Ganze zehn Jahre Theater

Bertholf Meyer leitet das Theater im Depot – hier noch mit dem alten Schriftzug. Foto: Franz Luthe

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Dortmund.„Das ganze Jahr Theater!“ In dicken Lettern prangt diese Verheißung am Depot in der Immermannstraße. Tatsächlich finden Freunde freier Kultur in der ehemaligen Straßenbahnstätte schon ganze zehn Jahre Bühnenkunst – dank des Theaters im Depot.

Möglich, dass es ein äußeres Zeichen des Erwachsenwerdens ist, ein Symbol für die Wichtigkeit in der Stadt. Möglich auch, dass es nur eine ästhetische Frage ist. Berthold Meyer jedenfalls, seit August 2006 Leiter des Theaters, hat entschieden, dass sich das Theater im Depot ab sofort nicht mehr in Minuskeln präsentiert, sondern in normaler Rechtschreibung. „Ich mag die Kleinbuchstaben nicht“, sagt Meyer – und trifft fast eine programmatische Aussage.

Denn als er die Bühne für 250 Zuschauer übernahm, stand sie kurz vor dem Aus, aus finanziellen und persönlichen Gründen – wie schon einige Jahre zuvor. Nachdem Bernhard Bleckmann durch eine Art Palastrevolution gestürzt wurde, „rutschte“ Meyer 2006 in die Leitung, und musste „verdammt“ sparen, um das Ganze zu retten – für die Zuschauer und die Mitarbeiter, deren Existenz mit dem Theater zusammenhängt.

Dabei war das Theater im Depot mit hehren Zielen gestartet: 1996 zunächst provisorisch mit dem Theaterfestival „Springflut“, 2001 dann als feste Spielstätte, die in einem Kraftakt von Bleckmann und anderen Kreativen geschaffen wurde – es geht die Legende, dass noch bei Eintreffen der ersten Gäste nicht alles abgenommen war. Nach dem Willen der Kulturpolitik sollte das Theater aber zu einem von fünf internationalen Vorzeigeproduktionszentren der freien Szene in NRW werden.

„Visionen sind wichtig. Aber wir sind froh, heute ein regionales Produktionszentrum mit internationalen Gastspielen zu sein“, sagt Meyer über die Ansprüche von damals. Das Theater bietet freien Gruppen aus Dortmund und der Region eine Auftrittsmöglichkeit – die junge Kreative aus Essen, Bochum oder Münster nutzen.

Damit auch aus Dortmund wieder künstlerischer Nachwuchs kommt, hat Meyer mit Choreographin Birgit Götz und Regisseurin Barbara Müller die Jugendarbeit mit der Tanz- und Theaterwerkstatt ausgebaut. „Da stoßen wir an unsere Kapazitätsgrenzen.“

Jenseits der Jugendlichen hat sich das Theater im Depot den Ruf erarbeitet, Ort für Experiment und Ungewöhnliches zu sein. Meyer will beides – „anspruchsvolles Familientheater“ und weniger publikumsträchtiges wie Radio-Klangkunst. Ein Mix, der die Besucherzahlen steigen lasse. Gleichwohl ist es mit den Finanzen immer noch nicht rosig: Mit 100 000 Euro von der Stadt, 43 000 Euro vom Land und Projektförderung finanziere das Theater die Miete, fünf Mitarbeiter, zehn Eigenproduktionen und 120 Veranstaltungen pro Jahr.

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