PCB-belastetes Gelände

Envio: Abschluss der Sanierung lässt weiter auf sich warten

Seit Dezember 2016 sind die früheren Envio-Hallen leer. Die Sanierung der Bausubstanz steht noch aus.

Seit Dezember 2016 sind die früheren Envio-Hallen leer. Die Sanierung der Bausubstanz steht noch aus.

Foto: Dieter Menne Dortmund

Dortmund.  Eigentlich sollte die Sanierung der PCB-belasteten Hallen auf dem Envio-Gelände im Hafen Ende 2017 abgeschlossen sein. Die Ausschreibung der Arbeiten ist schon lange vorbereitet, aber kommt jetzt erst auf dem Markt. Der Grund hat etwas mit Minsterialbürokratie zu tun.

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Leer und „besenrein“ sind die einstigen Envio-Hallen auf dem Gelände an der Kanalstraße im Hafen schon seit Dezember 2016. Ungewöhnlich ist, dass sie alle noch stehen. Denn zumindest zwei ihnen sollten längst abgerissen sein –mit dem letzten Schritt zur Sanierung des Envio-Geländes. Doch der lässt weiter auf sich warten.

Rückblende: 2014, vier Jahre nach Bekanntwerden des Skandals mit deutlich erhöhten PCB-Werten in und um die Envio-Hallen und im Blut der Mitarbeiter, hatte zunächst der Insolvenzverwalter der Envio Recycling GmbH noch verwertbares Material aus den Hallen geschafft. Den Rest – immerhin 3300 Tonnen zum Teil mit PCB verseuchtes Material in vier Hallen – ließ die Bezirksregierung 2016 entsorgen.

Zwei Hallen vor dem Abriss

Unmittelbar danach sollte der letzte Schritt mit der Sanierung der Hallen selbst starten. Gutachter hatten ermittelt, dass zumindest in den Halle 1 und 2 unmittelbar hinter dem früheren Verwaltungsgebäude an der Kanalstraße auch die Bausubstanz mit PCB belastet ist. Wände und Böden sollten deshalb abgefräst werden. Danach ist vorgesehen, die Hallen abzureißen.

Zum Schluss muss auch auf dem Außengelände die ebenfalls PCB-belastatete oberste Asphaltschicht mit speziellen Geräten abgefräst werden – alles unter strengen Sicherheitsvorkehrungen, um eine Belastung der Umgebung durch PCB zu verhindern. Die bundesweite Ausschreibung der Arbeiten sei bereits vorbereitet und solle Anfang 2017 erfolgen, erklärte ein Vertreter der Bezirksregierung im Dezember 2016.

Kein Geld aus Düsseldorf

Passiert ist allerdings nichts. Denn es gab kein Geld vom Land, wie ein Sprecher der Bezirksregierung auf Anfrage mitteilte. Weil die Envio Recycling GmbH wie auch die Grundbesitz Kanalstraße GmbH in Insolvenzverfahren stecken muss die Bezirksregierung die Sanierung als so genannte Ersatzvornahme anordnen – und aus Steuermitteln finanzieren.

Das Geld musste allerdings vom Innenministerium freigegeben werden, heißt es aus Arnsberg. Wegen Landtagswahl und Regierungswechsel seien die Mittel aber lange Zeit eingefroren gewesen. Eine Rolle könnte auch gespielt haben, dass die Zuständigkeit für Kommunales vom Innen- ins Heimatministerium gewechselt ist.

Bewilligung liegt jetzt vor

Seit Dezember 2017 liegt die Bewilligung endlich vor. Jetzt soll die Ausschreibung kurzfristig erfolgen, kündigte ein Sprecher der Bezirksregierung an. Nach der nötigen Prüfung der Angebote, könnten Sanierung und Teil-Abriss der Envio-Hallen dann Mitte des Jahres starten.

Wenn das Unternehmen für die Sanierung ausgewählt sei, werde es auch noch eine Informationsveranstaltung für die Bürger geben, um über den Ablauf der Sanierung zu informieren, berichtet der stellvertretende Leiter der Wirtschaftsförderung Pascal Ledune.

Kritik an der Verzögerung ist von der Stadt offiziell nicht zu hören. Sehr wohl aber von der Bürgerinitiative zur Aufklärung des PCB-Skandals. Deren Sprecherin Wiebke Clausen zeigt sich „befremdet“, spricht von einer „Riesen-Sauerei“. Es sei skandalös, dass eine so wichtige Sache so lange liegen bleibe. „Wir wollen endlich Ergebnisse sehen“, sagt Clausen.

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