Polizei und Staatsanwaltschaft

Deutlich weniger Raubüberfälle in der Nordstadt

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Polizeieinsatz in der Nordstadt: Mit viel Präsenz und Zivilkräften konnte die Polizei die Kriminalitätszahlen in der Nordstadt erneut nach unten drücken.

Polizeieinsatz in der Nordstadt: Mit viel Präsenz und Zivilkräften konnte die Polizei die Kriminalitätszahlen in der Nordstadt erneut nach unten drücken.

Nordstadt.  In der Nordstadt mit ihrem schlechten Ruf von Gewalt, Diebstahl und Drogenhandel gibt es auch gute Nachrichten: Die Zahl der Straftaten geht kontinuierlich zurück - bei Raubüberfällen sogar um 40 Prozent. Polizei und Staatsanwaltschaft wollen noch intensiver gegen Straftäter vorgehen. Wir erklären, wie das funktionieren soll.

Häufig äußerten Bürger, Händler und Hausbesitzer harsche Kritik an Polizei und Justiz: Zum Straßenbild gehörende Mehrfachtäter würden von Zeugen als Kriminelle benannt, dann von der Polizei festgenommen und schnell wieder zum Tatort zurückkehren, um ungeniert weiter mit Drogen zu handeln. Konsequentes Durchgreifen sehe anders aus. Doch die Polizei kann Erfolge vorweisen. Nicht erst seit gestern.

Mit so vielen Beamten auf engem Raum wie in keinem anderen Dortmunder Stadtbezirk hält die Polizei schon seit Jahren dagegen - deutliche Erfolge konnte sie schon 2015 melden. Fast 1000 schnelle Festnahmen unmittelbar nach einer Straftat war so eine eindrucksvolle Zahl.

Den Trend fortsetzen

Seit wenigen Wochen arbeiten Polizei und Staatsanwaltschaft besser zusammen, um den Abwärtstrend bei den Kriminalitätszahlen fortzusetzen. Dabei geht es um Straftaten wie Raub, Einbruch, Taschendiebstahl und Drogenhandel. Auch Gewalttaten stehen im Fokus.

  • Die Staatsanwaltschaft setzt drei Dezernenten allein für die Nordstadt ein. Sie sind feste Ansprechpartner für die Polizei und sollen an grundlegenden Entscheidungen mitwirken, damit Polizei und Justiz besser gegen Kriminelle vorgehen können.
  • Die Polizei hat die "Ermittlungskommission Nordstadt" eingerichtet. Erfahrene Kriminalbeamte, die sich bereits bestens in der Nordstadt auskennen, sollen im Verborgenen liegende Strukturen aufhellen, Zusammenhänge erkennen und den Anklägern zuarbeiten.

Wie erfolgreich Ermittlungskommissionen arbeiten können, beweist die Polizei im Umgang mit Einbrechern: Kriminalbeamte konnten mehrere Banden stoppen und langjährige Haftstrafen erwirken. Die Aufklärungsquote der Polizei ist in diesem Bereich gestiegen.

Schneller und effizienter arbeiten

Der Leitende Oberstaatsanwalt Volker Schmerfeld-Tophof und Dortmunds Polizeipräsident Gregor Lange sagten am Donnerstag (8. Dezember) ein schnelleres und effizienteres Vorgehen voraus. Inzwischen seien "deutliche Erfolge" erkennbar. Polizeisprecher Oliver Peiler nannte dafür diese Zahlen im Vergleich Januar bis November 2015/2016:

  • Gesamtkriminalität: -10 Prozent (von 14.872 auf 13.364)
  • Straßenraub: -40 Prozent (von 277 auf 171)
  • Taschendiebstahl: -28 Prozent (von 794 auf 573)
  • Wohnungseinbruch: -13 Prozent (von 345 auf 300)
  • Körperverletzung: -2 Prozent (von 488 auf 479)
  • Gewalttaten: -15,4 Prozent (von 920 auf 778)

Die Zahlen bildeten "die niedrigste Kriminalitätsrate in drei Jahren" ab, berichteten Polizei und Staatsanwaltschaft. Zugleich habe die Polizei jüngst die höchste Aufklärungsquote innerhalb von drei Jahren erzielen können. Beim Raub ein Rückgang der Fallzahlen um 40 Prozent in nur drei Jahren - das ist in so kurzer Zeit ein hoher Wert, der nicht dem Zufall überlassen worden ist. Die Zahlen zeigen auch, dass noch viel zu tun ist. Weitere Angaben der Polizei:

  • 50 Schwerpunkteinsätze allein im Jahr 2016
  • Freiheitsentzug in 900 Fällen
  • 29 Bereichsbetretungsverbote, die nur mit hohem Aufwand durchzusetzen sind
  • Zwischen September 2013 und Anfang November 2016: 460.000 Euro Bargeld sichergestellt
  • Tatverdächtigen erbeuteten Schmuck im Wert von 50.000 Euro abgenommen

Polizeipräsident Gregor Lang bezeichnete die Nordstadt als "Multiproblemviertel", in dem Polizei und Justiz allein nicht viel ausrichten könnten. "Zur Wahrheit gehört auch, dass soziale Schieflagen, Bildungsdefizite und fehlende Perspektiven die Ursachen für ein Multiproblemviertel wie die Nordstadt darstellen", sagte er. Um das zu ändern, müssten "alle" mit anpacken.

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