Verkehrssicherheit

Geister-Räder erinnern an toten Jungen aus der Nordstadt

Ein Kuscheltier, ein kurzer Brief und Blumen an der Unfallstelle: Auf der Kreuzung Mallinckrodtstraße/Ecke Leopoldstraße ist ein 11-jähriger Junge gestorben.

Foto: Stephan Schuetze

Ein Kuscheltier, ein kurzer Brief und Blumen an der Unfallstelle: Auf der Kreuzung Mallinckrodtstraße/Ecke Leopoldstraße ist ein 11-jähriger Junge gestorben. Foto: Stephan Schuetze

Dortmund.  Nach dem tödlichen Unfall eines Elfjährigen in Dortmund wirbt ein Mahnmal für mehr Rücksicht im Verkehr. Fünf Straßen sind besonders gefährdet.

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Mit einer Gedenkfahrt und der Aufstellung eines sogenannten „Ghost Bikes“ am Unfallort wollen Radfahr-Initiativen an diesem Freitagabend an den tragischen Unfall erinnern, bei dem ein 11-Jähriger am Mittwoch auf seinem Fahrrad von einem abbiegenden Lkw erfasst und schwer verletzt worden war. Das Kind starb wenig später in der Unfallklinik.

Die „Ghost Bikes“ (Geister-Fahrrad) genannten weißen Fahrräder werden seit 2003 weltweit an Unfallorten in Gedenken an verstorbene Radfahrer aufgestellt. „Sie sind eine Erinnerung daran, dass Radfahrer ein Anrecht auf sichere Straßen haben und mahnen alle Verkehrsteilnehmer zu einem rücksichtsvollen Umgang miteinander“, erklärt Norbert Paul von der Radfahr-Initiative Velocity-Ruhr. Die Gedenkfahrt startet um 19 Uhr auf dem Friedensplatz und soll von dort in die Nordstadt führen.

Mehrere schwere Unfälle mit Kindern

Der Tod des 11-jährigen Schülers auf der Mallinckrodtstraße ist in diesem Jahr nicht der erste schwere Unfall mit einem Kind in dem Stadtbezirk. „Bei 31 Unfällen mit Kindern sind in der Nordstadt 27 Kinder leicht und vier schwer verletzt worden“, berichtete Polizeisprecher Sven Schönberg aus der Jahresstatistik. Insgesamt starben dieses Jahr bisher drei Kinder bei Unfällen in Dortmund. Werner Blanke vom Allgemeinen Deutschen Fahrradclub (ADFC) und vom Runden Tisch gegen Kinderunfälle fordert höhere Sicherheitsstandards für Kinder, gerade in der Nordstadt.

Nach dem tödlichen Unfall wollen die Stadt Dortmund und die Polizei die Kreuzung schnell untersuchen. „Kontakt zum Polizeipräsidium besteht bereits. In diesem Zusammenhang wird auch die allgemeine Situation im Verkehr für Kinder in der Nordstadt überprüft“, berichtete Stadtsprecher Maximilian Löchter auf Anfrage.

Die Kreuzung Leopoldstraße/Mallinckrodtstraße sei bisher nicht als Unfallschwerpunkt aufgefallen. Werner Blanke vom ADFC erinnert allerdings an einen weiteren tödlichen Verkehrsunfall – „nur 500 Meter von dieser Kreuzung entfernt, ebenfalls auf der Mallinckrodtstraße und ebenfalls in einer Standardsituation“: 2012 überrollte ein bei dichtem Verkehr anfahrender Lkw ein Mädchen, das die Straße überqueren wollte.

Fünf Nordstadtstraßen sind besonders gefährlich

„Es gibt Nachholbedarf bei der Vermeidung solcher Unfälle“, stellt Werner Blanke fest. Fünf Nordstadt-Straßen seien besonders gefährlich:

  • Leopoldstraße
  • Münsterstraße
  • Mallinckrodtstraße
  • Bornstraße
  • Grüne Straße

„Wir müssen dafür sorgen, dass die Kinder diese gefährlichen Bereiche erst gar nicht nutzen und stattdessen sichere Parallelstrecken wählen, ohne Umwege gehen oder fahren zu müssen. Diese Alternativen gibt es in der Nordstadt“, stellte der ADFC-Vorsitzende und frühere Polizeibeamte fest. Das gelte nicht nur für Kinder, sondern auch für Senioren. Die Mallinckrodtstraße sei zwischen Leopoldstraße und Bornstraße besonders gefährlich.

Nachdenken müsse die Stadt dort auch über „für Autofahrer unattraktive Maßnahmen“. Wie an der Märkischen Straße. Damit Schulkinder dort gefährliche Bereiche nicht überqueren können, sind in der Mitte zwischen den Spuren Zäune gesetzt worden. Das könnte für die Mallinckrodtstraße überprüft werden, schlägt Blanke vor.

Wo Fußgänger die Mallinckrodtstraße überqueren, müssten Gehwege verbreitert und die Fahrbahn auf eine Mindestbreite von drei Metern verengt werden. „Die Mallinckrodtstraße ist wie eine Schlucht mit unangenehmem Drumherum. Alle sind gestresst in dem dichten Verkehr.“

„Trügerische Sicherheit“

Für den ADFC bieten Radwege nur eine „trügerische Sicherheit“. Werner Blanke: „Hauptstraßen mit Radwegen sind grundsätzlich gefährlich, weil viel Verkehr unterwegs ist. Kleinere Parallelstraßen haben zwar keine Radwege, aber trotzdem sind sie sicherer.“ Werner Blanke erinnerte an den von vielen Akteuren mit der Bezirksvertretung Innenstadt-Nord entwickelten Fahrradstadtplan für Kinder und Jugendliche in der Nordstadt. Der Plan gibt eine Übersicht über sichere Nebenstraßen.

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