur ein Stück, versteht sich. Und natürlich Gin.

Zwischen all dem Fleisch ein Stand mit Alkohol? „Zu dem ganzen fetten Zeug“, scherzt Marco Tunger, dessen Geschäftsmodell es ist, seinen Abonnenten monatlich kleine Flaschen mit neu entdeckten Sorten Gin zu schicken. Nein, im Ernst erklärt Tunger seinen Stand auf einer Jagdmesse so: „Wer jagt, ist auch genuss-affin, und trinkfreudig ist die Zielgruppe auch.“ Waidmannsprost!

Gewässer wärmen sich auf: Die Bachforelle verliert, der Wels gewinnt

Szenenwechsel zu Tipp vier. Muss man aber mögen. Beim Fischereiverband NRW in Halle 2 haben sie sich dieses Jahr des Themas Erderwärmung und heimische Gewässer angenommen. Von Fischsterben erzählt da Dr. Olaf Niepagenkemper und von einem Notfall-Anhänger, den es seit drei Jahren beim „Landesverband Westfalen und Lippe“ gibt. Mit Belüftungs-Aggregaten, um Fische zu retten.

Das Wasser wird wärmer, auch wenn der Verband daran mitwirkt, dass bei Renaturierungen Ufer bepflanzt werden, damit Schatten entsteht. Und doch, und doch: Fische wie Bachforelle oder Lachs, die kühle Gewässer brauchen, werden es schwer haben in Zukunft; ganz im Gegensatz zum Wels, der es warm und träge liebt. „Er war praktisch nicht hier“, sagt Niepagenkemper, „aber heute fangen sie zwei Meter große Exemplare im Rhein oder in der Lippe.“ Und wenige Stände weiter wird gezeigt, wie man Wels zubereitet. Passt.

Die Zahlen sprechen jedenfalls dafür, dass die Jäger nicht aus der Zeit gefallen sind. 2019 hatten in Deutschland 388.529 Menschen einen Jagdschein, knapp 4100 mehr als 2018. Im Vergleich zu 1990 ist das sogar ein Viertel mehr. Die meisten Jäger kommen aus NRW: 87 659. Rund 25 Prozent der Teilnehmer der Jägerausbildung sind heute Frauen, der Anteil der Jägerinnen liegt bei sieben Prozent.

Preise und Öffnungszeiten

„Jagd und Hund/Fisch und Angel“ bis einschließlich Sonntag, 2. Februar 2020, in den Dortmunder westfalenhallen. Eintrittspreis Erwachsene Tageskasse 19 Euro, online 17 Euro. Der Landesjagdverband empfiehlt als Navi-Adresse „Maurice-Vast-Straße“, von dort aus den Schildern folgen.

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