Ruhrgebiets-Politiker sind sauer

Deshalb erntet Wirtschaftsförderer Westphal heftige Kritik

Sorgte für Ärger im Ruhrgebiet: Dortmunds Wirtschaftsförderer Thomas Westphal.

Sorgte für Ärger im Ruhrgebiet: Dortmunds Wirtschaftsförderer Thomas Westphal.

Dortmund.  Das Ruhrgebiet schäumt, CDU-Politiker aus Bochum und Gelsenkirchen üben heftige Kritik an Dortmunds Wirtschaftsförderer Thomas Westphal. Oliver Wittke, Chef der CDU Ruhr, schrieb an Oberbürgermeister Sierau. Der versteht die Aufregung nicht und spricht von einer Fehlinterpretation.

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Mehrere Zeitungen zitierten jetzt den Bochumer CDU-Politiker Roland Mitschke, der auch Chef der CDU-Fraktion im Ruhrparlament ist, mit den Worten, dass Westphal "nicht mehr tragbar" sei. Keine Frage, der Dortmunder Wirtschaftsförderer hat sich einigen Zorn zugezogen. Was war los?

Ein Satz erhitzt die Gemüter

Ein Wirtschaftsförderer soll für den Standort werben. Das tat Westphal in einem Neujahrsbrief an Unternehmer und andere Entscheider im Ruhrgebiet. Er konstatiert darin: "Dortmund entwickelt sich zum digitalen Zentrum für Westfalen und schlägt eine aktive Brücke zwischen der mittelständischen Industrie aus Ost- und Südwestfalen und aus dem Münsterland zur wachsenden digitalen Gründerszene im Ruhrgebiet." Auch die Zahl der Jobs in Forschung und Entwicklung stiegen in Dortmund, schreibt Westphal weiter. Dann kommt die Passage, die die Gemüter von Wittke, Mitschke und womöglich einigen anderen erhitzt: "Damit wird auch noch einmal deutlich, obgleich wir öffentlich immer gerne zum Bestandteil des niedergehenden Ruhrgebietes gemacht werden, sind wir in Wirklichkeit ein Motor der westfälischen Boomregion."

Missverständnis und Fehlinterpretation

Hier das boomende Dortmund, dort das niedergehende Ruhrgebiet - so ist es bei den Kritikern angekommen.
Das sei ein "Missverständnis", heißt es bei der Wirtschaftsförderung. Gemeint gewesen sei, dass das Ruhrgebiet besser dastehe, als von außerhalb häufig behauptet. Oberbürgermeister Ullrich Sierau spricht ebenfalls von einer "Fehlinterpretation" des Satzes durch die Kritiker. Er hat Wittkes Brief beantwortet. Einen Grund, Westphal als Wirtschaftsförderer infrage zu stellen, gebe es nicht.

Schlechte Voraussetzung

Roland Mitschke hält an seiner Kritik an Westphal fest: "Zu glauben, dass in Dortmund alles gut ist und im restlichen Ruhrgebiet alles schlecht, das ist eine schlechte Voraussetzung für Zusammenarbeit", sagte Mitschke auf Anfrage unserer Redaktion. Er meint die Zusammenarbeit in der Metropole Ruhr, von deren Wirtschaftsförderung Westphal Chef war, ehe er 2013 nach Dortmund wechselte.

Unterschiedliche Wirtschaftsberichte

Karola Geiß-Netthöfel, Direktorin des Regionalverbands Ruhr, sagt zu der ganzen Sache: "Wir sollten auf keinen Fall von Niedergang sprechen, denn alle Fakten, wie zuletzt auch im Wirtschaftsbericht NRW zu lesen, zeigen, dass sich die Metropole Ruhr überdurchschnittlich entwickelt hat". In dem Bericht wird in der Tat die "gute Entwicklung im Ruhrgebiet" mehrfach hervorgehoben. Gleichwohl gibt es auch Berichte wie den jährlichen Zukunftsatlas des Unternehmens Prognos, laut dem einige Ruhrgebietsstädte deutlich hinterherhinken.

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