Blindgänger

Die wichtigsten Infos zum Luftminen-Fund in Dortmund

Der Evakuierungsradius — 1500 Meter um den Fundort der Bombe herum.

Der Evakuierungsradius — 1500 Meter um den Fundort der Bombe herum.

Foto: Grafik/Helge Hoffmann

Dortmund-Hombruch.  Am Sonntag läuft in Dortmund die größte Evakuierungs-Aktion an, die die Stadt wegen einer Bombenentschärfung je gesehen hat. 20.000 Menschen müssen aus ihren Wohnungen, damit eine außergewöhnlich schwere Luftmine entschärft werden kann. Wir haben die wichtigsten Fragen zusammengestellt!

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In Dortmund ist am Mittwoch eine Weltkriegsbombe mit 1,5 Tonnen Sprengstoff entdeckt worden. Der Kampfmittelräumdienst fand die außergewöhnlich große Luftmine im südlichen Stadtteil Hombruch. Die Entschärfung ist für Sonntag angesetzt. 20.000 Menschen müssen evakuiert werden. Wir haben die wichtigsten Fragen zusammengestellt!

Wo liegt die Bombe?

Im Industriegebiet an der Kieferstraße in Hombruch. Und die Bombe liegt sicher — zwei Meter unter der Erde. Auch die Zünder sind derzeit gesichert. Der Blindgänger wurde bei der Auswertung alter Luftbilder entdeckt, die die Briten direkt nach dem Krieg von der Region gemacht haben. Darauf erkennen die Experten Krater und suchen dann gezielt das Gebiet ab.

Wer muss evakuiert werden?

Rund 20.000 Anwohner müssen am Sonntag aus ihren Wohnungen. Der Evakuierungsradius reicht im Osten bis zum Schulzentrum Am Hombruchsfeld, im Süden bis hinter die Reitplätze an der Großholthauser Straße, im Westen bis zu den Reitanlagen an der Persebecker Straße und im Norden bis hinter den Sportplatz am Parkhaus Barop. Im Radius liegt auch das Marien-Hospital mit einer inneren und einer psychiatrischen Abteilung, das Fritz-Heuner-Seniorenheim an der Stockumer Straße, die Seniorenresidenz an der Harkortstraße, das Hallenbad an der Deutsch-Luxemburger-Straße.

Ist auch der Verkehr betroffen?

Ja. Die A45 liegt knapp außerhalb des Radius', aber viele Bahnlinien liegen im Sperrgebiet. Der Für die Zeit der Sperrung werden die Bus-Linien 440, 447, 448 und 449 ebenso unterbrochen wie die Stadtbahn-Linie U42. Auch die S-Bahn S5 Dortmund—Witten muss stoppen.

Der letzte Halt der S5 am Haltepunkt Barop wird um 8.56 Uhr sein. Danach wird der Haltepunkt abgesperrt. Ein- und Ausstiege sind dort dann nicht mehr möglich. Die Züge passieren den Sperrbezirk danach ohne Halt bis zu einem Zeitpunkt kurz vor der Entschärfung. Nach jetzigem Stand wird die letzte S-Bahn in Richtung Witten den Hauptbahnhof um 12.41 Uhr verlassen. Danach ruht der Verkehr bis zur Wiederfreigabe der Strecke.

Was für eine Bombe ist das?

Eine britische Luftmine Typ HC 4000 LB ("Cookie") aus dem zweiten Weltkrieg. Sie ist siebenmal größer als die 250-Kilo-Blindgänger, die alle paar Wochen gefunden werden: drei Meter lang, 80 Zentimeter dick und 1,8 Tonnen schwer. Im Innern schlummern 1,5 Tonnen TNT-Sprengstoff. Gezündet wird sie mit drei mechanischen Zündern, die beim Aufprall auf den Boden eingedrückt werden.

Luftminen wurden eingesetzt, um den Brandbomben den "Boden zu bereiten": Durch die starke Druckwelle wurden im weiten Umkreis Dächer abgedeckt — Brandbomben konnten so leichter in die brennbaren Dachstühle eindringen. Deshalb wurden die Bomben auch "Wohnblock-Knacker" genannt. Zudem wurden die Straße durch die Trümmer für Helfer unpassierbar. Die Druckwelle zerstörte im Umkreis von 100 Metern alle Gebäude und ließ Fenster in einer Entfernung von 2000 Metern zersplittern. Direkte Opfer von Luftminen starben an Lungenriss.

Wurde so eine Bombe schon mal gefunden?

Ein ähnliches Modell wurde 2011 im Rhein bei Koblenz gefunden. Mit 47.000 Evakuierten war es der größte Einsatz wegen einer Fliegerbombe, den es in Deutschland bislang gab. Auch in Dortmund wurden schon zwei solcher Riesen-Bomben gefunden — zum Glück auf alten Deponien in Grevel und Deusen. Das ist aber schon 15 Jahre her. Anwohner waren damals nicht betroffen. Im Ruhrgebiet werden Bomben dieses Typs etwa alle fünf Jahre gefunden. "Normale" 250-Kilo-Bomben tauchen alle paar Wochen auf. Die Bombe, die im Dezember 2012 das Klinikviertel lahm legte, war 500 Kilo schwer. Gut 7000 Menschen wurden evakuiert.

Wie läuft die Evakuierung ab? 

Nehmen wir eine Bitte der Stadt vorweg: "Es wird dringend darum gebeten, den Anweisungen der Ordnungsbehörden während der Evakuierung Folge zu leisten. Verzögerungen bei den Evakuierungsmaßnahmen führen zu vermeidbaren Unannehmlichkeiten für alle Beteiligten. Nach Abschluss der Evakuierung bis zur erfolgreichen Entschärfung ist der Aufenthalt im Sperrbereich strikt untersagt."

In den Notunterkünften in den Westfalenhallen finden 2.000 Personen Platz. Für gewöhnlich reicht eine Kapazität von 10 Prozent der Betroffenen aus. Transferbusse bringen Anwohner dort hin, sofern sie nicht woanders unterkommen können.

Wie komme ich zur Notunterkunft in der Westfalenhalle?

DSW21 wird acht Busse für den Pendelverkehr zu den Westfalenhallen zur Verfügung stellen, die ab 09.00 Uhr von den folgenden Punkten aus im Umlauf verkehren:

1. Stockumer Straße/Am Hedreisch

2. Stockumer Straße/ Am Beilstück

3. Zillestraße/Am Hombruchsfeld

4. Löttringhauser Straße/ Parkplatz KGA Löttringhausen

5. Grotenbachstraße/ Kieferstraße

6. Menglinghauser Straße/Am Sturmwald

7. Lütgenholthauser Straße/ Rebhuhnweg

8. Harkortstraße/ Hombrucher Straße.

Was ist mit Haustieren?

Wer die Notunterkunft in den Westfalenhallen aufsuchen will, kann Haustiere wie Katzen, Hunde oder Vögel mitnehmen. Für Aquarien oder Terrarien und deren Bewohner ist das allerdings nicht möglich.

Die Evakuierung wird ein Kraftakt für die Stadt: Das Ordnungsamt organisiert Evakuierung mit 40 Leuten, dabei helfen 30 bis 50 Tiefbauamts-Mitarbeiter, etwa 150 Polizeibeamte und Mitglieder von Hilfsdiensten und Feuerwehr. Auch DEW und DSW sind im Einsatz.

Das Ordnungsamt verteilt am Donnerstag Info-Zettel im betroffenen Gebiet. Die Stadt Dortmund informiert zudem im Internet auf www.dortmund.de und auf twitter.com/stadtdortmund oder am Telefon unter der Service-Nummer 500 (Samstag 9-14 Uhr, Sonntag 9 Uhr-Ende). Gehbehinderte oder bettlägerige Anwohner sollten sich rechtzeitig bei der Feuerwehr unter 0231/19222 melden, damit ein Krankentransport organisiert werden kann.

Was ist, wenn ich zu Hause bleiben will?

Es wird geklingelt und geklopft. Erfolgt keine Reaktion, wird davon ausgegangen, dass die Wohnung leer ist. Sollte sich jemand weigern, seine Wohnung oder sein Haus zu verlassen, werden nach eindringlichem Zureden ggf. auch Zwangsmaßnahmen getroffen. Jeder und jedem muss klar sein, dass ein Verbleib im Sicherheitsbereich unter Umständen lebensgefährlich werden kann.

Wer beschützt meine Wohnung, wenn ich nicht da bin?

Die Einsatzkräfte von Polizei, Feuerwehr und Ordnungsamt werden die Letzten sein, die den Sicherheitsring verlassen. Dadurch ist eine flächendeckende Sicherung über die meiste Zeit gewährleistet. Darüber hinaus wird ein Hubschrauber der Polizei das Gebiet aus der Luft überwachen.

Wie ist der zeitliche Ablauf?

Bis Sonntag organisiert die Stadt die Evakuierung. Normalerweise dauert die Planung ein paar Stunden, sodass Bomben noch am selben Tag oder am Folgetag entschärft werden können. In diesem Fall ist der Organisationsaufwand aber erheblich höher. Am Sonntagmorgen um 9 Uhr beginnt die Evakuierung. Bis 11 Uhr soll das Gebiet geräumt sein. Der Kampfmittelräumdienst schätzt, dass die Entschärfung eine Stunde dauert. Bis 15.30 Uhr soll alles vorbei sein. Meist kommt es aber zu unvorhersehbaren Verzögerungen.

Was kann ich während der Evakuierung tun?

Eine gute Nachricht: Wegen des Hansemarktes ist in der City verkaufsoffener Sonntag. Wer mag, kann also shoppen gehen.

Außerdem bietet die Stadt ein besonderes Freizeitprogramm für alle von der Evakuierung Betroffenen.

Die folgenden Angebote gelten ausschließlich und exklusiv für die Menschen, die in dem Evakuierungsbereich wohnen. Die Vergünstigungen werden gegen Vorlage des Personalausweises oder eines der im Stadtbezirk verteilten Handzettel gewährt.

Der Westfalenpark gewährt unter 18-Jährigen ab 9 Uhr freien Eintritt an den Eingängen „Ruhrallee“ und „Buschmühle“. Freie Turmauffahrt für Kinder und Erwachsene von 9 Uhr bis 15.30 Uhr. Das Kindermuseum mondo mio! öffnet schon um 10 Uhr. Der Kiosk im Turmrestaurant Florian bietet ab 12 Uhr den „Coffee to Go“ zum halben Preis von 1,05 Euro an. Das Café an den Wasserbecken öffnet schon um 9 Uhr.

Im Rombergpark ist für unter 18-Jährige der Eintritt zu den Pflanzenschauhäusern ab 9 Uhr frei. Das Café Orchidee öffnet für ein Extra-Frühstück bereits um 8.30 Uhr.

Der Zoo gewährt unter 18-Jährigen freien Eintritt.

Im Revierpark Wischlingen erhalten alle eine Ermäßigung von 50 Prozent auf alle Tarife des Solebades, der Saunalandschaft und der Eishalle. Die Laufzeiten der Eishalle sind 9.30 Uhr bis 12.30 Uhr; 14 Uhr bis 17.30 Uhr; 19 Uhr bis 21.30 Uhr.

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