Stadtmarketing

Darum hat Dortmund kein Stadt-Logo mehr

Das beliebte „Do-Emblem“ war bis 1993 das Logo Dortmunds.

Das beliebte „Do-Emblem“ war bis 1993 das Logo Dortmunds.

Dortmund.  Düsseldorf hat eins, Bochum hat eins, sogar Unna oder Datteln leisten sich eins: Mit einem modernen Logo wollen viele Städte Profil zeigen. Dortmund hatte einst ein sehr beliebtes Logo - doch mittlerweile verzichtet die Stadt ganz bewusst darauf. Dahinter steckt eine leidvolle Geschichte.

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„Die Logos sind die Stadtwappen des 21. Jahrhunderts“, sagt Tim Rieniets, Leiter der Landesinitiative Stadtbaukultur NRW. Wobei er einen entscheidenden Unterschied zwischen Stadtwappen und Stadtlogo ausmacht: „Während die Stadtwappen Symbole der Macht waren und Respekt einforderten, sind die Stadtlogos Symbole des wirtschaftlichen Wettbewerbs und möchten Emotionen wecken“, erklärt Rieniets.

Die Stadt Dortmund sieht das anders: Sie hat ihr Logo vor zwölf Jahren ganz bewusst durch das alte Stadtwappen ersetzt – mit dem Adler der alten Reichs- und Hansestadt Dortmund.

DO-Emblem wurde erstes Stadt-Logo

Für die Entscheidung dürfte die teilweise leidvolle Logo-Geschichte der Stadt eine gewichtige Rolle gespielt haben. Wie viele andere Städte hatte Dortmund in den 1960er-Jahren den Trend zum Stadtlogo erkannt. Imagepflege wurde zu einer wichtigen Aufgabe. Es galt, gegen den Ruf der grauen Industriestadt anzukämpfen. Also mussten neue, freundliche Symbole her. Auf Werbeplakaten blühte Flowerpower, Zehntausende gingen auf die vom städtischen Informations- und Presseamt organisierte „49-Prozent-Wanderung“ durch die grüne Seite der Stadt.

Zur Gartenschau „Euroflor“ im Westfalenpark wurde 1969 schließlich das „DO-Emblem“ als einheitliches Signet der Stadtwerbung eingeführt – das erste Logo der Stadt. Im „O“ sprossen neben der stilisierten Ansicht von Westfalenhalle und Florianturm Blüten, die entfernt an die allseits beliebten „Pril-Blumen“ erinnerten (wobei die erst später auf den Markt kamen). Das grüne Logo zierte städtische Veröffentlichungen, es prangte auf Plakaten, wurde auf T-Shirts und Tassen gedruckt. Und das blumige Emblem prägte tatsächlich über Jahrzehnte das Bewusstsein der Dortmunder.

Beliebtes Logo wurde ersetzt- das Echo war verheerend

Von daher war es mutig, dass sich 1993 der frisch ernannte Presseamts-Leiter Oliver Berten anschickte, ein neues Logo zu etablieren. Unter fünf Entwürfen aus einem 65.000 Mark teuren Wettbewerb hatte eine siebenköpfige Jury des Rates ein schlichtes Logo einer Dortmunder Agentur ausgewählt: Ein blauer Pfeil als D und ein schwarzer Kreis als O statt Blümchen, Florian und Westfalenhalle.

Das Echo war verheerend, das Logo wurde in Leserbriefen mit Spot übergossen. „Dortmund größer als Null“ lasen manchen aus den Zeichen. Das Logo gehöre in den Mülleimer der Stadtgeschichte, so der Tenor. Und da kam es auch hin. Noch im Dezember 1993 beschloss der Rat der Stadt, zunächst einen Gesprächskreis zum Logo-Streit einzurichten. Wenig später wurde dann ein Bürgerwettbewerb gestartet, um ein neues Logo zu finden. Und diesmal wurde über den Sieger nicht im stillen Kämmerlein entschieden.

Westfalenhalle und Florianturm standen nicht mehr für das „neue Dortmund“

In einer Ausstellung im Rathaus wurden alle Entwürfe präsentiert und ein Gewinner gekürt. Die Entscheidung fiel auf ein Do-Emblem mit geschwungenen Linien, in denen sich Westfalenhalle und Florianturm wiederfanden und das damit ein wenig an das alte Logo erinnerte. Es zierte nun in neuer blaugrüner Hausfarbe alle Schriftstücke und Veröffentlichungen der Stadt.

Kult-Status wie das Blümchen-Logo erreichte es allerdings nie. Und hatte deshalb auch schon bald ausgedient. Denn Anfang der 2000er-Jahre machte man sich Gedanken über das „neue Dortmund“. Und stellte sich bei einer Routine-Runde beim damaligen Oberbürgermeister Dr. Gerhard Langemeyer die Frage, wie man dieses neue Dortmund darstellen kann, erinnert sich Dr. Ulrich Potthoff als Leiter der Dortmund-Agentur. Mit Westfalenhalle und Florianturm, da war man sich einig, wohl nicht mehr.

Die Rückkehr des alten Stadtadlers

OB Langemeyer war es schließlich, der den alten Stadtadler, dessen Geschichte als Stadtsymbol bis ins Mittelalter zurückreicht und der schon unmittelbar nach dem Zweiten Weltkrieg 1946 wieder zu Ehren gekommen war, ins Gespräch brachte. Sein Versuch, dem Wappentier ein neues Aussehen zu geben, scheiterte zwar im Rat, die Rückkehr zum historischen Adler wurde aber im April 2005 endgültig besiegelt.

„Es gibt halt nicht mehr das Alleinstellungsmerkmal, das für Dortmund steht“, begründet Potthoff den Verzicht auf ein neues Logo. So wurde es auch im 2013 vom Rat beschlossenen Kommunikationskonzept der Stadt festgehalten. Mit dem Adler werde deutlich, dass Dortmund eine stolze Tradition als Reichs- und Hansestadt habe, ist Potthoff überzeugt. „Und mit der Entscheidung für das Stadtwappen fahren wir auch heute noch gut.“ „Der Adler ist eine gesetzte prägnante Marke und nicht künstlich geschaffen worden“, stellt Andrea Schmadtke, Design-Expertin der Dortmund-Agentur fest.

Privatleute dürfen das Wappen kostenlos benutzen

So sehen es wohl auch die Dortmunder. Proteste gegen die Entscheidung im Rathaus ganz ohne Bürgerbeteiligung blieben aus. Ganz im Gegenteil: Viele tragen den Stadtadler mit Stolz auf T-Shirts und Taschen. Dazu hat der Rat sogar eine Regelung zu den Verwertungsrechten getroffen.

Privatleute dürfen den Adler kostenlos nutzen, sofern sie keine Interessen verfolgen, die denen der Stadt entgegenstehen. Kommerzielle Nutzer zahlen 30 Euro für die Verwendung auf Produkten mit Souvenircharakter und Sammlerobjekten und 90 Euro, wenn das Stadtwappen Wertgegenstände wie Schmuck, Uhren oder hochwertiges Porzellan schmücken soll.

Eine echte Geldquelle ist die eher symbolische Gebühr nicht. Die Anfragen, die die Dortmund-Agentur erreichen, sind nach einem ersten Ansturm in der Zeit der Wiedereinführung des Stadtwappens auch überschaubar. „Wir freuen uns aber, wenn das Stadtwappen weite Verbreitung findet“, sagt Andrea Schmadtke. Als Machtsymbol, das Respekt einfordert, sehen die Dortmunder „ihr“ Stadtwappen offensichtlich nicht.

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