Wohnungsmarkt

Dortmund: Hannibal II-Sanierung kommt nicht voran

Der Wohnkomplex Hannibal II in Dortmund-Dorstfeld steht seit September 2017 leer. Fast 800 Mieterinnen und Mieter wurden zwangsgeräumt wegen Brandschutzmängeln.

Der Wohnkomplex Hannibal II in Dortmund-Dorstfeld steht seit September 2017 leer. Fast 800 Mieterinnen und Mieter wurden zwangsgeräumt wegen Brandschutzmängeln.

Foto: Ralf Rottmann / FUNKE Foto Services

Dortmund/Gelsenkirchen.  Es gibt noch immer keine Entscheidung zur Sanierung des leerstehenden Wohnkomplexes Hannibal II. Und die Stadt zieht Frust bei Gericht auf sich.

Die Zwangsräumung der über 400 Wohnungen liegt inzwischen mehr als drei Jahre zurück – und noch immer ist alles in der Schwebe: Die Sanierung des Dortmunder Wohnkomplexes Hannibal II kommt nicht in die Gänge. Nach wie vor gibt es keine Entscheidung. Seit April prüft die Stadt nun die damals überarbeiteten Bauunterlagen des Eigentümers. Nach wie vor gibt es keine Entscheidung.

Jüngst musste die Feuerwehr am Mittwoch, 7. Oktober, zum Vogelpothsweg im Stadtteil Dorstfeld ausrücken: Im neunten Obergeschoss eines der Hannibal-Gebäude war ein Brand gemeldet worden. Zuletzt hatten im April diesen Jahres Jugendliche das abgesperrte und verrammelte Gebäude geentert - und Mobiliar von Balkonen geschleudert.

Stadt Dortmund wünscht sich Hannibal wieder auf dem Wohnungsmarkt

Wegen Mängeln im Brandschutz steht der Gebäudekomplex im Dortmunder Stadtteil Dorstfeld seit dem 21. September 2017 leer. Der Sachstand habe sich laut Stadt bis dato nicht geändert. "Die Prüfung ist sehr aufwändig", sagt ein Sprecher. Viele Stellen seien involviert. "Auch zum Beispiel die Feuerwehr".

Die Stadt Dortmund hatte die Zwangsräumung vor drei Jahren angewiesen. 753 Mieter mussten Hals über Kopf ihre Wohnungen verlassen. Allenfalls ein paar persönliche Dinge konnten sie Tage später aus ihren Wohnungen holen – manche mussten dafür gar vor Gericht ziehen. Später habe es auch Auszüge gegeben, darauf weist die Stadt hin. Und betont, wie wichtig es wäre, wenn die über 400 Wohnungen endlich wieder dem Dortmunder Wohnungsmarkt zugänglich gemacht würden. "Schließlich handelte es sich um bezahlbare Wohnungen", sagt ein Sprecher auf Anfrage.

Hannibal-Eigner: "Würden sofort mit der Sanierung beginnen"

Doch danach sieht es nicht aus. Wege am Gebäude überwuchern und vermüllen, ein Wachdienst soll das Gelände beaufsichtigen.

Nach wie vor bekräftigt der Eigentümer, das Berliner Immobilienunternehmen Lianeo, die Sanierung zu planen, um die Gebäude wieder bewohnbar zu machen: „Wir würden uns wünschen, sofort loslegen zu können“, erklärt ein Unternehmenssprecher auf Nachfrage. Die Stadt Dortmund hingegen sieht die Voraussetzungen dazu noch immer nicht erfüllt: „Nach wie vor ist der Bauantrag zur Sanierung/Renovierung des Gebäudekomplexes Hannibal II nicht vollständig“, teilte ein Sprecher schriftlich mit. Tage später korrigiert er sich: "Der Sachstand ist alt." Es gebe aber eben auch noch keinen neuen.

Stadt monierte Mängel beim Brandschutzkonzept

Es war in der Hauptsache das Brandschutzkonzept gewesen, weshalb die Stadt Dortmund die Sanierung von Hannibal II 2019 zurückgewiesen hatte. Damals war die Rede davon, dass im Jahr 2020 - nach erfolgter Sanierung - die ersten Mieter Hannibal wieder beziehen könnten. Daraus wurde nichts. Im Mai diesen Jahres hatte Lianeo seine Pläne dann überarbeitet erneut zur Prüfung eingereicht. Die Information, dass es erneut Probleme geben soll, stieß bei Lianeo auf Verwunderung. Dort hat man die Hoffnung, alsbald endlich das Okay für die Sanierung zu bekommen.

Der lange Leerstand schadet der Bausubstanz der in den Jahren 1973 bis 1975 errichteten bis zu 18-stöckigen Gebäude erheblich. Das Gebäude wird seit drei Jahren nicht mehr beheizt. Auch die Wasserrohre sind seit drei Jahren nicht mehr durchgespült worden, bestätigt man bei Lianeo. Für Heizungsanlagen sei in solchen Fällen mit erheblichen Schäden zu rechnen, durch Korrosion oder Frost, erklärt Gregor Hoffmann, technischer Referent beim Fachverband Sanitär Heizung Klima NRW. Auch die Wasserinstallation dürfte erheblich beschädigt sein.

Klage gegen Zwangsräumung - Stadt Dortmund rückt Akten nicht ‘raus

Trinkwasserrohre müssten gar alle 72 Stunden durchgespült werden, um die Bildung von Keimen oder verkeimten Schmierfilmen in den Rohren zu verhindern. Blieben Trinkwasserrohre – zumal solche aus feuerverzinktem Stahl, wie sie in den 1970er Jahren verbaut wurden - eine derart lange Zeit unbenutzt, „bekommt man Keime durch einfaches Spülen nicht mehr raus“, meint Hoffmann.

Zum Sanierungsaufwand möchte man sich bei Lianeo jedoch weiterhin nicht äußern. Dass Wasser- und Heizungsrohre womöglich vor dem Wiederbezug von Hannibal II ebenfalls zu erneuern sein würden, habe man „im Sanierungskonzept berücksichtigt“, sagt Unternehmenssprecher Döring. Zu den veranschlagten Kosten sagt Lianeo nichts.

Auch auf anderer Ebene geht es bei Hannibal II derzeit nicht weiter: Lianeo hat wegen der Zwangsräumung die Stadt Dortmund verklagt. Es geht dabei auch um Schadenersatzforderungen. Im April diesen Jahres wollte die zuständige Kammer des Gerichts sich des Verfahrens endlich annehmen, sagt ein Gerichtssprecher auf Anfrage. Dort aber sieht man seitdem die Stadt Dortmund in Verzug: „Die Kammer wartet seit geraumer Zeit auf die Übersendung bereits mehrfach angeforderter Unterlagen der Stadt Dortmund“, sagt Gerichtssprecher Wolfgang Thewes. Es geht um die Dokumentation der sogenannten Verwaltungsvorgänge rund um die Zwangsräumung.

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